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17.10.2014

18:04 Uhr

GDL bestreikt Deutsche Bahn

Die Profiteure des Streiks

VonAnis Micijevic

Die Lokführer wollen wieder streiken. Das ist nicht für alle schlecht. Denn wenn die Züge der Deutschen Bahn wirklich stillstehen sollten, schlägt die Stunde der Privatbahnen, Fernbusse und Mietwagenfirmen.

Wenn die Lokführer streiken, steigen viele auf Mietwagen um.

Wenn die Lokführer streiken, steigen viele auf Mietwagen um.

DüsseldorfDie bisher längste Streikaktion der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) trifft Millionen Wochenendpendler, Ferienreisende und Fußballfans: Von Samstagmorgen (02.00 Uhr) bis Montagmorgen (04.00 Uhr) sollen die Personenzüge der Deutschen Bahn stillstehen und fast den gesamten Bahnverkehr in ganz Deutschland lahmlegen. Im Güterverkehr der Deutschen Bahn sollte der Streik bereits am Freitagnachmittag beginnen.

In sieben Bundesländern beginnen die Herbstferien, in zwei anderen gehen sie zu Ende, darunter Nordrhein-Westfalen. Die Deutsche Bahn reagiert erneut mit einem Ersatzfahrplan, damit zumindest ein Teil der Züge fahren kann.

Millionen Menschen dürften sich in diesen Stunden fragen: Wie komme ich am Wochenende dahin, wo ich hinwollte? Alternativen gibt es einige – und die dürften sich in den kommenden Tagen über einen wahren Kundenansturm freuen.

Der Tarifkonflikt bei der Bahn

Die GDL-Forderungen

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden. Daneben müsse es insgesamt familienfreundlichere Schichtregelungen geben.

Für wen die GDL verhandeln will

Das ist der Kern des Konflikts: Bislang schloss sie Tarifverträge für die 20.000 Lokführer, bei denen sie die stärkste Arbeitnehmervertretung ist. Die übrigen Berufsgruppen, insgesamt rund 140.000 Beschäftigte, vertrat die größere Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Zwischen beiden Gewerkschaften gab es ein Abkommen, das dies regelte. Dies ist jedoch im Juni ausgelaufen und wurde nicht verlängert.

Die GDL will nun auch für rund 17.000 Mitarbeiter des Bordpersonals wie Zugbegleiter und Restaurantkräfte sowie Rangierführer verhandeln. In der Gruppe des Zugpersonals insgesamt, also mit Lokführern, sei man die stärkste Gewerkschaft, argumentiert die GDL.

Die Position der Bahn

Die Bahn will mit der GDL einen Lokführer-Vertrag abschließen, lehnt aber konkurrierende Verhandlungen mit zwei Gewerkschaften zur gleichen Berufsgruppe strikt ab. Denn die EVG will im Gegenzug zur GDL nun auch für ihre Mitglieder unter den Lokführer einen eigenen Vertrag. Dies kann den Konflikt weiter verschärfen: Die EVG will am Mittwoch mit der Bahn verhandeln.

Rivalität zwischen GDL und EVG

Eine neue Verständigung zwischen GDL und EVG könnte den Konflikt entschärfen. Dies ist jedoch unwahrscheinlich. Zum einen will die GDL ihren Einfluss ausdehnen. Zum anderen verläuft ein tiefer Riss zwischen den Organisationen, da die Vorgängerorganisation der EVG die Börsenpläne von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn unterstützt hatte. Dies gipfelte im Wechsel von Gewerkschaftschef Norbert Hansen in den Bahn-Vorstand. Seitdem sieht sich die GDL als einzige wirkliche Arbeitnehmervertretung.

Tarifeinheitsgesetz

Die GDL fürchtet, dass die Politik der Bahn mit dem geplanten Tarifeinheitsgesetz beispringt. Damit soll der Einfluss von Spartengewerkschaften wie der GDL oder der Pilotenvereinigung Cockpit begrenzt werden. Die GDL wirft der Bahn vor, mit ihrer Haltung Streiks provozieren zu wollen, damit das Gesetz schneller und schärfer kommt. Ein Entwurf soll im November vorgestellt werden.

Zum Beispiel die Fernbusanbieter: „Das ist der Wahnsinn“, sagt Matthias Schröter, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Omnibusunternehmer, im Gespräch mit Handelsblatt Online. „Die großen Fernbusunternehmen, mit denen ich Kontakt hatte, sind doppelt und dreifach überbucht. Deren Homepages ächzen unter dem Ansturm.“ Alle seien bemüht, zusätzliche Kapazitäten – also mehr und größere Busse (Doppeldecker) – bereitzustellen.

Spontanfahrer ohne Reservierung dürften sich kaum Hoffnungen machen, am Wochenende noch einen Platz in einem Fernbus zu ergattern. Denn die Leitungen bei Anbietern wie „Flixbus“ und „Mein Fernbus“ liefen am Freitag heiß - die Webseiten seien dermaßen überlastet gewesen, dass Telefonieren vielen als die schnellere Variante erschien. Auch die Preise für manche Strecken sind bereits in die Höhe geschossen.

Gerade in Großstädten und Ballungsgebieten dürfte es am Wochenende auch schwer werden, einen Mietwagen zu bekommen. Unter der Woche herrsche mehr Geschäftsverkehr als am Wochenende und private Unternehmungen ließen sich bei Streiks leichter verschieben als Geschäftstermine, sagte Oliver Huq, Geschäftsführer des Verbands deutscher Autovermieter, Handelsblatt Online. „Dennoch ist davon auszugehen, dass in Düsseldorf, Hamburg, Berlin und dem Ruhrgebiet der Ausnahmezustand herrschen wird. Dort wird die Nachfrage wohl nicht komplett bedient werden können“.

Bundesweit rechnet er am Wochenende mit etwa 20 Prozent mehr Auslastung bei den Mietwagenfirmen als Folge des Bahn-Streiks. Auch hier werde versucht, kurzfristig die Kapazitäten zu erhöhen. „Es kostet aber auch Geld, die zusätzlichen Autos mit Lkw in die Ballungszentren zu transportieren“, so Huq. Daher werde man Kosten und Nutzen genau abwägen.

Kommentare (2)

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Herr Horst Meiller

17.10.2014, 17:40 Uhr

Pferdldroschkenbesitzer hat man auch vergessen, die machen gerade DAS Geschäft ihres Lebens. Und der RMDKanal bei mir ganz in der Nähe war auch selten so voll!

Herr Teito Klein

17.10.2014, 17:41 Uhr

Die Bahn kommt - nicht!
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Es wird Zeit, dass die schienengebundene Bahn ohne Lockführer fährt.
Bei Schiffen, Autos, LKWs ist das schon möglich.

Der Egomane Weselsky (GDL) nimmt die Bahnkunden in Geiselhaft, gibt aber die Schuld daran der Bahn.

[i]Die Lokführer wollen wieder streiken. Das ist nicht für alle schlecht. Denn wenn die Züge der Deutschen Bahn wirklich stillstehen sollten, schlägt die Stunde der Privatbahnen, Fernbusse und Mietwagenfirmen.[/i}

Damit macht sich die Deutsche Bahn überflüssig.
Hier bracht es eine neue Margaret Thatcher, die hatte damals unter den Gewerkschaften gründlich aufgeräumt.

Aber was machen jetzt die ganzen "Fußball-Fans" und Hooligans an diesem Wochenende? Sie kommen jetzt ja nicht zu ihrem "Schlachtfeld".

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