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13.08.2013

14:52 Uhr

GDL-Chef im Interview

„Der Deutschen Bahn fehlen 800 Lokführer“

Der Chef der Lokführergewerkschaft GDL kritisiert die Personalsituation der Deutschen Bahn und die Renditevorstellungen des Unternehmen. Überstunden seien die Regel. Dies soll sich durch Tarifverträge in Zukunft ändern.

Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), fordert bessere Personalplanung. dpa

Claus Weselsky, Vorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), fordert bessere Personalplanung.

Frankfurt/MainBei der Deutschen Bahn AG fehlen nach Ansicht der Gewerkschaft GDL mindestens 800 Lokführer. GDL-Chef Claus Weselsky will das Unternehmen über Tarifverträge zu einer vernünftigen Personalplanung zwingen.

Wie stellt sich denn die Personalsituation bei den Lokführern dar?
Weselsky: Die Personalsituation bei den Lokomotivführern ist seit Jahren angespannt. Wir haben bereits im Jahre 2011 gegengesteuert, indem wir in Tarifverhandlungen feste Einstellungsquoten miteinander vereinbart haben. Damals waren es 500, 2012 haben sie dann 700 Einstellungen von der DB AG verlangt. Aber wir durften feststellen, das reicht bei weitem nicht aus, um die natürliche Fluktuation auszugleichen und um die vor uns liegenden Abgänge zu kompensieren. Wir haben eine Personalsituation, die stetig ansteigende Überstunden beinhaltet.

Fakten zur Deutschen Bahn

Umsatz

Die Deutsche Bahn verbuchte im ersten Halbjahr 2013 einen Umsatz von 19,4 Milliarden Euro (19,5 Milliarden Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum). Insgesamt kam die Bahn 2012 auf einen Umsatz von 39,30 Milliarden Euro.

Gewinn vor Zinsen und Steuern

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug im ersten Halbjahr 2013 eine Milliarde Euro (1,3 Milliarden Euro im Vorjahr).

Halbjahresergebnis nach Steuern

Halbjahresergebnis nach Steuern: 554 Millionen Euro (Vorjahr: 783 Millionen Euro).

Mitarbeiter

Ende Juni 2013 hatte der Staatskonzern etwa 295.700 Mitarbeiter, fast drei Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt 2012.
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Fahrgäste Bahnverkehr pro Tag

Fahrgäste Bahnverkehr im ersten Halbjahr in Deutschland: 991 Millionen (Vorjahr: 981 Millionen). Davon waren 62,5 Millionen im Fernverkehr unterwegs.

Beförderte Güter im Schienenverkehr

Die Logistiksparte der Bahn transportierte Güter mit einem Gesamtgewicht von 196,7 Millionen Tonnen (ein Minus von über fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr).

Schienennetz

Das Schienennetz der Deutschen Bahn ist weiter leicht geschrumpft. Es hat noch einen Länge von 33.492 Kilometer, 13 Kilometer weniger als Ende 2012.

Wie ist die Belastung des aktuellen Personals?
Wenn man sich die letzten Jahre anschaut, dann haben wir im Jahre 2011 mehr als 2,4 Millionen Überstunden gehabt, wir haben im Jahre 2012 2,9 Millionen Überstunden und wir gehen im Jahre 2013 weit über die 3 Millionen an Mehrleistungsstunden. Wir können sagen, die Kollegen kommen nicht dazu, die Mehrleistungsstunden abzubauen und sie werden gezwungen, immer wieder neue zu machen.

Wieviele Lokführer fehlen denn?
Wir gehen davon aus, dass wir (...) definitiv 800 Lokführer bei der Deutschen Bahn AG zu wenig haben. Wir verlangen im Rahmen der zukünftigen Tarifverhandlungen vom Arbeitgeber die Tarifierung von echter Personalplanung im Zusammenhang mit der vorhandenen Leistung.

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