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06.11.2014

12:52 Uhr

GDL-Chef Weselsky unter Druck

„Unglaubliche Verletzung meiner Privatsphäre“

Die Kritik an GDL-Chef Claus Weselsky als Schlüsselfigur beim Bahnstreik wird immer persönlicher. Nachdem Medien Fotos seines Hauses sowie seine Büronummer veröffentlicht haben, hat er nun die Polizei eingeschaltet.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky: „Es geht nicht mehr um die Sache.“ dpa

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky: „Es geht nicht mehr um die Sache.“

FrankfurtDer Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), Claus Weselsky, sieht seine Privatsphäre bedroht. „Ich bin auch bisher immer auf Bahnhöfen gewesen und werde das auch weiter tun. Ich habe allerdings gestern Abend die Polizei verständigt, weil es hier in einer unglaublichen, nennen wir es einfach Verletzung meiner Privatsphäre, nicht mehr um die Sache geht“, sagte Weselsky am Donnerstag im ARD-„Morgenmagazin“. Für Personenschutz habe er bislang aber „keine Notwendigkeit gesehen“.

Medien hatten zuvor Fotos von Weselskys Wohnhaus gezeigt. Auch seine Büronummer wurde veröffentlicht. „Da muss ich einfach nur lachen, ich wohne zur Miete in einem Häuschen, das 61 Quadratmeter hat - und wenn das dann ein exklusiver Wohnsitz ist, na bitteschön, dann ist das einfach so“, meinte Weselsky.

„Interessierte Kreise“ legten großen Wert drauf, dass die Zugbegleiter und Lokführer nicht erfolgreich seien. „Und das ist eine Dimension, die hätte ich mir am Beginn der Auseinandersetzung so nicht vorstellen können.“

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Die mit der GDL konkurrierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat vor einer zunehmenden Radikalisierung durch die Streiks gewarnt. „Ich bin entsetzt, dass es in den sozialen Medien zwischenzeitlich Gruppen gibt, die sich beispielsweise „Hooligans gegen Lokführer“ nennen und die zu Gewalt gegen unsere Kollegen aufrufen“, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner am Donnerstag laut Mitteilung in Frankfurt. Schon der Gedanke an tätliche Angriffe gegen Eisenbahner - gleich welcher Gewerkschaft - sei völlig inakzeptabel.

Zugleich kritisierte Kirchner die aus seiner Sicht „inakzeptable Politik der Spaltung“: „Auch ich habe kein Verständnis dafür, dass die Führung der GDL nur deshalb so massiv zum Arbeitskampf aufruft, weil sie ihren Machtbereich ausdehnen will.“ Die EVG sei zu einer fairen Kooperation bereit, um zur Lösung des Konflikts beizutragen.

Der längste Lokführerstreik in der Geschichte der Deutschen Bahn ist seit Donnerstagmorgen in vollem Gang. Nach dem Güterverkehr bleiben seit 2.00 Uhr auch im Fern- und Regionalverkehr und zum Teil bei der S-Bahn die Züge stehen. Die Bahn sprach am Morgen von massiven Beeinträchtigungen im Personenverkehr. Mit Ersatzfahrplänen will das Unternehmen bis zum Streikende am Montagmorgen einen Teil der Züge verlässlich auf der Strecke halten. Sie warnte Reisende und Pendler aber vor Ausfällen und längeren Reisezeiten.

Von

dpa

Kommentare (54)

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Herr walter danielis

06.11.2014, 10:25 Uhr

Es ist offensichtlich. Hier soll einer fertiggemacht werden der es wagt, wider den Stachel zu löcken

Herr Ylander Ylander

06.11.2014, 10:29 Uhr

Das sehe ich auch so. Und es wird gelingen.

Ist nicht so, dass ich das billige, doch er hat es provoziert.

Der Mann wird daran zerbrechen.

Herr Frank Müller

06.11.2014, 10:52 Uhr

Bei Claus Weselsky geht es nicht mehr um die Sache. Es wird nur gestreikt damit seine Macht wächst. Er sagt ja selber: in den letzten 4 Monaten wurde überhaupt nicht um Inhalte geredet... (und deshalb hat er den Streik angezettelt).

Warum hat er denn nicht über Inhalte geredet, er war doch bei den Verhandlungen (am Rande?) dabei! Heuchler !

Dabei merkt er leider nicht, dass er den Bogen weit überspannt hat, denn Lokführer sind ersetzbar. Durch mehrere automatisch einsetzende Mechanismen. So werden sie überflüssig, weil die Kunden abwandern oder sie können auch durch Automaten ersetzt werden.

Viele Politiker haben dieselbe Krankheit: Machtgeilheit. Leider. Aber andere haben Ihren Weg zum Säulenheiligen (= sich nicht bewegen, aber angebetet werden) geschickter gestaltet.

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