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19.05.2015

08:14 Uhr

GDL gegen Deutsche Bahn

Bahnchefs wollen Streik in letzter Minute verhindern

Um den längsten Streik der Geschichte durchzuhalten, muss die GDL das Streikgeld erhöhen. GDL-Chef Weselsky gibt sich indes generös: Im Falle einer Schlichtung werde man den Ausstand binnen eines Tages beenden.

Streik ohne festes Ende

Weselsky: „Wir werden kein Enddatum nennen!“

Streik ohne festes Ende: Weselsky: „Wir werden kein Enddatum nennen!“

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Frankfurt/BerlinNeue Entwicklungen im Streit zwischen GDL und Deutsche Bahn: Bahn-Vorstandsmitglied Ulrich Weber will den angekündigten neuerlichen Streik der Lokomotivführer in letzter Minute verhindern. Das kündigte er am Dienstag im ARD Morgenmagazin an: „Wir werden noch im Laufe dieses Tages ab 11 Uhr mit der GDL an einem Tisch sitzen.“ Dazu werde man einen externen Arbeitsrechtler hinzuziehen. „Wir möchten mit dem objektiven Experten darüber reden: Wie kommen wir in die Schlichtung, welche Themen sind der Schlichtung zugänglich.“ Es gehe um die Ausgestaltung von Tarifverträgen, um Konditionen, Geld und Zeit. Er gehe zuversichtlich und mit Kompromissbereitschaft in das angekündigte Gespräch. Auch die GDL müsse ein Interesse an einer Lösung des Konflikts haben.

Wenn es nicht zu einer Einigung kommt, sollen die Lokführer wohl über die Pfingstfeiertage streiken. Der Ausstand mit offenem Ende soll demnach um zwei Uhr in der Nacht zum Mittwoch im Personenverkehr beginnen. Bereits am heutigen Dienstag um 15 Uhr legen die Lokführer im Güterverkehr die Arbeit nieder. Das teilte die Lokführergewerkschaft GDL am Montag in Frankfurt mit. Das Streikende will die Gewerkschaft erst 48 Stunden vorher nennen, ein unbefristeter Streik sei das nicht.

Allerdings räumte GDL-Chef Claus Weselsky – ebenfalls im ARD Morgenmagazin – ein, dass beim Start einer Schlichtung binnen eines Tages eine Lösung gefunden werden könne. Er halte es für möglich, den Arbeitskampf „innerhalb einer kurzen Zeit von zwölf bis 14 Stunden zu beenden“, sagte Weselsky . Bedingung dafür sei aber, dass die Deutsche Bahn die nötigen Grundvoraussetzungen herbeiführe. Die eigentlichen inhaltlichen Fragen des Tarifstreits mit der Bahn seien nicht unlösbar, so der GDL-Chef.

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Bahn-Personalvorstand Weber gesteht nach 20 weiteren Verhandlungsstunden ein, im Tarifkonflikt nicht weiter zu kommen. Doch dass die Bahn vor der GDL einknickt, ist auch nach einer weiteren Streikrunde unwahrscheinlich.

So langsam kommen auch die Gewerkschafter an ihre Grenze. Um den Lohnausfall ihrer streikenden Mitglieder abzufedern, erhöht die GDL laut Weselsky das Streikgeld von 75 auf 100 Euro pro Tag. Lokführer, die fünf Tage streikten, hätten deutlich höhere Entgelteinbußen, als sie aushalten könnten, sagte Weselsky. Bis Dezember hatte es noch bei 50 Euro gelegen.

Trotzdem verzichteten die Lokführer mit jedem Tag im Ausstand auf Einkommen. „Von Streikgeld ist hier in diesem Land noch nie jemand reich geworden“, sagte der GDL-Chef. Vermutungen, die GDL müsse sich die anhaltende Streikbereitschaft ihrer Mitglieder erkaufen, wies Weselsky zurück: „unsere Organisation ist gut aufgestellt und kann den Druck weiter erhöhen“, sagte er.

Die Lokführergewerkschaft bezahlt den Ausstand nicht nur aus eigener Tasche, sondern kann Streikgeldunterstützung beim Dachverband, dem Beamtenbund, beantragen. Bei den bisherigen Streiks sei das auch regelmäßig geschehen, sagte Weselsky. Vor dem letzten großen Streik hatte allerdings Beamtenbund-Chef Klaus Dauderstädt der GDL nahe gelegt, doch einmal über die Schlichtung nachzudenken. „Wenn dieser Streik nicht zu einem Verhandlungsergebnis führt, wird es sinnvoll sein, auf einen unabhängigen Dritten zurückzugreifen“, sagte Dauderstädt damals. Das war als Anzeichen dafür gedeutet worden, dass die Solidarität des Dachverbandes mit den Lokführern langsam bröckelt.

Die Streiks der GDL

1. Warnstreik am 1. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Warnstreik am 6. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

1. regulärer Streik am 7. und 8. Oktober

Neun Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Streik am 15. und 16. Oktober

14 Stunden im Personen- und Güterverkehr.

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober

50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr.

4. Streik vom 6. bis 8. November

64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr.

5. Streik vom 21. bis 24. April

66 Stunden im Güterverkehr, Dienstag (15 Uhr) bis Freitag (9 Uhr) und 44 Stunden im Personenverkehr, Mittwoch (2 Uhr) bis Donnerstag (21 Uhr).

6. Streik vom 4. bis 10. Mai

Bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr

7. Streik vom 19. bis 21. Mai

Die GDL streikt zunächst, ohne einen Endpunkt zu nennen – einigt sich aber am 21. Mai mit der Bahn auf eine Schlichtung.

Weselsky betonte aber, der Dachverband stehe weiter zur GDL. Und: „Der Druck aus unserer Mitgliedschaft ist klar und deutlich. Wir sind lange genug verschaukelt worden.“ Es müsse jetzt endlich Fortschritte bei der geforderten Reduzierung der Arbeitszeit und beim Überstundenabbau geben.

Der Inhalt der Streikkasse ist das am besten gehütete Geheimnis einer Gewerkschaft, weil der Arbeitgeber daraus Rückschlüsse auf die mögliche Kampfkraft ziehen kann. Am bisher längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG, der vor gut einer Woche zu Ende gegangen war, hatten sich nach Gewerkschaftsangaben pro Tag rund 3300 GDL-Mitglieder beteiligt – mehr als in den vorherigen Streikrunden. „So lange der Arbeitgeber die Sorgen und Nöte seines Zugpersonals ignoriert, so lange müssen wir uns auch keine Sorgen um die Streikbereitschaft unserer Mitglieder machen“, hatte Weselsky damals erklärt.

Kommentare (34)

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Herr Werner Vollmer

18.05.2015, 12:17 Uhr

Es wird Zeit, dass die Arbeitnehmer dieser Republik wieder bereit sind für ihre Rechte zu kämpfen. Seit der Agenda 2010 geht es stetig bergab mit dem Arbeitseinkommen. Nicht Herr Weselsky trägt die Verantwortung für den langwirigen Arbeitsstreit, sondern der Bahnvorstand. Er verhält sich wie ein Kapitalist aus dem 18-ten Jahrhundert. Gebt nicht auf, es ist die Chance kangsam aber sicher die politischen Verhältnisse in diesem Land wieder zurecht zu rücken. Oder wollen wir enden wie die USA, in völligen moralischen Verseuchung der Kapitalisten. Wir wissen doch, mit einem zeitlichen Verzug von 5 Jahren, haben wir immer die Zustände der USA auch in Deutschland realisiert. Siehe derzeit die Verrottung unserer Infrastruktur.

Herr Murat Kivrak

18.05.2015, 12:26 Uhr

Regierung muss diese Streiks verbieten. Aus diesen Streiks können viele Arbeitnehmer zu ihren Arbeitsplätzen nicht fahren. Ich frage mich was Frau Merkel oder Verkehrsminister/in macht.

Das was gdl macht ist eine Erpressung. und das ist viel zu viel.

Herr Lee Rtasche

18.05.2015, 12:30 Uhr

Die derzeitige Geschäftsführung der DB ist verhandlungsunfähig. Der Wunsch nach einer veränderten Personalpolitik basiert auf Millionen von Überstunden, die für die Arbeitnehmer nicht tragbar sind, da sie über Jahre nicht nur geduldet, sondern gefördert worden sind.
Teil einer Diskussion muß werden, wie mit einer gänzlich neuen Geschäftsführung eine zukünftig tragbare Personalpolitik gestaltet werden könnte.

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