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05.11.2014

15:50 Uhr

GDL lehnt Schlichtung ab

Wie Weselsky ganz Deutschland gegen sich aufbringt

Selten war ein Streik dermaßen personalisiert wie der neue Ausstand bei der Deutschen Bahn. GDL-Chef Weselsky muss sich Einiges anhören – auch aus den eigenen Reihen. Dabei geht es ganz schön hart zur Sache.

Claus Weselsky: Der GDL-Chef gilt als harter Verhandlungsgegner. dpa

Claus Weselsky: Der GDL-Chef gilt als harter Verhandlungsgegner.

Er gehört wohl zu den am meisten kritisierten Menschen Deutschlands in diesen Tagen: GDL-Chef Claus Weselsky. Dabei werden Medien, Bahnfahrer und Politiker gegenüber dem Oberlokführer nicht selten auch persönlich. „Das scheint ein Profilneurotiker zu sein“, schimpft der Leiter der Berliner Tourismusgesellschaft Visit Berlin Burkhard Kieker im Interview mit dem RBB. An die Lokführer gewandt sagte er: „Ihr lauft dem falschen Mann hinterher!“ Im Netz hagelt es ebenfalls Kritik. Die GDL-Führung lässt sich von der Kritik trotzdem nicht beeindrucken, auch das Angebot der Deutschen Bahn zu einer Schlichtung lehnte die Gewerkschaft am Mittwochnachmittag ab.

Auch Politiker verurteilen das Vorgehen der Gewerkschaft – allerdings meist ohne den GDL-Chef persönlich anzugreifen. So warnte der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, im Gespräch mit der „Bild“, bei derart langen Streiks stelle sich die Frage der Verhältnismäßigkeit: „Sie schaden Wirtschaft und Verbrauchern gleichermaßen.“

Ähnlich kritisch äußerten sich Vertreter der SPD in der „Rheinischen Post“ vom Mittwoch. „Die GDL hat jedes Maß verloren. Das hat mit Tarifpolitik nichts mehr zu tun“, sagte SPD-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel. Der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Torsten Albig (SPD), nannte den Streik einen „Schlag ins Gesicht von Millionen Menschen, die ohne die Bahn nicht zur Arbeit, Schule oder Hochschule kommen“. Eine „verantwortungsvolle Gewerkschaft“ würde sich anders verhalten.

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Der Chef der Lokomotivführer-Gewerkschaft, Claus Weselsky, kämpft in Tarifkonflikten mit harten Bandagen. Mit seiner Wortgewalt eckt er mitunter an. Doch den GDL-Mitgliedern gefällt's.

Auch innerhalb der Gewerkschaft GDL wird Weselsky bereits seit längerem kritisiert. So fordert der Sprecher der Initiative für mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL, Volker Siewke auf der Homepage der Organisation den Rücktritt von Weselsky und unterstellt ihm „Größenwahn“. Die Streikbereitschaft sei bei weitem nicht bei 91 Prozent, sagte er im Gespräch mit dem ARD-Nachtmagazin. „Eher vermute ich, wir haben es hier mit einem Zahlendreher zu tun. Bei realistischer Einschätzung kann man sagen, ungefähr zwanzig Prozent der Mitglieder stehen voll und ganz in dem Streik, die übrigen weniger.“ Laut Angaben der GDL hatten sich in der Urabstimmung 91 Prozent der Befragten für unbefristete Arbeitsniederlegungen ausgesprochen – allerdings bezog sich das nur auf diejenigen, die auch an der Abstimmung teilgenommen hatten.

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Weselsky selbst wehrte sich gegen Kritik aus den eigenen Reihen. „Und was die interne Kritik betrifft, da sage ich einfach: Ich habe einen einstimmigen Beschluss des Hauptvorstandes und der Tarifkommission. Und die standen nicht unter Drogen“, sagte er am Montagabend in den ARD-„Tagesthemen“.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

05.11.2014, 16:07 Uhr

Wenn es den Zugführern bei der Bundesbahn nicht gefällt, mögen sie bitte sofort den Arbeitgeber wechseln.
So jedenfalls macht es jeder anständige Arbeitnehmer, der auf sich hält.

Sowohl in Deutschland, der EU und überall auf der Welt gibt es gelegentlich freie Stellen für diese unflexiblen übermotorisierten Droschkenfahrer.

Herr Horst Meiller

05.11.2014, 16:57 Uhr

Hm... ja, @HB, "Sonnenkönig" war für DEN ja wohl etwas übertrieben! (o:)

Account gelöscht!

05.11.2014, 17:13 Uhr

@Herr Cal Andersen
"Wenn es den Zugführern bei der Bundesbahn nicht gefällt, mögen sie bitte sofort den Arbeitgeber wechseln.
So jedenfalls macht es jeder anständige Arbeitnehmer, der auf sich hält."

Jeder Arbeitnehmer macht das was er für richtig hält bzw. zu dem er sich gezwungen sieht und nicht das was SIE für anständig halten. Moralinsaures Geplapper von Feudalherren ist heutzutage nur noch langweilig und kommt gefühlte 120 Jahre zu spät.

Wer seine vom Grundgesetz verbrieften Rechte ausübt muss sich vor niemanden rechtfertigen oder dumm von der Seite anmachen lassen. Die GDL vertritt alle ihre Mitglieder und möchte einen anders lautenden Vertrag nicht unterzeichnen. Die GDL hat ausschließlich Mitglieder aus dem Betriebsteil Zug der DB und anderer Privatbahnen, die da sind Lokführer, Zugbegleiter, Gastronomen in den Speisewagen, Lokrangierführer, Instruktoren, Trainer und Zugdisponenten für die sie in Tarifverhandlungen das Vertretungsmandat beanspruchen. Die DB will ihr lediglich das Vertretungsmandat für die Lokführer einräumen und bei Nichteinigung in Tarifverhandlungen soll die größte Gewerkschaft im Gesamtbetrieb DB, die EVG, an der GDL vorbei auch für die Lokführer einen bindenden Vertrag abschließen dürfen. Die GDL soll also einen Vertrag unterzeichnen in dem sie auf das grundgesetzlich und von der EU-Grundrechtecharta geschützte Recht der Koalitionsfreiheit verzichtet.
http://de.wikipedia.org/wiki/Koalitionsfreiheit

Wer glaubt so mit Arbeitnehmern bzw. mit ihren Vertretungen umgehen zu können bekommt den Streik bis zum Exitus, basta!!!
Eine Gewerkschaft die anders handeln würde, hätte dann sowieso keine Existenzberechtigung mehr!

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