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04.11.2014

15:38 Uhr

GDL-Lokführer ab Mittwoch im Ausstand

Der Rekordstreik kommt

Die Lokführer legen die Republik lahm: Die GDL will ab Mittwoch wieder die Arbeit niederlegen. Der Ausstand der Klein-Gewerkschaft soll bis Montag dauern und trifft Pendler wie Unternehmen gleichermaßen.

Nichts geht mehr: Die GDL legt ab Mittwoch mit einem neuen Streik die Republik lahm. dpa

Nichts geht mehr: Die GDL legt ab Mittwoch mit einem neuen Streik die Republik lahm.

BerlinDie Lokführergewerkschaft GDL will die Deutsche Bahn ab Mittwoch bestreiken. Zunächst werde ab Mittwoch 15.00 Uhr die Arbeit im Güterverkehr niedergelegt, teilte die Gewerkschaft am Dienstag mit. Ab Donnerstag 2.00 Uhr werde auch der Personenverkehr bestreikt.

Der Ausstand ende in beiden Bereichen am Montag 4.00 Uhr. Die GDL rief neben den Lokführern unter anderem auch Zugbegleiter und Bordgastronomen zum Ausstand auf. Die Arbeitsniederlegungen treffen Pendler wie auch die Wirtschaft hart. In Niedersachsen und Bremen gehen zudem am Wochenende die Herbstferien zu Ende.

Es ist der inzwischen sechste Streik im laufenden Tarifkonflikt und der längste seit Gründung der Deutschen Bahn AG im Jahr 1994. Der vergangene Ausstand vor rund zwei Wochen hatte im Güter- und Personenverkehr 60 Stunden gedauert. Taktik der GDL ist es, Dauer und Wirkung der Streiks Zug um Zug zu erhöhen.

Die GDL begründete die geplante Arbeitsniederlegung mit der Weigerung der Bahn, über einen eigenständigen Tarifvertrag auch für Berufsgruppen zu verhandeln, die nicht Lokführer sind. „Wir wollen und müssen im Auftrag unserer Mitglieder verhandeln, egal ob diese als Lokführer, Zugbegleiter, Bordgastronomen, Disponenten, Ausbilder, Instruktoren oder Lokrangierführer in den Eisenbahnverkehrsunternehmen der DB arbeiten", erklärte GDL-Bundesvorsitzender Claus Weselsky am Dienstag. „Dieses Grundrecht ist in Gefahr und damit die Funktion von Gewerkschaften an sich.“

Der Tarifkonflikt bei der Bahn

Die GDL-Forderungen

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden. Daneben müsse es insgesamt familienfreundlichere Schichtregelungen geben.

Für wen die GDL verhandeln will

Das ist der Kern des Konflikts: Bislang schloss sie Tarifverträge für die 20.000 Lokführer, bei denen sie die stärkste Arbeitnehmervertretung ist. Die übrigen Berufsgruppen, insgesamt rund 140.000 Beschäftigte, vertrat die größere Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Zwischen beiden Gewerkschaften gab es ein Abkommen, das dies regelte. Dies ist jedoch im Juni ausgelaufen und wurde nicht verlängert.

Die GDL will nun auch für rund 17.000 Mitarbeiter des Bordpersonals wie Zugbegleiter und Restaurantkräfte sowie Rangierführer verhandeln. In der Gruppe des Zugpersonals insgesamt, also mit Lokführern, sei man die stärkste Gewerkschaft, argumentiert die GDL.

Die Position der Bahn

Die Bahn will mit der GDL einen Lokführer-Vertrag abschließen, lehnt aber konkurrierende Verhandlungen mit zwei Gewerkschaften zur gleichen Berufsgruppe strikt ab. Denn die EVG will im Gegenzug zur GDL nun auch für ihre Mitglieder unter den Lokführer einen eigenen Vertrag. Dies kann den Konflikt weiter verschärfen: Die EVG will am Mittwoch mit der Bahn verhandeln.

Rivalität zwischen GDL und EVG

Eine neue Verständigung zwischen GDL und EVG könnte den Konflikt entschärfen. Dies ist jedoch unwahrscheinlich. Zum einen will die GDL ihren Einfluss ausdehnen. Zum anderen verläuft ein tiefer Riss zwischen den Organisationen, da die Vorgängerorganisation der EVG die Börsenpläne von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn unterstützt hatte. Dies gipfelte im Wechsel von Gewerkschaftschef Norbert Hansen in den Bahn-Vorstand. Seitdem sieht sich die GDL als einzige wirkliche Arbeitnehmervertretung.

Tarifeinheitsgesetz

Die GDL fürchtet, dass die Politik der Bahn mit dem geplanten Tarifeinheitsgesetz beispringt. Damit soll der Einfluss von Spartengewerkschaften wie der GDL oder der Pilotenvereinigung Cockpit begrenzt werden. Die GDL wirft der Bahn vor, mit ihrer Haltung Streiks provozieren zu wollen, damit das Gesetz schneller und schärfer kommt. Ein Entwurf soll im November vorgestellt werden.

Am Montag hatte die GDL nach Geheimverhandlungen einen Tarifvertragsentwurf der Bahn abgelehnt und dem Staatskonzern ein Diktat vorgeworfen. Bahn-Personalchef Ulrich Weber hatte dies unverantwortlich genannt, da der Entwurf zuvor mit der GDL gemeinsam entwickelt worden sei. Die GDL sei kein verlässlicher Verhandlungspartner.

Bahnchef Rüdiger Grube hatte sich vor der Ankündigung des neuen Streiks gesprächsbereit gezeigt. „Wir werden alles machen, vielleicht auch das, was nicht immer alles in der Öffentlichkeit bekannt ist, um die Gespräche fortzuführen“, sagte er am Dienstag in Berlin. „Wir müssen alle uns ständig unserer sozialen Verantwortung auch in der Sozialpartnerschaft gerecht werden, und ich bitte alle - dazu gehören wir genauso - an den Verhandlungstisch.“

Der Deutsche Beamtenbund (DBB) signalisierte seiner Mitgliedsgewerkschaft GDL vor der neuerlichen Streikankündigung Rückendeckung: Angesichts dessen, was die Bahn als Tarifvertrag vorgeschlagen habe, sei die fehlende Unterschrift nachvollziehbar, sagte der DBB-Vorsitzende Klaus Dauderstädt der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Die Bahn fordere faktisch eine Art Unterwerfungserklärung. Daher sehe er keinen Grund „weshalb wir als Dachverband die in der Satzung vorgesehene finanzielle Streikunterstützung für die GDL infrage stellen sollten“.

Kommentare (19)

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Herr Bernd Engesser

04.11.2014, 15:32 Uhr

Meine Reiseplanung ist auch für diese Woche wieder futsch. Ich ziehe jetzt die Konsequenz: ich kündige meine BahnCard und werde ab sofort die Bahn nicht mehr nutzen. Mir reicht es! Zum Glück habe ich als Alternative ein gutes Auto.
Ich hoffe, dass das viel machen werden. Dann erreicht der Genosse Ossi-Funtionär hoffentlich bald, was er sich offensichtlich wünscht: die Lokführer müssen keine Überstunden mehr machen.
Der Intelligenzquotient der Lokführer scheint nicht gerad hoch zu sein. Da fragt man sich doch, ob die Sicherheit der Fahrgäste bei so viel Blödheit überhaupt gewährleistet ist.
Ich werde erst wieder Bahn fahren, wenn die Lokführer eine Gehaltskürzung von mindestens 5% hinnehmen müssen.

Herr Horst Meiller

04.11.2014, 15:58 Uhr

"...scheint nicht gerad hoch zu sein."
Bestimmt nicht, wenn eine solche Arbeit sogar einer machen kann, der in einer Gewerkschaft ist! (:

Herr Helmut Metz

04.11.2014, 16:04 Uhr

Die Arbeitgeber haben heute alle Angst vor der öffentlichen Buhmann-Rolle der "bösen Ausbeuter", die den armen Lohnempfängern ihren "gerechten Lohn" wegnehmen wollen, nur "um sich selbst zu bereichern."
Maggie Thatcher - Gott hab sie selig - zeigte hier wenigstens (symbolisch) "Eier".: sie ließ die Gewerkschaften finanziell ausbluten, bis deren Streikkasse leer war. Die Streikenden hatten dann die Wahl: zurück an den Arbeitsplatz, oder aber hungern.
Heute ist es sogar "politisch inkorrekt", Gewerkschaften auch nur zu kritisieren. Die Masse der Bevölkerung sympathisiert darüber hinaus mit ihnen, ohne jedoch zu verstehen, was diese volkswirtschaftlich tatsächlich anrichten (insbesondere, wenn sie die Löhne aufgrund ihrer Macht künstlich über das Marktniveau heben):
"Man muss sich einmal ganz klar machen, was das eigentliche Werk der Tarifkartelle ist: Sie schreiben den Menschen vor, wann, wo, wie, wie lange, zu welchem Lohn und zu welchen sonstigen Konditionen (und ob überhaupt) sie arbeiten dürfen, legen zur Durchsetzung solcher Vorschriften wenn nötig ganze Branchen und Landstriche lahm, verursachen immense Kosten und inflatorische Vermögens- und Kaufkraftvernichtung gewaltigen Ausmaßes, werfen Millionen von Menschen aus dem Arbeitsmarkt und verhindern den Eintritt anderer - und betreiben dieses makabre Wüten auch noch unter der Flagge des Gemeinsinns, der Menschlichkeit und der Gerechtigkeit." (Roland Baader)

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