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21.04.2015

19:06 Uhr

GDL und die Bahn

Die Wirtschaft ist für den Streik gerüstet

VonChristoph Schlautmann

Für fast drei Tage will die Lokführer-Gewerkschaft GDL den Güterverkehr in Deutschland lahmlegen. Doch für die deutsche Wirtschaft hält sich der Schaden in Grenzen – die Notfallpläne liegen bereits in der Schublade.

Die großen Automobilkonzerne transportieren Neufahrzeuge gerne mit der Bahn. dpa

Autos auf der Schiene

Die großen Automobilkonzerne transportieren Neufahrzeuge gerne mit der Bahn.

DüsseldorfBeim aktuellen Bahnstreik im Güterverkehr könnte die deutsche Wirtschaft noch einmal mit einem blauen Auge davonkommen. Auf 66 Stunden hat Claus Weselsky, Chef der Lokomotivführer-Gewerkschaft GDL, seine Arbeitsniederlegung angesetzt. Um 15.00 Uhr ließen die Mitglieder bundesweit die Güterzüge stehen. Die Bahn erwartet, dass die Hälfte ihres Angebots zusammenbricht.

Dennoch: Nach Angaben von Experten reicht das nicht aus, um den Warenstrom in Deutschland nachhaltig zu unterbrechen. „Erst nach drei Tagen wird es bei den meisten kritisch“, sagt Gunnar Gburek vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). Grund dafür sind Staus, die dann entstehen. Container etwa können dann nicht zurückgeholt werden und stehen im Wege, Behälter für die Versorgung werden knapp.

Bis dahin aber halten sich die Schäden in Grenzen. „Zu Buche schlagen natürlich entgangene Umsätze, weil Touren nicht gefahren wurden“, erklärt Gburek. Auch Überstunden von Lagermitarbeitern und Disponenten haben betroffene Unternehmen zu zahlen.

Wirkliche Engpässe aber sind kaum zu erwarten. Kohle- und Stahlfirmen, die zu den Großkunden der Bahn zählen, besitzen einen Puffer von fünf bis sieben Tagen – auch wenn sie im Anschluss an den Streik mit doppelten bis dreifachen Kapazitäten ihre Rohstoffe wieder auffüllen müssen. Der Düngemittelhersteller K+S, so berichten Insider, stellt hingegen kurzerhand die Produktion ein, sobald sich Kali- oder Salzhalden auftürmen.

Die Streiks der GDL

1. Warnstreik am 1. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Warnstreik am 6. September

Drei Stunden im Personen- und Güterverkehr.

1. regulärer Streik am 7. und 8. Oktober

Neun Stunden im Personen- und Güterverkehr.

2. Streik am 15. und 16. Oktober

14 Stunden im Personen- und Güterverkehr.

3. Streik vom 17. bis 20. Oktober

50 Stunden im Personenverkehr und 61 Stunden im Güterverkehr.

4. Streik vom 6. bis 8. November

64 Stunden im Personenverkehr und 75 Stunden im Güterverkehr.

5. Streik vom 21. bis 24. April

66 Stunden im Güterverkehr, Dienstag (15 Uhr) bis Freitag (9 Uhr) und 44 Stunden im Personenverkehr, Mittwoch (2 Uhr) bis Donnerstag (21 Uhr).

6. Streik vom 4. bis 10. Mai

Bislang längster Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn AG - 127 Stunden im Personenverkehr und 138 Streikstunden im Güterverkehr

7. Streik vom 19. bis 21. Mai

Die GDL streikt zunächst, ohne einen Endpunkt zu nennen – einigt sich aber am 21. Mai mit der Bahn auf eine Schlichtung.

Nicht einmal im Hamburger Hafen macht man sich große Sorgen, Opfer des Bahnstreiks zu werden. Bei den vergangenen DB-Streiks, die zum Teil deutlich länger dauerten, blieben nur wenige Seecontainer an der Kaye stehen. Die Deutsche Bahn ist dort nur eines von über 100 Schienenunternehmen, die für den Abtransport sorgen. Selbst die Hafengesellschaft HHLA besitzt zwei Eisenbahngesellschaften.

Auch Großkunden der Deutschen Bahn, die es eiliger haben, müssen sich wenig Gedanken machen. Sie bedient die DB bevorzugt. Zu ihnen zählt nach Insider-Angaben vor allem der Münchener Autohersteller BMW, der seine Karossen in Einzelteilen per Bahn nach China liefern lässt. „BMW bringt der Bahn nicht nur ein großes Renommee“, erzählt ein Branchenexperte, „hier würden wohl auch die höchsten Schadensersatzzahlungen fällig.“ 200.000 Euro verlangen die Autokonzerne als Konventionalstrafe, wenn wegen fehlender Zulieferteile das Band stillsteht - pro Stunde.

Was die Streikmacht der Gewerkschaft zudem schwächen dürfte: Nach sechs vorangegangenen Arbeitsniederlegungen bei der Bahn dürften sich inzwischen fast alle Lieferanten effiziente Notfallpläne in die Schublade gelegt haben. „Im Güterverkehr werden Alternativen inzwischen radikal genutzt“, heißt es beim Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik.

Kommentare (1)

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Herr peter Spirat

22.04.2015, 08:18 Uhr

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