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18.02.2015

08:25 Uhr

GDL vs. Deutsche Bahn

Warum ein neuer Lokführer-Streik wahrscheinlich ist

Heute um 11 Uhr läuft ein Ultimatum der Lokführergewerkschaft GDL ab. Die Bahn hat bereits angekündigt, es nicht erfüllen zu wollen. Worum es bei dem Streit geht und wie wahrscheinlich ein neuer Streik ist.

Gestrandeter Reisender bei einem Streik der Lokführer: Am heutigen Mittwoch könnten neue Arbeitsniederlegungen angekündigt werden. dpa

Gestrandeter Reisender bei einem Streik der Lokführer: Am heutigen Mittwoch könnten neue Arbeitsniederlegungen angekündigt werden.

DüsseldorfEs wäre der mittlerweile siebte Streik in dieser Auseinandersetzung, den die GDL mit der Deutschen Bahn führt. Heute um 11 Uhr läuft ein Ultimatum ab, das die Lokführergewerkschaft dem Unternehmen gestellt hat. Bis dahin soll die Bahn ein Protokoll unterzeichnen, das den Verhandlungsstand aus Sicht der GDL wiedergibt, so die Forderung.

Doch die Deutsche Bahn will sich nicht drängen lassen.

Das von der Gewerkschaft vorgelegte Papier gebe nicht den Stand der gemeinsamen Verhandlungen wider, sondern enthalte Maximalforderungen der GDL, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber bereits am Dienstag in Berlin. „Verhandlungen verlaufen nicht nach dem Prinzip „Pistole auf die Brust“, fügte er hinzu. Eine neue Arbeitsniederlegung ist wahrscheinlich. Erst am Sonntag hatte die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ unter Berufung auf ein internes GDL-Dokument berichtet, dass es einen hundert Stunden langen Streik geben könnte, sollte das Neun-Punkte-Papier mit den Forderungen der GDL nicht bis zur Sitzung der Tarifkommission am Mittwoch unterschrieben worden sein.

„Wir werden dem Hauptvorstand und der Tarifkommission am 18. Februar 2015 vorschlagen, unsere Mitglieder erneut zu Streiks aufzurufen. Unsere Mitglieder lassen sich durch das Tricksen, Täuschen und Taktieren der DB nicht für dumm verkaufen“, hieß es in einer Mitteilung der GDL am Dienstagabend.

Doch worum geht es in dem Streit überhaupt genau? Die wichtigsten Antworten.

Warum droht die GDL jetzt wieder mit Streiks?
Die Lokführergewerkschaft hat das Gefühl, dass die Verhandlungen mit der Deutschen Bahn steckengeblieben sind. Mit Ausnahme der als „Durchbruch“ gefeierten Einmalzahlung von 510 Euro für das vergangene Jahr steht der streitbare GDL-Chef Claus Weselsky mit leeren Händen vor seinen Mitgliedern, und das nach etlichen Verhandlungsrunden und sechs Streiks seit Sommer 2014. Noch kein einziges Mal, so bestätigt auch die Bahn, wurde über inhaltliche Forderungen der GDL nach kürzerer Arbeitszeit und nach 5 Prozent mehr Geld gesprochen.

Die längsten Streiks der deutschen Geschichte

Tarifkampf

Im Tarifstreit bei der Bahn hat die Lokführer-Gewerkschaft GDL mehrfach gestreikt. Der längste Ausstand dauerte 109 Stunden im Güterverkehr und 98 Stunden im Personenverkehr, der längste in der Geschichte der Deutschen Bahn. Im Vergleich zu anderen Branchen ist dies noch moderat. Es folgt eine Zusammenstellung besonders langer Streiks in Deutschland.

1956/1957

1956/57 dauerte der Streik in der Metallindustrie in Schleswig-Holstein 16 Wochen. 34.000 Beschäftigte setzten sich für eine höhere Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ein. Sie erreichten eine Aufstockung auf 90 Prozent des Nettoeinkommens.

1984

1984 streikten die Beschäftigten der Metallindustrie in Hessen und Baden-Württemberg sieben Wochen lang für die 35-Stunden-Woche. Die Drucker waren bundesweit sogar zwölf Wochen im Ausstand. Die Arbeitgeber reagierten mit massiven Aussperrungen. Am Ende wurde in beiden Branchen die 38,5-Stunden-Woche vereinbart.

1994

1994 legten 100.000 Drucker 17 Wochen lang die Arbeit nieder, um Vorruhestand-Regelungen und einen besseren Gesundheitsschutz sowie eine Gleichstellung von Frauen durchzusetzen. Die Arbeitgeber verpflichteten sich am Ende nur, über diese Themen zu verhandeln.

2004

2004 blieben in Leverkusen die Busse 395 Tage lang in den Depots, weil die Mitarbeiter einer Tochterfirma der Kraftverkehr Wupper-Sieg (KWS) höhere Löhne verlangten.

2012/2013

2012/2013 streikten Beschäftigte des Verpackungsherstellers Neupack in Hamburg acht Monate lang, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Erreicht wurde eine tarifvertragsähnliche Vereinbarung mit dem Betriebsrat.

2013

2013 legten Beschäftigte im Einzelhandel über einen Zeitraum von acht Monaten immer wieder die Arbeit nieder, bis Anfang 2014 die letzten Lohn-Abschlüsse unter Dach und Fach waren. In mehr als 950 Betrieben wurde vorübergehend nicht gearbeitet.

Welche Rolle spielt das geplante Gesetz zur Tarifeinheit?
Eine sehr große, denn es wird voraussichtlich die Tariflandschaft bei der Deutschen Bahn kräftig aufmischen. Künftig soll pro Betrieb nur noch die jeweils größte Gewerkschaft Tarifverträge abschließen, die anderen dürften faktisch nicht mehr streiken. Da bestehende Verträge Bestandsschutz erhalten sollen, entsteht ein gewisser Zeitdruck, vorher noch zu einem Abschluss zu kommen. In Berlin wird nach dem bisherigen Zeitplan damit gerechnet, dass sich der Bundesrat spätestens am 10. Juli auf seiner letzten Sitzung vor der parlamentarischen Sommerpause abschließend mit dem Thema befasst.

Kommentare (2)

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Herr D.B. Bloveldt

18.02.2015, 11:14 Uhr

Ja und nu? Is schon 11:14. Streiken die jetzt oder nicht? Ich muss heute mit der Bahn nach Berlin, Rückfahrt Samstag.

GDL bitte melden!!!!!!!!!!!!!

Herr Florian Meier

18.02.2015, 11:34 Uhr

Solange der Pofalla bei der Bahn rumläuft, hat die GDL alle meine Sympathie.

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