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19.01.2016

17:27 Uhr

Gebrauchtwarenportal Rebuy

Europa-Expansion ohne „Ebay-Touch“

VonChristof Kerkmann

Wohin mit meinem alten iPhone? Aus dieser Frage hat Rebuy ein Geschäft gemacht. Jetzt startet von Berlin aus die Europa-Expansion. Das Portal kauft alte Elektronik – und macht es dabei anders als Ebay.

„Wir sind bei gebrauchter Elektronik schon europäischer Marktführer“, sagt Rebuy. dpa

Junger Mann mit iPhone 6

„Wir sind bei gebrauchter Elektronik schon europäischer Marktführer“, sagt Rebuy.

DüsseldorfWährend viele Firmen geruhsam ins neue Jahr starten, herrscht bei Rebuy derzeit Hochbetrieb. Das Berliner Unternehmen kauft gebrauchte Technik und Bücher an, um sie gewinnbringend wieder loszuschlagen. Nach Weihnachten wollen viele Beschenkte ihre alten Sachen loswerden – im Logistiklager kommen gerade stapelweise Pakete an. Und so mancher setzt sein Weihnachtsgeld in ein Smartphone oder Tablet um.

Das Management um Lawrence Leuschner hat derzeit aber aus anderen Gründen viel zu tun: Das Unternehmen will expandieren. Seit dem Jahreswechsel bietet es seinen Dienst auch in Frankreich an, weitere Länder sollen folgen. „Wir sind bei gebrauchter Elektronik schon europäischer Marktführer, obwohl wir bisher nur in Deutschland aktiv sind“, sagt Leuschner in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. „Jetzt wollen wir uns in Europa positionieren.“

In diesem Jahr peilt der Firmenchef an, erstmals Waren im Wert von mehr als 100 Millionen Euro zu handeln. Es ist eine Expansion, die nach Einschätzung von Experten allerdings kostspielig werden dürfte.

Worauf man als Ebay-Verkäufer achten muss

Mindestgebot angeben

Wenn man sich einen bestimmten Preis für seinen Artikel wünscht, dann sollte man ein Mindestgebot angeben. Denn sollte der Artikel weit unter Wert „ersteigert“ werden, dann ist man als Verkäufer zur Herausgabe verpflichtet. So kann man sich verpflichten z.B. die ganze Kücheneinrichtung für nur 10 Euro abzugeben. Im wichtigen Urteil ging es um ein Auto, das weit unter Wert ersteigert wurde (Aktenzeichen: 223 C 30401/07, Amtsgericht München, Urteil vom 09.05.2008).

Nicht zu viel verkaufen

Wer private Dinge verkaufen möchte sollte aufpassen, dass es nicht zu viele werden. Denn ab einer nicht eindeutig definierbaren Grenze kann man als gewerblicher Nutzer und damit als Unternehmer eingestuft werden. Sollte dies eintreffen gelten strengere Regeln für den Ebay-Nutzer. Denn ein Unternehmer darf Privatkäufern gegenüber die Gewährleistungsrechte nicht ausschließen und muss eine Widerrufsbelehrung seinen Produkten hinzufügen. Tut er dies nicht, können teure Abmahnungen durch andere Unternehmer die Folge sein. Für die Schwelle des gewerblichen Nutzens hat die Rechtsprechung gewisse Kriterien entwickelt: Man gilt demnach als Unternehmer wenn man viele Bewertungen innerhalb eines kurzen Zeitraums erhalten hat, immer die gleichen Artikel oder regelmäßig neue Artikel verkauft. (Landgericht Berlin, Aktenzeichen: 103075/06)

Vorsicht bei bloßen Vermutungen

Dass man bei der Produktbeschreibung für falsche Angaben haftet, ist offensichtlich. Doch die Haftung reicht noch weiter: Wer übertriebene Angaben zu seinem Produkt macht, haftet für diese Angaben. Er muss dem Käufer dann ein Produkt mit den genannten Eigenschaften liefern. Kann er dies nicht, schuldet er Schadensersatz. Dieser kann ziemlich hoch ausfallen. So hatte z.B. Ein Verkäufer hatte ein „echt silbernes Teeservice“ angeboten und es für gut 30 Euro verkauft. Dabei sah dies nur silbern aus. Der Käufer forderte schließlich ein echtes Silberservice. Da der Verkäufer keins hatte, musste er schließlich Schadensersatz leisten: 450 Euro. Ähnliches kann auch bei Angaben wie „Lederjacke“ der Fall sein, wenn die Jacke nur optisch ledern ist. (Landgericht Frankfurt a.M., Aktz. 2-16 S 3/06, Urteil vom 31.01.2007)

Haftungsausschluss

Als privater Verkäufer kann man einen Haftungsausschluss vereinbaren. Dabei verwechseln jedoch häufig Nutzer den Unterschied zwischen Garantie und Gewährleistung. Eine Garantie ist ein freiwillig abgegebenes Versprechen, dass man verschuldensunabhängig für das Vorhandensein bestimmter Eigenschaften einstehen will. Die Gewährleistung ist dagegen die gesetzlich festgelegte Haftung für Fehler an der Kaufsache, die grundsätzlich jeden Verkäufer trifft. Als Verbraucher kann man diese Gewährleistung ausschließen, was die Regel bei Ebay ist. Die Gerichte machen es hier den Verbrauchern relativ leicht. Schreibt der Verkäufer nämlich: „Privatverkauf, keine Garantie“, dann wertet das Gericht dies laiengünstig als Ausschluss der Gewährleistung. (Landgericht Osnabrück, Aktz.: 12 S 555/05)

Vorzeitiges Beenden des Angebots

Normalerweise kann man eine Auktion bei Ebay nicht ohne Weiteres beenden. Sollte ersichtlich sein, dass man den gewünschten Preis nicht erzielen wird und daraufhin die Auktion beendet, kann der Käufer auf Schadensersatz klagen. Nämlich auf die Differenz des letzten Gebotes und des wahren Wertes des Artikels. (Aktenzeichen: 8 U 93/05)

Wird die angebotene Sache gestohlen, muss man grundsätzlich dem Käufer Schadensersatz statt der Leistung zahlen. Dem kann man sich allerdings entziehen, indem man in seinen Angebotsregeln bei Diebstahl ein Ende der Auktion vereinbart. Wird der angebotene Artikel dann wirklich mal gestohlen, endet die Ebay-Auktion nach Ansicht des BGH. Eine solche Klausel macht deshalb durchaus Sinn. (BGH, Aktenzeichen VIII ZR 305/10)

Eigene Bilder erstellen

Wer ein Produkt bei Ebay anbieten möchte, sollte immer ein eigenes Bild erstellen. Selbst wenn es sich um neue Originalware oder ein Markenprodukt handelt, darf man als Verkäufer nicht Bilder des Herstellers oder anderer Fotografen benutzen. Ein selbsterstelltes Bild liefert in der Regel auch einen besseren Eindruck über den Zustand des Artikels. Die Verwendung fremder Bilder stellt eine Urheberrechtsverletzung dar und kann Schadensersatzforderungen nach sich ziehen. Da man auch meist die Anwaltskosten tragen muss, kann dies mehrere hundert Euro kosten. (OLG Brandenburg, Aktenzeichen: 6 U 58/08)

Mit dem Gebrauchthandel hat Leuschner schon früh angefangen. Der Vater betrieb ein Import-Export-Geschäft für lateinamerikanische Handwerkskunst. Als der junge Lawrence spitz bekam, dass die Retouren auf dem Müll landeten, schaffte er sie zu einem Flohmarkt im Taunus und verkaufte sie dort weiter. Aus dieser Leidenschaft hat er ein Geschäft gemacht: 2004 gründete er mit vier Freunden zunächst das Portal Trade-a-Game, um mit gebrauchten Computerspielen zu handeln. Weil das Angebot immer breiter wurde, benannten die Gründer es 2009 in Rebuy um. Seit 2011 betrachten sie gebrauchte Elektronik als Kerngeschäft.

Die Idee ist immer noch die gleiche wie früher, die Abwicklung hat allerdings nicht mehr viel Trödel zu tun. Das fängt damit an, die richtigen Preise zu finden: „Man muss ein datengetriebenes Wissen aufbauen“, sagt Leuschner. Bietet der Händler zu viel, leidet seine Marge. Bietet er zu wenig, geht der Verkäufer zur Konkurrenz. Die Firma bemüht sich daher, große Datenmengen über viele Produkte zu sammeln.

Auch die Aufarbeitung der Geräte geht über einen Wisch mit dem Reinigungstuch hinaus. Das Unternehmen löscht alle Daten, spielt die aktuelle Software neu auf und legt neue Ladekabel bei. Der Akku wird nicht ausgetauscht, muss aber bestimmte Mindestanforderungen erfüllen. „Die Geräte sollen keinen Ebay-Touch haben“, sagt Leuschner. Als Zwischenhändler übernehme Rebuy Verantwortung für die Qualität – samt einem Kundenservice.

Bemerkenswerte Auktionen bei Ebay

Der Rekord

Der bisher teuerste über Ebay verkaufte Artikel ist eine Luxus-Jacht. Für 168 Millionen Dollar ging sie 2006 an den russischen Milliardär Roman Abramowitsch. Den vorherigen Rekord hielt seit 2001 ein Gulfstream-Privatjet für 4,9 Millionen Dollar.

Das Dorf

Der Hof Liebon bei Bautzen ist als „Ebay-Dorf“ bekannt. Liebon, aus einem Wohnhaus und mehreren Stallgebäuden bestehend, wurde 2009 als ganzes Dorf zur Auktion gestellt. Bei der Online-Versteigerung fand es nicht direkt einen Käufer. Besitzer Andreas Reitmann erwarb das Anwesen erst später.

Das teuerste Comic-Heft der Welt

Eine „Superman“-Ausgabe wechselte 2014 für 3,2 Millionen Dollar den Besitzer.

Das Toastbrot

Ein Käsesandwich, auf dem man mit etwas gutem Willen ein Frauengesicht erkennen konnte (interpretiert als das Antlitz der Gottesmutter Maria), wurde 2004 für 28.000 Dollar verkauft.

Die Jeans

Dem Hersteller Levi's war 2001 eine seiner Hosen aus dem 1880er Jahren über 46.532 Dollar wert.

Das andere „Papamobil“

Ein VW Golf, den einst Joseph Kardinal Ratzinger, der spätere Papst Benedikt XVI. fuhr, wurde bei Ebay 2005 für 188.936,88 Euro von einem US-US-Kasino gekauft. Verkäufer war ein Zivildienstleistender, der den Gebrauchtwagen für knapp 10.000 Euro erworben hatte. Als die Amerikaner zwei Jahre später den Golf wieder versteigern wollten, wurde der von ihnen verlangte Mindestpreis verfehlt.

„Wir wollen Leute dafür sensibilisieren, dass man nicht immer alles neu kaufen muss, und noch schlimmer: Nicht alles wegwerfen muss“, sagt Leuschner. Die Firma schreibt sich die Nachhaltigkeit auf die Fahnen. Dafür lässt sie sich jedoch gut bezahlen.

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