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12.10.2014

19:27 Uhr

Gefahr der Preisdiktatur

Minister sieht Edeka-Tengelmann-Übernahme kritisch

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt glaubt, dass Edeka es sehr schwer haben wird, die Tengelmann-Supermärkte zu kaufen. Insider warnen jedoch vor einem zweiten Fall der Marke Schlecker.

Tengelmann-Filiale in Mülheim: „Das ist ein problematischer Trend.“ dpa

Tengelmann-Filiale in Mülheim: „Das ist ein problematischer Trend.“

Der geplante Verkauf der Tengelmann-Supermärkte an den Konkurrenten Edeka steht offenbar vor einem schwierigen kartellrechtlichen Genehmigungsverfahren. „Das ist ein problematischer Trend“, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt der Zeitung „Bild am Sonntag“. „Die Konzentration im Lebensmittel-Einzelhandel ist ohnehin schon sehr groß, und das Kartellamt wird das zu bewerten haben.“

Langfristig wachse die Gefahr, dass mächtige Unternehmen die Preise diktieren könnten. Dem Magazin „Focus“ zufolge deutet Kartellamtschef Andreas Mundt bereits eine harte Linie in dem Fall an: Die jüngst erteilte Genehmigung einer kleineren Übernahme in der Branche zeige, dass „es für kleinere Lebensmitteleinzelhändler im Falle einer Veräußerung durchaus Alternativen zu Edeka oder Rewe gibt“, wird Mundt von „Focus“ zitiert.

Edeka-Chef Markus Mosa sagte dem Magazin dagegen, die Marktmacht seines Unternehmens in den drei Tengelmann-Regionen Bayern, Berlin und Nordrhein-Westfalen werde durch die Übernahme der Tengelmann-Tochter Kaiser's nicht signifikant zunehmen. Durch den Kauf könnten die Filialen mit Zukunftsperspektive weiterarbeiten und den regionalen Wettbewerb aufrechterhalten.

Der Chef des Verkäufers Tengelmann, Karl-Erivan Haub, hatte für den Fall eines Verbots durch das Kartellamt mit dem Aus für die Filialkette gedroht: „Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Schließung der Filialen.“ „Focus“ zitierte dazu einen Edeka-Insider: „Im Kartellamt und der Politik wird man sich genau überlegen, ob man einen zweiten Fall Schlecker riskieren will.“ Beim Zusammenbruch der Drogeriemarkt-Kette hatten 2012 nach Gewerkschaftsangaben rund 25.000 Beschäftigte ihre Arbeitsstelle verloren.

Tengelmann-Chef Haub hatte am Dienstag den Verkauf von Kaiser's an den genossenschaftlich organisierten Edeka-Verbund bekanntgegeben. Kaiser's hat 16.000 Mitarbeiter und schreibt als kleinerer Spieler im von Aldi, Lidl, der Metro Tochter Real und Rewe dominierten Lebensmittel-Einzelhandel seit vielen Jahren Verluste. „Focus“ berichtete unter Berufung auf Unternehmenskreise, Edeka wolle einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag für Kaiser's zahlen.

Von

rtr

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