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04.09.2013

16:11 Uhr

Geflügelproduzent

Wiesenhof kündigt Landwirt nach Tierquäler-Vorwurf

Ein bayrischer Landwirt soll lebende Tiere in den Müll geworfen haben, wie der „Stern“ berichtet. Nun hat der Geflügelproduzent Wiesenhof dem Bauern gekündigt. Dem Landwirt droht ein Gerichtsverfahren.

Auch der Konzern selbst ist schon Ziel von Aktivisten geworden. dpa

Auch der Konzern selbst ist schon Ziel von Aktivisten geworden.

AltöttingWegen Tierquälerei-Vorwürfen hat der Geflügelproduzent Wiesenhof einem bayerischen Landwirt den Vertrag gekündigt und Strafanzeige gestellt. Das Magazin „Stern“ berichtete, der Bauer habe schwächliche Tiere lebend in den Müll geworfen. Die Tierschutzorganisation „Soko Tierschutz“ hatte nach eigenen Angaben heimlich Filmaufnahmen auf dem Hof im Landkreis Altötting gemacht. Der Betrieb war schon einmal auffällig geworden.

„Nach Sichtung des Filmmaterials sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass die auf dem gezeigten Betrieb durchgeführte Art und Weise der Nottötungen an selektierten, nicht lebensfähigen Tieren, einen klaren Verstoß gegen das geltende Tierschutzrecht darstellt“, teilte eine Wiesenhof-Sprecherin am Mittwoch mit. Die PHW-Gruppe habe daher sofort nachdem die Vorwürfe bekannt wurden, die Behörden informiert, den Vertrag mit dem Landwirt gekündigt und Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Traunstein gestellt. Der Bauer war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Die Filmaufnahmen zeigen kranke Tiere und Kadaver im Stall. Zudem wurde der Inhaber gefilmt, wie er ein flatterndes Tier in den Müllcontainer schleudert. Andere Aufnahmen dokumentieren, wie eine Mitarbeiterin versucht, ein zappelndes Tier an einem Eimer totzuschlagen. Die „Soko Tierschutz“ will am Donnerstag ebenfalls Strafanzeige erstatten.

Die Kosten für ein Frühstücksei

Ei aus Biohaltung

Angesichts der unterschiedlichen Arten der Haltung variieren die Kosten für die Erzeugung eines Eis deutlich. Nach Auskunft der niedersächsischen Landwirtschaftskammer in Oldenburg schlagen die Direktkosten für ein Ei aus Biohaltung mit 13,6 Cent zu Buche. Werden auch die Abschreibung auf den Stall und andere Festkosten angesetzt, liegt der Vollpreis bei 16,5 Cent.

Ei aus Freilandhaltung

Hier nennt die Kammer 9,02 Cent an Direkt- und 11,4 Cent an Vollkosten.

Ei aus Bodenhaltung

Bei der Bodenhaltung, sitzen ebenfalls maximal 18 Tiere in einer Volière, haben aber keinen angeschlossenen Auslauf. Durch den geringeren Energieverbrauch der Legehennen - die ja auf engem Raum zusammenhocken - ist auch der Futterverbrauch geringer. Das schlägt sich wiederum in den Kosten nieder: Ein so produziertes Ei kommt auf Direktkosten von 7,8 Cent und Vollkosten von 9,4 Cent.

Offensichtlich landeten auf dem Hof regelmäßig lebende Tiere im Müll, sagte Friedrich Mülln von der „Soko Tierschutz“. „Wir stellten fest, dass das Wegwerfen auf diesem Hof Methode hat.“ Der Umgang mit den Tieren sei unfassbar. „In diesem Ausmaß habe ich so etwas noch nie erlebt“, sagte Mülln. Seit Dezember 2011 hätten die Aktivisten zwölf Hühnchen lebend aus dem Abfallcontainer gerettet. Auf dem Hof lebten etwa 80 000 Tiere.

Die „Soko“ habe schon im Jahr 1999 über den gleichen Hähnchenmastbetrieb wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz berichtet. Auch damals hätten die Tierschützer Strafanzeige gestellt und Wiesenhof habe dem Betreiber gekündigt - später die Zusammenarbeit aber wieder aufgenommen, sagte Mülln. „Wir fordern daher eine harte Strafe nach dem Tierschutzgesetz und ein Tierhalteverbot.“ Auf schwere Verstöße gegen das Gesetz stehen bis zu drei Jahre Haft.

Wiesenhof dagegen teilte mit, dass „die vielzähligen internen und externen Kontrollen“ in der Vergangenheit keine behördlich festgestellten Verstöße gegen das Tierschutzgesetz ergeben hätten.

Von

dpa

Kommentare (2)

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45....Biggi

07.09.2013, 19:44 Uhr

45......Biggi :da kann ich nur lachen ! Vor einiger Zeit gab es die gleichen Bilder von der Hühnerfarm Wiesenhof wo man die Tiere halbtot geschlagen in Kisten verhungern und sterben ließ . Man sollte Massentierhaltung ganz verbieten da es den Halter nur um viel Umsatz in kurzer Zeit zu machen geht und das zum Leid der Tiere .Einfach Abscheulich !!!!! B.M.

Lilleboe

15.09.2013, 10:33 Uhr

Ohne die Tierschützer wäre der " Landwirt " heute noch Vertragspartner von Wiesenhof. Wie kommt es , dass die angeblichen Kontrollen von Wiesenhof keine Tierquälerei festgestellt haben ? Liegt es etwa daran, dass diese Kontrollen vorher angekündigt waren ? Wiesenhof sitzt im Beirat des Tierschutzlabels , das durch den Deutschen Tierschutzbund verliehen wird. Das ist eine Schande , denn solche Tierfabriken sollten nicht noch durch den Deutschen Tierschutzbund unterstützt werden. Da fragt man sich , wieviel zahlt Wiesenhof dem Deutschen Tierschutzbund für das Tierschutzlabel ?

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