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18.11.2013

17:03 Uhr

Gehaltsverzicht angeboten

Mitarbeiter wollen Max Bahr doch noch retten

Die Angestellten von Max Bahr wollen den Bieter Hellweg unterstützen. Sie bieten einen Einkommensverzicht an, damit eine Mietkaution gestellt wird. Dabei galt die Zerschlagung der insolventen Baumarktkette als sicher.

Fahnen im Wind vor einem Max-Bahr-Baumarkt: Die Mitarbeiter bieten einen Gehaltsverzicht an. dpa

Fahnen im Wind vor einem Max-Bahr-Baumarkt: Die Mitarbeiter bieten einen Gehaltsverzicht an.

HamburgZur Rettung ihres Unternehmens wollen die Mitarbeiter der von Zerschlagung bedrohten insolventen Baumarktkette Max Bahr erneut auf einen Teil ihres Gehalts verzichten. Sie seien bereit, gemeinsam mit dem Bieterkonsortium eine Mietkaution für die Royal Bank of Scotland aufzubringen, sagte Gesamtbetriebsratschef Uli Kruse am Montag. 3600 Arbeitsplätze sind gefährdet.

Jüngst war die Übernahme durch das Konsortium um die Firma Hellweg und den früheren Max-Bahr-Chef, Dirk Möhrle, gescheitert. Der Hauptvermieter, die ebenfalls insolvente Gesellschaft Moor Park MB, konnte sich mit Hellweg nicht über die Mietverhältnisse einigen. Moor Park vermietet 66 der 73 zur Übernahme vorgesehenen Bau- und Gartenmärkte.

„Wir geben uns noch nicht geschlagen“, sagte Kruse. Die Mitarbeiter hatten schon einmal im - letztlich vergeblichen - Sanierungsprozess des Mutterkonzerns Praktiker anteilig auf Gehalt verzichtet. Voraussetzung für einen weiteren Gehaltsverzicht sei, dass das Konsortium letztlich zu einer Mietkaution bereit wäre, teilten die Arbeitnehmervertreter mit. Hellweg in Dortmund wollte dazu keine Stellungnahme abgeben.

„Die vom Gläubigerausschuss bereits genehmigte Übernahme kann nicht umgesetzt werden“, hatte Insolvenzverwalter Jens-Sören Schröder am Freitag in Hamburg mitgeteilt. Damit war eigentlich klar, dass der Praktiker-Konzern und seine Tochtergesellschaft Max Bahr vollständig vom Markt verschwinden. Das waren einmal 315 Märkte mit rund 15.000 Beschäftigten. Was nach dem Angebot des Betriebsrats passiert, ist nun unklar.

Die größten deutschen Firmenpleiten

Platz 16

Schlott

Druckerei/1480 Beschäftigte

(Quelle: Statista)

Platz 15

Hansa

Pflegeheim/1600 Mitarbeiter

Platz 14

Mäc Geiz

Discounter/1600 Mitarbeiter

Platz 13

Sellner

Autozulieferer/1600 Mitarbeiter

Platz 12

Escada

Modekonzern/2200 Mitarbeiter

Platz 11

Q-Cells

Solarindustrie/2300 Mitarbeiter

Platz 10

Schiesser

Textilhersteller/2300 Mitarbeiter

Platz 9

Edscha

Autozulieferer/2300 Mitarbeiter

Platz 8

Wadan-Werften

Schiffsbau/2400 Mitarbeiter

Platz 7

Honsel

Autozulieferer/3000 Mitarbeiter

Platz 6

Karmann

Autozulieferer/3400 Mitarbeiter

Platz 5

Quimonda

Chiphersteller/4600 Mitarbeiter

Platz 4

Manroland

Maschinenbauer/6500 Mitarbeiter

Platz 3

Woolworth

Kaufhaus/9300 Mitarbeiter

Platz 2

Schlecker

Drogeriekette/25.000 Mitarbeiter

Platz 1

Arcandor

Handel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Die verschiedenen Insolvenzverwalter hatten sich nach dem Beginn der Praktiker-Insolvenz im Juli dieses Jahres bemüht, in einem geordneten Investorenprozess größere Teile des Konzerns komplett zu verkaufen und so beieinander zu behalten, doch ohne Erfolg. Nach und nach gingen alle Märkte in die Einzelverwertung, so jetzt auch die 73 letzten Max-Bahr-Baumärkte. Sie galten als gesündester Teil des Praktiker-Konzerns und waren erst 2007 aus Familienbesitz von Praktiker übernommen worden.

Letztlich gescheitert waren die Verhandlungen an der RBS. Sie ist die Hauptgläubigerin der Moor Park MB und hatte ihre Zustimmung von einer Konzernbürgschaft der Hellweg-Gruppe abhängig gemacht. Das wollte Hellweg als mittelständisches Familienunternehmen nicht riskieren.

Die Gewerkschaft Verdi sprach am Freitag von einem Tiefschlag für die Beschäftigten. „Die Verweigerungshaltung der Vermietergesellschaft Moor Park, hinter der mit der Royal Bank of Scotland eine staatlich finanzierte Bank steht, gefährdet 3600 Arbeitsplätze in Deutschland und ist in höchstem Maße unmoralisch und wirtschaftlich unsinnig“, sagte Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger in Berlin. Aus wirtschaftlichem Egoismus würden Existenzen vernichtet. Jetzt komme es darauf an, dass der Insolvenzverwalter im Zuge von Einzel- und Teilverkäufen so viele Märkte wie möglich einschließlich der Arbeitsplätze sichere.

Kommentare (1)

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wolfshund

18.11.2013, 18:55 Uhr

[...] Bei Schlecker konnte man diese Gutmütigkeit ja in ihren Konsequenzen verfolgen.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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