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23.04.2013

10:47 Uhr

Geld von Ex-Adidas-Chef?

Hoeneß soll mit Millionen gezockt haben

Uli Hoeneß möchte in der Steueraffäre reinen Tisch machen und hat Fehler eingeräumt. Dumm nur, dass der frühere Adidas-Chef Louis-Dreyfus dem Bayern-Präsidenten Millionen auf ein Schweizer Konto überwiesen haben soll.

Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll Uli Hoeneß das Geld bereitgestellt haben. ap

Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus soll Uli Hoeneß das Geld bereitgestellt haben.

MünchenUli Hoeneß hat im Zusammenhang mit seiner Steueraffäre öffentlich Fehler eingeräumt. „Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen“, sagte der Unternehmer und Präsident des deutschen Fußball-Rekordmeisters FC Bayern München der „Sport Bild“ . Hoeneß weiter: „Ich will reinen Tisch machen. Das Gesetz bietet ja diese Möglichkeit.“

Von anderer Seite wird die Luft für den Bayern-Präsidenten allerdings immer dünner. Wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, soll der ehemalige Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, dem Bayern-Manager im Jahr 2000 rund 20 Millionen D-Mark auf einem Konto der Schweizer Privatbank Vontobel zur Verfügung gestellt haben. Fünf Millionen wurden dabei direkt überwiesen, weitere 15 Millionen Kredit über eine Bürgschaft abgesichert, meldet die Zeitung. Mit dieser Summe soll Hoeneß an der Börse gezockt haben. Als die Spekulationsgeschäfte erfolgreich anliefen, zahlte Hoeneß seinem Geschäftsfreund die fünf Millionen D-Mark zurück.

Auch wenn es keinen Nachweis für einen direkten Zusammenhang gibt, ist der Zeitpunkt der Überweisung pikant. Denn das Geschäft fiel damals mit Verhandlungen über einen neuen Ausrüstervertrag für den FC Bayern zusammen.

Welche Strafen Steuertricksern drohen

10.000 Euro hinterzogen

Hier wird in der Regel eine Geldstrafe verhängt, die in etwa einem Jahresnettoeinkommen des Steuerpflichtigen entspricht.

Tagessätze

Die Strafverfolgungsbehörden ermitteln die Geldstrafe nach so genannten Tagessätzen. Der Geldbetrag für einen Tagessatz soll dem Tagesnettoeinkommen entsprechen.

Berechnung des Tagesatzes

Hat jemand ein Jahreseinkommen von 50.000 Euro brutto und Abzüge von 20.000 Euro für Steuern, Versicherungen und ähnlichem, so wäre der Tagessatz 82 Euro (gerechnet: 30.000:365).

Anzahl der Tagessätze

Bei einer Hinterziehung von 10.000 Euro werden in der Regel 365 Tagessätze verhängt. Das bedeutet im Beispielsfall 365x82 = 29.930 Euro. Die Geldstrafe läge also bei rund 30.000 Euro.

Verhältnis zur hinterzogenen Steuer

Bei hohen Einkommen kann laut Experten die Strafe durchaus höher als die hinterzogene Steuer sein. Schließlich soll sich Steuerhinterziehung ja nicht lohnen.

20.000 Euro hinterzogen

Bei 20.000 Euro kommt man zu rund 440 Tagessätzen. Die Strafe läge im Beispielsfall dann 36.080 Euro.

Regionale Unterschiede

Es ist bekannt, dass in den verschiedenen Bundesländern unterschiedlich streng bestraft wird. Eine interne Tabelle weist dies nach. Insofern gelten die hier genannten Strafrahmen nicht absolut, sondern sind lediglich Faustregeln.

Schwere Vergehen

Nach einer Entscheidung des Bundesgerichtshofes (Az. 1 StR 525/11) ist die Chance, auch bei schweren Steuervergehen um eine Haftstrafe herumzukommen, deutlich gesunken. Die Karlsruher Richter haben mit ihrer Entscheidung ein Urteil des Landgerichts Augsburg kassiert, das einen Unternehmer wegen 1,1 Millionen Euro hinterzogener Steuern nur zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt hatte. Dieses Strafmaß sei zu gering, entschied der BGH. Das Urteil liegt im Trend, glaubt Martin Wulf von der auf Steuerstrafrecht spezialisierten Kanzlei Streck Mack Schwedhelm: „In der Tendenz ziehen die Sanktionen an“, sagt der Jurist.

Damals sollen mehrere internationale Sportartikelhersteller, unter anderem der große Adidas-Konkurrent Nike, an einem Einstieg beim deutschen Rekordmeister interessiert gewesen sein. Am Ende setzte sich Adidas durch und verlängerte den Vertrag mit dem FC Bayern um sieben Jahre. Außerdem beteiligte sich der Sportartikelhersteller für 75 Millionen Euro an den Bayern.

Eine Anfrage der Süddeutschen zu diesem Thema beantworteten die Hoeneß-Anwälte nicht. Seit 2001 leitet Herbert Hainer die Geschicke in Herzogenaurach. Der derzeitige Adidas-Chef hält eine enge Verbindung zur Clubführung und sitzt auch im Aufsichtsrat des FC Bayern.  

Die Hypovereinsbank hat auf die Affäre reagiert und Werbevideos mit dem ins Visier der Steuerfahnder gerückten Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß aus dem Internet entfernt. Die Filme mit Hoeneß waren bis Sonntag noch auf einer Internet-Seite der Bank zu sehen, wie das Magazin „W&V“ berichtete. Auch in der Videoplattform „Youtube“ seien die Filme über das Wochenende entfernt worden.

Uli Hoeneß und die Regeln der PR

Video: Uli Hoeneß und die Regeln der PR

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In den Filmen hatte Hoeneß als Finanzexperte seine Anlagestrategien erläutert. Unter der Überschrift „Wie sicher ist sicher? Wo sich Geld jetzt wohlfühlt“, warb die Bank auf ihrer Homepage „www.hvb-experten.de für den Film. Eine Sprecherin der Bank äußerte sich am Dienstag auf Nachfrage nicht dazu und verwies darauf, dass die Werbekampagne mit Hoeneß bereits im vergangenen Jahr ausgelaufen sei.

Die Schweizer Privatbank Vontobel, die das pikante Hoeneß-Konto verwaltet haben soll, hält sich zur Affäre weiterhin bedeckt. „Dazu kann ich Ihnen keine Auskunft geben“, sagt der Sprecher der Schweizer Privatbank Vontobel, auf die Frage, ob die Bank das Geheimkonto von Uli Hoeneß führt, wie in Medienberichten zu lesen ist. Der Bruch des Bankgeheimnisses ist in der Schweiz nach wie vor eine Straftat. Schweizer Banken fürchten nun durch den Fall Hoeneß neuen Reputationsschaden.

Aus der Clubführung erhält Hoeneß dagegen Rückendeckung. Vize-Präsident Rudolf Schels sagte im Bayerischen Rundfunk: "Als Klub stehen wir unverändert zu Uli Hoeneß und wünschen ihm alles Gute für die Klärung der Angelegenheit." Der Unternehmer aus der Oberpfalz wollte zum Fall Hoeneß allerdings nicht weiter Stellung nehmen. Die Vorgänge seien die "private Angelegenheit" von Hoeneß.

Offiziell bestätigt

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hoeneß

Offiziell bestätigt: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hoeneß

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Von

bay

Kommentare (63)

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zottlschach

22.04.2013, 22:02 Uhr

So ist es recht,
der brave Bayern-Fan zahlt seine Mitgliedsgebühren beim FC Bayern und seine Steuern beim deutschen Staat. Und der Uli betrügt das Finanzamt und lässt sich noch Geld auf ein schwarzes Konto überweisen.
Liebe Bayern-Fans spendet doch noch ein paar Euro für den armen Herrn Hoeneß und gebt auch noch zusätzlich was für das Finanzamt.

Vicario

22.04.2013, 22:05 Uhr


Zitat : 20 Millionen Mark vom Adidas-Chef

- Flächendeckende K O R R U P T I O N in Politik, Wirtschaft, Sport !

Das Land ist zu einer Bananenrepublik verkommen, in dem nur noch BAKSCHISCH zählt !

Das ganze Management beim FC Bayern gehört gefeuert, die Mitwisser aus der Landesregierung in Bayern entlassen !

Abwahl der verfilzten Nomenklatura im September !





FaulerGrieche

22.04.2013, 22:06 Uhr

Schau mal einer an : Die Faulheit und Kleptokratie gibt s auch in Deutschland! Unglaublich.

Viele GRuesse aus Kreta

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