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30.11.2012

16:43 Uhr

Genehmigung aus Kassel

K+S darf weiter salzige Abwässer in die Werra leiten

Der Düngemittel-Hersteller hat vom Regierungspräsidium Kassel die Erlaubnis bekommen, bis 2020 weiter salzige Abwässer in die Werra zu leiten. Eine dauerhafte Lösung sei dies aber nicht, betont die Behörde.

Das Kali-Werk „Werra“ von K+S in Philippsthal. Das Regierungspräsidium Kassel hat dem Unternehmen erlaubt, weiter salzige Abwässer – wie hier zu sehen – in die Werra zu pumpen. dpa

Das Kali-Werk „Werra“ von K+S in Philippsthal. Das Regierungspräsidium Kassel hat dem Unternehmen erlaubt, weiter salzige Abwässer – wie hier zu sehen – in die Werra zu pumpen.

FrankfurtDer Düngemittel-Hersteller K+S darf seine salzigen Abwässer weiter in die Werra pumpen. Das Regierungspräsidium Kassel genehmigte am Freitag die Einleitung bis Ende 2020, dringt jedoch ab Dezember 2015 auf eine Verringerung des Salzgehalts im Fluss. Mit der Entscheidung gewährleiste die Behörde eine kontinuierliche Verbesserung des ökologischen Zustandes der Werra und Weser, erklärte Regierungspräsident Walter Lübcke. K+S könne nun sicher planen und die Arbeitsplätze in der Region erhalten. Ohne die Genehmigung hätte K+S die Förderung von Kali-Düngemittel in seinen Bergwerken in der Region drosseln oder ganz einstellen müssen.

Das Unternehmen aus Kassel beschäftigt in seinem Werk Werra mehr als 4300 Menschen, weitere 3000 Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region hängen nach K+S-Angaben von dem Standort ab. Im Rahmen einer Interessenabwägung haben die Behörden deshalb bisher stets grünes Licht für die Entsorgung gegeben. Eine dauerhafte Lösung sei die Einleitung des Salzwasser in die Werra aber nicht, betonte Lübcke. „Die Genehmigungsbehörde erwartet, dass eine nachhaltige Entsorgungslösung so schnell wie möglich realisiert wird.“

Stärken und Schwächen

Hohe Rendite

K+S hat im vergangenen Jahr die operativen Ergebniszahlen zweistellig gesteigert und das zweitbeste Ergebnis in der Unternehmensgeschichte erreicht - nach dem Rekordjahr 2008. Die Umsatzrenditen liegen zum Teil mehr als doppelt so hoch wie bei den Industriewerten im Dax. Die Kapitalrenditen haben sich im vergangenen Jahr weiter verbessert und liegen deutlich über dem Durchschnitt im Dax. Während der Nettogewinn der großen Industrieunternehmen im Schnitt bei 13,4 Prozent des Eigenkapitals lag, erreichte K+S im vergangenen Jahr eine Eigenkapitalrendite von 18,3 Prozent.

Höherer Düngemittelverbrauch

Branchenschätzungen zufolge soll der weltweite Düngemittelverbrauch in den nächsten Jahren mindestens um zwei bis drei Prozent pro Jahr steigen, die Internationale Vereinigung der Düngemittelhersteller hält sogar einen jährlichen Anstieg von bis zu fünf Prozent für möglich. Nach 55 Millionen Tonnen Kali 2011 soll der Absatz dieses Jahr auf 58 Millionen Tonnen steigen. tel


Kapitalkosten verdient

Auch beim Verhältnis von Gewinn vor Steuern und Zinsaufwand zum Gesamtkapital steht der Düngemittel- und Salzhersteller mit 15,9 Prozent deutlich besser da als die 25 Industriekonzerne aus dem führenden Aktienindex Dax. Diese kommen im Durchschnitt auf eine Gesamtkapitalrendite von 6,9 Prozent. Angesichts der guten Rendite hatte der Rohstoffkonzern kein Problem, seine Kapitalkosten zu verdienen.

Steigende Nachfrage

Mehr als neun Milliarden Menschen werden 2050 auf der Erde leben, die von landwirtschaftlichen Produkten ernährt werden wollen. Um den künftigen Bedarf zu decken, muss die Landwirtschaftliche Produktion weltweit bis 2050 um 70 bis 100 Prozent steigen, schätzt die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen. Und weil die weltweiten Ackerflächen begrenzt sind, muss der Ertrag pro Fläche mit Düngemitteln gesteigert werden.

Vorkommen ausgebeutet

Die Kalivorkommen in Deutschland sind schon stark ausgebeutet, die Anfahrtswege der Bergleute werden länger. Das ist ein Faktor, warum K+S im Vergleich zu Wettbewerbern zu deutlich höheren Kosten produziert. Der Anteil der Herstellungskosten am Umsatz lag bei K+S 2010 mit 62 Prozent deutlich über dem Wert des kanadischen Konkurrenten Potash Corporation of Saskatchewan und mehr als zweimal so hoch wie beim russischen Konkurrenten Uralkali. 

Konkurrenz hat höhere Rendite

Die Nachsteuerrendite bei Potash ist mit 35,4 Prozent dreimal besser als bei K+S. In Kanada fördert Konkurrent Potash mit dem günstigeren Verfahren des Solutions Minings. Und in den großen Abbaugebieten Russlands arbeiten die Wettbewerber mit niedrigeren Löhnen und können auf staatlich subventioniertes Gas zurückgreifen.

Nah am Limit

Auch wenn das Jahr 2015 mit dem Produktionsstart des deutschen Konzerns in Kanada nicht mehr fern ist: Bis dahin kann K+S von einer weltweiten Steigerung der Nachfrage nach Kalidünger nur bedingt profitieren. Bereits im vergangenen Jahr produzierte K+S mit 6,9 Millionen Tonnen nahe am Produktionslimit. Aktuell hat der Dax-Konzern einen Marktanteil von zehn Prozent an der Weltkaliproduktion. Dieser Anteil könnte zumindest vorübergehend sogar sinken, wenn die anderen großen Hersteller mit der wachsenden Nachfrage zulegen.

Umrüsten kostet Zeit

Bis auf weiteres sind bei K+S die Kapazitäten zusätzlich eingeschränkt. Der Konzern will mit rund 360 Millionen Euro die Kaliproduktion im Bergbau an der Werra umrüsten, um die Salzabwässer dort zu reduzieren. Dadurch wird die Produktion gestört. Statt einer Kapazität von 7,3 bis 7,4 Millionen Tonnen kann der Kasseler Kalihersteller deshalb jährlich nur eine Produktionskapazität von etwa sieben Millionen Tonnen erreichen. tel

K+S bevorzugt die Entsorgung der Abwässer vor Ort und hat angekündigt, die Menge des Salzwassers durch Umstellungen bei der Produktion und neue Verfahren weiter zu senken. Dafür investiert der Konzern 360 Millionen Euro. Parallel prüft K+S auch den Bau einer hunderte Kilometer langen Pipeline, durch die K+S Salzwasser vom hessisch-thüringischen Bergbau-Revier bis an die Oberweser oder an die Nordsee pumpen könnte. Dagegen gibt es jedoch in Niedersachsen Widerstand, weshalb Experten den Bau der schätzungsweise 600 Millionen Euro teuren Leitung für sehr unwahrscheinlich halten.

Die Entscheidung des Regierungspräsidiums sei „ein wichtiges Signal für unsere Mitarbeiter und die ganze Region“, sagte K+S-Manager Ralf Diekmann. „Allerdings werden wir den Stufenplan zur Absenkung der Grenzwerte jetzt sorgfältig auf seine Machbarkeit und hinsichtlich seiner Folgen prüfen müssen.“ Das Regierungspräsidium fordert, dass die Obergrenze von 2500 Milligramm Chlorid pro Liter bis 2020 stufenweise auf 1700 Milligramm sinkt. Sollte der Konzern zu dem Schluss kommen, diese Grenzwerte ließen sich nicht oder nur sehr schwer einhalten, könnte er Widerspruch einlegen. Anwohner und Umweltschützer können gegen die Entscheidung klagen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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kraehendienst

30.11.2012, 17:13 Uhr

Heyy!!! Sitzen da in der Behörde CHINESEN?? Das ist ja wie in China! Oder wurde die Behörde in Kassel chinesisch okkupiert??? Katastrophe für Menschen und Umwelt! Ein Staubkopf, der das bejaht hat!

S.kr

30.11.2012, 17:33 Uhr

Der Regierungspräsident sollte gezwungen werden täglich 2 Liter Wasser aus der Werra zu trinken!

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