Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.05.2016

12:50 Uhr

Generalumbau im KaDeWe

Sind die Warenhäuser noch zu retten?

Es fehlt in keinem Reiseführer und ist für viele Berlin-Besucher ein Muss. Dennoch will sich das KaDeWe neu erfinden. Denn was normalen Warenhäusern zu schaffen macht, ärgert auch die Luxushäuser.

Das Kaufhaus des Westens erhält in den kommenden Jahren eine Generalsanierung. dpa

KaDeWe in Berlin

Das Kaufhaus des Westens erhält in den kommenden Jahren eine Generalsanierung.

BerlinGucci und Prada hinterm Bauzaun: Am Berliner KaDeWe hat ein groß angelegter Umbau begonnen. Wer in einigen Jahren das Luxuskaufhaus besucht, wird es kaum wieder erkennen. Schon streifen Arbeiter mit Werkzeugkisten über Marmorböden, auf dem Gehweg stehen Gerüste, Trennscheiben kreischen. Auch im Oberpollinger in München und im Hamburger Alsterhaus werden Millionen verbaut.

Die über hundert Jahre alten Warenhäuser setzen zum Befreiungsschlag an: gegen die wachsende Konkurrenz aus Einkaufszentren, Filialisten und Online-Handel - für die Edelhäuser sind es dieselben Gegner, die den normalen Warenhäusern seit Jahren das Wasser abgraben. Experten erwarten, dass vor allem in kleinen Städten Warenhäuser verschwinden.

Das Kaufhaus des Westens

Fast 100 Jahre...

...ist das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) alt. Es wurde 1907 in Berlin eröffnet. Das Haus direkt am Wittenbergplatz an der Tauentzienstraße, unweit vom Kurfürstendamm (Kudamm). 1905 beauftragte Kommerzienrat Adolf Jandorf den Architekten Johann Emil Schaudt mit dem Bau. Das Warenhaus öffnete dann zwei Jahre später die Tore.

Bis zu 100.000...

... Kunden aus der ganzen Welt kommen in der Weihnachtszeit täglich ins KaDeWe, um auf mehr als 60.000 Quadratmeter Verkaufsfläche zu shoppen.

Anziehungspunkt Nummer 1...

... ist vor allem die Gourmet-Abteilung in der 6. Etage. Das Luxuskaufhaus ist Konsumtempel, aber auch beliebte Touristenattraktion.

In der Nazizeit...

...wurden die jüdischen Eigentümer, die Kaufmannsfamilie Hermann Tietz, zum Verkauf gezwungen. Im Zweiten Weltkrieg brannte das Haus nach dem Absturz eines amerikanischen Flugzeugs aus. 1950 wurden die ersten beiden Etagen wiedereröffnet.

Besitzer-Wechsel

2010 hatte US-Investor Nicolas Berggruen... die Karstadt Warenhaus GmbH mit dem KaDeWe übernommen. 2012 gingen die Immobilien an die Signa-Holding des österreichischen Immobilieninvestors René Benko. 2013 erwarb er dann die Mehrheit an den lukrativsten Teilen von Karstadt – den Sporthäusern und den Luxus-Häusern mit dem KaDeWe.

Abgesägte Stahlträger ragen aus der Fassade des KaDeWe. Darunter ziehen Stadtführer Handzettel aus Umhängetaschen. Sie locken die vielen Touristen, für die ein Gang in das traditionsreiche Warenhaus zum Berlin-Programm gehört. Auf den Gängen der Luxusabteilung zwischen Rolex und Louis Vuitton schlendern Russen mit Sonnenbrillen und Araberinnen mit Vollschleier. Im KaDeWe bekommt man Füllhalter für 10.000 Euro, aber auch Staubsaugerbeutel.

„Cities change - so do we“, steht auf weißen Gipskarton-Wänden, die die im Haus verteilten Baustellen verdecken. Trotz Umbaus wird weiter verkauft, auch dann noch, wenn der Komplex neu aufgeteilt wird. Vier Kaufhäuser unter einem Dach sollen in den nächsten Jahren entstehen, mit Dachgarten und Fahrstühlen an der Fassade.

Erfolgsmodell Gilt: Kaufhof-Mutter plant Shoppingclub für Deutschland

Erfolgsmodell Gilt

Premium Kaufhof-Mutter plant Shoppingclub für Deutschland

Hudson‘s Bay zündet eine neue Geheimwaffe: Die Kaufhof-Mutter erwägt, den Onlineshoppingclub Gilt in Deutschland zu starten. Mit einer engen Verknüpfung sollen neue Kunden in die Filialen gelockt werden.

1907, als das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) öffnete, begann die Blütezeit der Warenhäuser in Deutschland - heute nennen Marktforscher sie „behäbige alte Damen“. Längst haben Markenartikler wie Boss und Gerry Weber eigene Geschäfte. Auf langen hellen Holztischen stehen im KaDeWe Notebooks von Apple. Doch ein paar Schritte weiter, im Apple Store am Ku'Damm, sieht es genauso aus - nur viel größer, warum also noch ins Warenhaus?

Es sei mehr als ein Ort des Einkaufens, heißt es bei der KaDeWe-Gruppe, die nach der Herauslösung aus dem Karstadt-Konzern inzwischen Eigentümer in Bangkok und Wien hat, die Central Group und die Signa Holding. „Unsere Department Stores sind große Erlebniswelten“, sagt Vorstandschef André Maeder.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×