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07.01.2012

08:20 Uhr

Geplanter Börsengang

Japan Airlines greift wieder nach der Spitze

VonMartin Kölling

Nach Konkurs und harter Sanierung plant die Fluglinie Japan Airlines nun den Börsengang. Dieser könnte aus der ehemaligen japanischen Staatslinie über Nacht eine der wertvollsten Airlines der Welt machen.

JAL will mit einem Börsengang in die Branchenspitze zurückkehren. Reuters

JAL will mit einem Börsengang in die Branchenspitze zurückkehren.

TokioDie japanische Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) plant nur zwei Jahre nach ihrem Konkurs einen Börsengang, der sie zu einer der wertvollsten Fluglinien der Welt machen könnte. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, hat sie die Investmentbanken Nomura Securities und Daiwa Securities Capital Markets mit dem IPO beauftragt. JAL wollte zwar weder zu dessen Höhe noch zum genauen Datum Stellung nehmen. Aber nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg rechnet sich JAL aus, im September durch die Ausgabe neuer Aktien zwischen fünf bis zehn Milliarden Euro einzunehmen.

Selbst wenn sich das Gebot letztlich nur am unteren Ende der Erwartungen bewegt, würde die japanische Fluggesellschaft damit direkt aus der Asche auf eine Spitzenposition in der Branche fliegen und viele Konkurrenten in der Marktkapitalisierung übertreffen. Die deutsche Lufthansa zum Beispiel wird derzeit lediglich mit 4,2 Milliarden Euro, rund der Hälfte ihres Buchwerts, bewertet. Der Lufthansa-Partner und JALs heimischer Erzrivale, All Nippon Airways (ANA), kommt auf eine Bewertung von etwa 5,5 Milliarden Euro.

Kyocera-Gründer und Management-Legende Kazuo Inamori hatte entscheidenden Anteil an der Sanierung der ehemals insolventen Fluggesellschaft. Reuters

Kyocera-Gründer und Management-Legende Kazuo Inamori hatte entscheidenden Anteil an der Sanierung der ehemals insolventen Fluggesellschaft.

Die Meldung von JALs Börsenplänen versetzte die ruhige Tokioter Börse in Aufregung. Die Aktien von ANA sackten prompt nach der Veröffentlichung der Nachricht um 1,8 Prozent auf 216 Yen ab. Denn durch die Auswahl von Leadmanagern hat JAL den Anlegern signalisiert, dass sie an ihren alten Plänen für den Börsengang festhält, obwohl sich Europas Schuldenkrise und die globalen Konjunkturaussichten verschlechtert haben. Dies zeigt: Die Zeit drängt. Spätestens im Januar 2013 muss der staatliche Firmensanierungsfonds ETIC seine Investition von 350 Milliarden Yen auslösen, genau drei Jahre, nachdem er JAL übernommen hat. JAL hatte daher schon im vergangenen Jahr den September 2012 als Ziel für den Börsengang avisiert. Doch auch die anderen Investoren, die rund drei Prozent an JAL halten, drängen darauf, schnell Kasse zu machen. Zu spektakulär ist der Sanierungserfolg.

Nachdem das Unternehmen dank des im März beendeten Konkursverfahrens radikal saniert werden konnte, flog es bereits 2010 zu einem Rekordbetriebsgewinn von 188 Milliarden Yen (1,9 Milliarden Euro). Im Herbst erhöhte es dann zur Überraschung der Märkte seine Gewinnprognose für das bis März laufende Bilanzjahr um 85 Prozent auf 140 Milliarden Yen. Dies entspricht einer operativen Gewinnmarge von 12,2 Prozent. Davon können andere Airlines nur träumen. Und im Dezember kündete JAL zusätzlich an, seine im Januar 2013 fälligen Bankkredite in Höhe von 220 Milliarden Yen noch in diesem Bilanzjahr zurückzuzahlen.

Kommentare (1)

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Politinteresse

07.01.2012, 11:21 Uhr

Durch einen Konkurs werden immer enorme Zahlungsverpflichtungen (die gleichzeitig Werte anderer Personen/ Institutinen sind) auf Null gesetzt. Schulden- und weitgehendst verpflichtungsfrei sieht es buchhaltertechnisch nunmal immer besser aus als selbst bei gutlaufenden Konkurrenten. Das cutten von Schulden, Auflösen ungünstiger Verträge (z.B. bezgl. Kerosin), das Entlassen älterer und/oder gerade nicht gebrauchter Mitarbeiter ohne Sozialausgleich, die Neutralisierung von Steuerzahlungen sowie -rückständen uvm. wirken wie zusätzliche Geldzuflüsse. Dieser positive Faktor ist (besser: war) einmalig. Wie gut die neue Führung ist, kann an den jetzigen Zahlen noch gar nicht gesagt werden. Ich schätze eher, dass es wie bei Chrysler läuft: mehrfach pleite, dazwischen Rekordgewinne (was Investoren, hier Mercedes Benz, zu Fehleinschätzungen leitete und fast ruinierte).
Lufthansa mit kontinuierlichen Gewinnen, auch in Rezessionszeiten, und auch bei geringerer Gewinnmarge, ist bei Weitem vorzuziehen. In Zeiten der Krise ist Krisenbewährtheit eine gute Währung. Ehemalige Konkursfälle dagegen sollten kritisch beäugt werden.

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