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04.04.2012

06:41 Uhr

Gerichtsurteil

Nachtflug-Urteil könnte Luftfahrtindustrie erschüttern

VonJens Koenen

Heute urteilt das Bundesverwaltungsgericht über die Betriebszeiten am Frankfurter Flughafen. Vermutlich verhängt es ein Nachtflugverbot. Die Luftfahrtbranche rechnet mit schweren Folgen.

Eine Passagiermaschine der Asiana Airlines landet nachts auf dem Flughafen von Frankfurt. dpa

Eine Passagiermaschine der Asiana Airlines landet nachts auf dem Flughafen von Frankfurt.

FrankfurtRüdiger Rubel liebt Klarheit. Schon vor zwei Wochen bei der Verhandlung hatte der Vorsitzende Richter am Bundesverwaltungsgerichtshof keinen Zweifel daran gelassen, dass er das temporär verhängte Nachtflugverbot am größten deutschen Flughafen in Frankfurt für richtig hält. Die Betroffenen - allen voran Lufthansa und der Flughafenbetreiber Fraport - wissen also eigentlich, was sie erwartet, wenn Rubel heute sein abschließendes Urteil fällt: ein dauerhaftes Nachtflugverbot.

Und doch schauen die Luftfahrtmanager mit bangen Blicken nach Leipzig. Denn es könnte alles noch viel schlimmer kommen. Etwa, wenn Richter Rubel, der viele Jahre in Frankfurt lebte, das gesamte Planfeststellungsverfahren für die vierte Landebahn in Frankfurt kippt. Rubel moniert, dass die Landesregierung 17 Nachtflüge ohne Anhörung erlaubt hatte. Eigentlich hatte die Politik den Bürgern in einem Mediationsverfahren Nachtruhe zugesagt, dann aber bei der Genehmigung der neuen Bahn plötzlich doch Nachtflüge erlaubt, ohne Rücksprache mit Bürgern.

Logistik im Chaos - Nachtflugverbot über Frankfurt

Video: Logistik im Chaos - Nachtflugverbot über Frankfurt

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Muss deshalb nun für ein Projekt, das schon in Betrieb ist, eine neue Planfeststellung gemacht werden, über Monate und Jahre? "Das wäre ein echter Hammer", sagt ein Luftfahrtmanager. Es ist nicht der einzige, den er fürchtet. Auch die Stunde vor und nach dem Flugverbot (23 Uhr bis 5 Uhr), bereitet Kummer. Rubel will auch dort die Zahl der Flüge begrenzen. Ein "Katastrophenszenario" findet Lufthansa-Chef Christoph Franz, dann wäre neben der Fracht auch der Passagierverkehr betroffen.

Damit nicht genug: Das heutige Urteil könnte der Auftakt zu einer bundesweiten Welle von Nachtflugverboten sein. "Ich habe die Sorge, dass auch an den Flughäfen in Köln-Bonn oder in Leipzig schon bald in der Nacht der Stecker gezogen werden könnte", sagt Dirk Steiger, Chef der auf Luftfracht spezialisierten Beratungsgesellschaft Aviainform: "Es sind Wahlen in Nordrhein-Westfalen, und jeder weiß, wie sehr das Thema Nachtflug in Frankfurt die Wahl des Oberbürgermeisters beeinflusst hat."

Kommentare (37)

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cwerth

04.04.2012, 08:08 Uhr

Super. Jetzt wird verreisen noch teurer. Am besten die Fliegerei gleich ganz verbieten! Wegen dem Fluglärm!

f.h.franz

04.04.2012, 08:18 Uhr

Wäre doch gelacht, wenn wir Deutschland nicht kaputt kriegen.
Verbieten, stilllegen, abschaffen. Dann sind Kerzenschwinger und 68er Richter glücklich - sie müssen ihr Geld ja nicht durch konkrete Wertschöpfung verdienen.

luegen-betruegen

04.04.2012, 08:28 Uhr

Was ist das für ein Land, in dem erst die Politiker lügen,
dass sich die Balken biegen, wegen der Lügen und Parteinahmen dann hochbezahlte Managerjobs bekommen und dann beschweren
sich auch noch einige ewig gestrige, dass die Wirtschaft
wegen einem Nachflugverbot zugrunde geht.

Neue Technologien, leisere Triebwerke, sind doch alles
Blödsinn, braucht man doch gar nicht, zumal man ja mit
den alten Technologien noch so gut Geld verdient.

Also alles so lassen, wie gehabt, lügen, betrügen und die
Menschen interessieren doch einen Scheiß, weil es geht um
die Wertschöpfung, sonst um Nichts.

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