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31.03.2014

06:33 Uhr

Germanwings jetzt auch in Düsseldorf

„Wir versprechen keine goldenen Wasserhähne“

VonTobias Döring

ExklusivDie Billigtochter der Lufthansa startet in Düsseldorf. Ausgerechnet in der ersten Woche streiken die Piloten. Was das für Germanwings bedeutet und was sich für die Passagiere ändert, erklärt Airline-Chef Winkelmann.

Startender Airbus A310-100 in Berlin: Am Sonntag hob auch in Düsseldorf der erste Germanwings-Flug auf einer ehemaligen Lufthansa-Strecke ab – es ging nach Palma de Mallorca. Imago

Startender Airbus A310-100 in Berlin: Am Sonntag hob auch in Düsseldorf der erste Germanwings-Flug auf einer ehemaligen Lufthansa-Strecke ab – es ging nach Palma de Mallorca.

Die Lufthansa stellt seit dem Sommer ihren Europaverkehr abseits der Drehkreuze Frankfurt und München auf die Billigtochter Germanwings um. Am Sonntag ging es in Düsseldorf los – der erste Germanwings-Flieger hob ab nach Palma de Mallorca.

Zum Interview sitzt Germanwings-Chef Thomas Winkelmann entspannt in Jeans und Hemd in seinem Büro am Flughafen Köln/Bonn. Über dem Kopfteil seines Schreibtischstuhls hängt ein Bezug des Billigfliegers mit der Aufschrift „Mehr Beinfreiheit“. Seine langen Beine kann Winkelmann ausstrecken, doch allzu geräumig ist das Büro des Airlines-Chefs nicht. Auch hier zählen niedrige Kosten: „Der Kunde wird mir keinen Chefbüro-Zuschlag zahlen. Wir zahlen hier nur acht Euro pro Quadratmeter“, sagt Winkelmann.

Herr Winkelmann, ausgerechnet zum Start von Germanwings in Düsseldorf streiken die Lufthansa-Piloten. Wie sehr kann der Streik die Umstellung beeinflussen?
Eins ist klar: Wir können in Deutschland nur erfolgreich arbeiten, wenn die Einnahme-, aber auch die Kostensituation stimmt. Wenn eines von beidem aus dem Ruder läuft ist das System nicht profitabel zu fliegen.

Wie groß ist der Druck, dass in Düsseldorf alles klappt?
Wir müssen sehr konzentriert sein. Die Kunden erwarten sauberes, konzentriertes und freundliches Arbeiten. Die Germanwings ist aber schon lange im Geschäft und wir sind guten Mutes, dass wir das schaffen werden.

Versetzen Sie sich doch mal in einen Passagier: Sagen wir, Sie fliegen mit der Lufthansa jeden Montag von Düsseldorf nach Dresden. Von der Umstellung auf Germanwings haben Sie nichts mitbekommen und betreten nun den Flughafen. Was finden Sie vor?

Thomas Winkelmann ist seit 2006 Chef der Lufthansa-Tochter Germanwings. Frank Beer für Handelsblatt

Thomas Winkelmann ist seit 2006 Chef der Lufthansa-Tochter Germanwings.

Der gesamte Bereich A ist der Check-In-Bereich von Germanwings und Lufthansa. Das Check-In ist aber nach Marken getrennt. Gemeinsam nutzen wir die Ticketschalter, die Transferschalter und die Lounges nach der Sicherheitskontrolle. Ein Gast, der aus New York kommt und mit Germanwings nach Dresden weiterfliegt, kann sich bei Fragen für beide Teilstrecken an denselben Transferschalter wenden.

Und wenn Sie sich verlaufen und wie immer montags zum Lufthansa-Check-In gehen?
Es ist wie nach der Renovierung eines Hotels: Da hat sich vielleicht ein Gang verändert, aber daran muss man sich gewöhnen. Wir haben eine sehr gute Ausschilderung, auch sind Info-Stände dort, zudem stehen auch Hostessen für Fragen zur Verfügung. Aber natürlich ist es etwas Neues – und da kann es auch mal sein, dass jemand der es gewohnt ist, linksrum zu gehen, jetzt mal rechtsrum gehen muss.

So läuft die Umstellung auf Germanwings in Düsseldorf

Zum Start 22 Ziele

Von der Übertragung der Europa-Strecken der Lufthansa auf die Germanwings sind nur Flüge nach und von Frankfurt und München ausgeschlossen. Zum Start Ende März beginnt die Billigtochter mit 13 Flugzeugen und steuert damit 22 Ziele an. Am Sonntag wurden bereits Mallorca, Heraklion, Thessaloniki, Stockholm, Bilbao, Dublin, Leipzig, Mailand, Prag, Turin, Venedig, Warschau, Basel, Dresden, Genf, Barcelona, Lyon, Madrid und Nürnberg anflogen. Kattowitz, Posen und Breslau sind die Erstflüge am Montag.

Weitere Verbindungen kommen hinzu

„Nach dem Ausbau sind es am Ende des Jahres 27 Flugzeuge mit dann 68 Zielen“, sagt Germanwings-Chef Winkelmann. „Im Jahr 2015 wollen wir allein in Düsseldorf fast fünf Millionen Gäste begrüßen.“

Nummer eins in NRW

Am Ende des Jahres will Germanwings die größte Fluggesellschaft im bevölkerungsreichstem Bundesland sein. „Dann sind wir die Nummer eins in Nordrhein-Westfalen mit 45 Flugzeugen in Düsseldorf, Köln/Bonn und Dortmund“, kündigt Winkelmann an.

Attacke auf Air Berlin

In Düsseldorf, dem drittgrößten deutschen Flughafen Deutschlands, wird die Lufthansa-Gruppe nach eigenen Angaben im Zuge des Umbaus das Angebot von Air Berlin überbieten. Die angeschlagene Airline wird damit weiter unter Druck gesetzt.

Dreistufiges Preissystem

Germanwings wirbt vor allem mit seinem dreistufigen Preissystem. Der Billigflieger bietet seinen Passagieren auf vielen Strecken die Auswahlmöglichkeit zwischen den drei Tarifoptionen Best, Smart und Basic. Im sogenannten Best-Tarif wird dabei ein Platz in einer der drei vorderen Reihen reserviert.

Sie kommen in Dresden an. Was sagen Sie als Musterpassagier nach dem ersten Flug?
„Prima, ganz prima.“ Wir versprechen keine goldenen Wasserhähne, die will der Kunde auf der Kurzstrecke aber auch nicht. Das wichtigste sind ein gutes Netzangebot wie zum Beispiel Hamburg mit zehn täglichen Verbindungen oder Palma dreimal täglich, und natürlich die Pünktlichkeit.

Kommentare (4)

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31.03.2014, 08:55 Uhr

Die Streiks der Piloten dort,die Steiks der " nurses" hierorst, diese Streiks folgen der Logik des Terrorismus.

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31.03.2014, 09:03 Uhr

Germanwings hat ein gutes Produkt, die Preisgestaltung ist fair. Ich bin gespannt ob die sich so wie erhofft in DUS durchsetzen, Air Berlin abdrängen oder in Co-Existens. AB muss sich allerdings erst einmal um seine Zukunft kümmern.

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31.03.2014, 09:28 Uhr

Nachdem Mehdorn mit AB fertig war - war?
Kann 4U nun gemütlich abräumen.
Sowas nennt man längerfristig orientierte Strategie.
Am besten, LH nimmt Mehrdorn auch gleich auf die Paylist, damits auch was wird mit der Klage gegen BER sowie mit einem mehr oder minder unsauberen Niedergang von LH...

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