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19.02.2016

14:24 Uhr

Gerry Weber, Ahlers, Bugatti

Deutsche Modefirmen gehen ins Risiko

VonGeorg Weishaupt

Mittelständische Modemarken müssen nach zwei schwachen Saisons kämpfen, um wieder auf Kurs zu kommen: Sie starten neue Kollektionen, neue Shopkonzepte und suchen ihr Glück im Ausland. Eine riskante Strategie.

Der milde Winter lässt im Modehandel die Preise purzeln. Imago

Winterschlussverkauf

Der milde Winter lässt im Modehandel die Preise purzeln.

Düsseldorf„Final Sale 70 Prozent off“, „Alle Reduzierungen zum halben Preis“, „Finale Reduzierung“: Von Hamburg über Düsseldorf und Frankfurt bis München überbieten sich derzeit die Einzelhändler mit Sonderangeboten. Nach einem zu warmen Herbst und Winter verschleudert die Branche ihre letzten dicken Pullis, Winterjacken und warmen Schuhe zu Tiefstpreisen.

Auch die weiteren Aussichten sind alles andere als erfreulich. „Das Geschäft wird dieses Jahr in Deutschland nochmal anstrengend“, sagte Klaus Brinkmann, geschäftsführender Gesellschafter der Bugatti-Gruppe in Herford, in seinem Düsseldorfer Showroom. Und Stella Ahlers, Vorstandschefin der gleichnamigen Firmengruppe mit Marken wie Pierre Cardin, Otto Kern und Baldessarini, räumte ein: „Der deutsche Markt ist herausfordernd.“

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Das liegt nicht nur am lauen Wetter. Die deutschen mittelständischen Modefirmen kämpfen gegen eine sinkende Kundenfrequenz in den Innenstädten, das Sterben der Textilläden und die Macht der großen Filialisten wie Zara und H&M.

Um sich in dem schwierigen Markt durchzusetzen, der nach Angaben des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) im vergangenen Jahr bei rund 61 Milliarden Euro stagnierte, versuchen die Modefirmen vieles: Sie testen neue Ladenkonzepte, bringen neue Labels auf den Markt oder wagen sich in neue Länder.

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„Wir planen eine neue Marke“, erklärt eine Sprecherin von Gerry Weber. Einzelheiten will das Modeunternehmen aus Halle/Westfalen noch nicht nennen. Die neue Marke soll für Mode im neuen Mainstream-Stil stehen, schreibt das Fachmedium „Textilwirtschaft“. Das einst erfolgreiche von Gerhard Weber gegründete Unternehmen will so wieder in die Erfolgsspur kommen. Denn nach vorläufigen Zahlen ist der Gewinn vor Zinsen und Steuern im vergangenen Jahr um 27 Prozent auf 79 Millionen Euro eingebrochen.

Im Januar musste der Junior und Vorstandschef Ralf Weber einräumen, dass „die im Sommer 2015 eingeleiteten Maßnahmen nicht ausreichen, um das Unternehmen für die Zukunft optimal zu positionieren.“ Derzeit arbeitet er an einem neuen Programm, das er zur Jahrespressekonferenz am 26. Februar vorstellen will.

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Branchenbeobachter sehen die Einführung einer neuen Marke kritisch. „Es ist langwierig und teuer, aus einem neuen Label eine Marke zu machen“, sagte Franz-Maximilian Schmid-Preissler von der gleichnamigen Strategieberatung.

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