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16.03.2016

10:22 Uhr

Gerry Weber in der Sanierung

Modekonzern bleibt nur noch Mini-Gewinn

Erst gut zwei Wochen ist es her, dass Vorstandschef Ralf Weber eine radikale Sanierung von Gerry Weber ankündigte. Das Modeunternehmen schließt viele Filialen – spätestens jetzt dürfte jedem klar sein, warum.

Das Modeunternehmen aus Halle in Westfalen unterzieht sich einer radikalen Sanierung. dpa

Eine Filiale von Gerry Weber schließt

Das Modeunternehmen aus Halle in Westfalen unterzieht sich einer radikalen Sanierung.

DüsseldorfDie unter Druck geratene Modefirma Gerry Weber ist zum Jahresauftakt knapp an einem Verlust vorbeigeschrammt. Als Gründe nannte Vorstandschef Ralf Weber am Mittwoch neben Aufwendungen für den Konzernumbau und Abschreibungen auch einen deutlichen Rückgang des margenstarken Großhandelsgeschäftes mit den Kernmarken Gerry Weber, Taifun und Samoon. Allein die neuerworbene Tochter Hallhuber sorgte für einen Umsatzanstieg in der Gruppe.

„Das erste Quartal 2015/16 hat verdeutlicht, wie zwingend notwendig unser im Februar vorgestelltes Programm zur Neuausrichtung "Fit 4 Growth" ist“, betonte Weber. Das anhaltend schwierige Marktumfeld und interne Fehlentwicklungen der Vergangenheit belasteten die Umsätze und die Profitabilität.

Gerry Weber: Ralf Weber räumt beim Modekonzern auf

Gerry Weber

Ralf Weber räumt beim Modekonzern auf

Der Modekonzern Gerry Weber muss nach einem Gewinneinbruch hart sparen: Firmenchef Ralf Weber schließt jede zehnte Filiale, streicht auch in der Zentrale Jobs und startet eine neue Marke.

Weber hatte im vergangenen Jahr seinen Vater Gerhard Weber als Vorstandschef abgelöst, der jahrelang einen ehrgeizigen Expansionskurs fuhr und jährliche Dutzende neue Filialen eröffnete.

Bei einem Umsatzanstieg um elf Prozent auf 213,7 Millionen Euro brach im Zeitraum November bis Januar der Überschuss um rund 88 Prozent auf 1,2 Millionen Euro ein, wie Weber mitteilte. Operativ sank das Ergebnis (Ebit) um 77,5 Prozent auf 3,9 Millionen Euro. Hallhuber steuerte einen Umsatz von rund 50 Millionen Euro bei.

Nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Geschäftsjahr hatte Weber die Reißleine gezogen. Zehn Prozent der rund 7000 Stellen will er streichen und 103 von insgesamt 1270 eigenen Filialen und Verkaufsflächen schließen. Die Sanierung wird allerdings auch 2015/16 zu einem Gewinneinbruch führen. Einmalige Aufwendungen und Abschreibungen von 36 Millionen Euro werden laut Weber das Ebit auf zehn bis 20 Millionen Euro drücken. Bereits 2014/15 war das Ebit um fast ein Drittel auf rund 79 Millionen Euro geschrumpft.

Die größten Textilhändler in Deutschland

Rang 10

Tchibo / Ernsting's Family
Die Unternehmen aus Hamburg und Coesfeld teilen sich den zehnten Platz mit einem Umsatz von 1,01 Milliarden Euro. Damit schlugen sie 2014 aber etablierte Modefilialisten wie Esprit, Inditex oder den Onlinehändler Zalando.

Quelle: „Textilwirtschaft“

Rang 9

Aldi-Gruppe
Die beiden Discounter (Aldi Nord/Aldi Süd) erzielten 2013 einen geschätzten Textilumsatz von 1,04 Milliarden Euro, ein leichtes Plus gegenüber dem Vorjahr. Damit kann Aldi Rang neun verteidigen.

Rang 8

Lidl
Die Neckarsulmer liegen mit einem Textilumsatz von rund 1,08 Milliarden Euro auf Rang acht.

Rang 7

Tengelmann
Die Mülheimer, die rund 82 Prozent der Billig-Kette Kik besitzen, erwirtschafteten 2014 einen geschätzten Jahresumsatz von rund 1,3 Milliarden Euro, ein leichtes Plus zum Vorjahr.

Rang 6

Peek & Cloppenburg
Die Düsseldorfer belegen in der Rangfolge der größten Textileinzelhändler in Deutschland mit einem Jahresumsatz von 1,34 Milliarden Euro Platz sechs.

Rang 5

Karstadt
Deutlich geschrumpft ist erneut der Umsatz bei Karstadt - nach „Textilwirtschaft“-Schätzung um mehr als 300 Millionen Euro auf 1,58 Milliarden Euro. Dennoch wird Platz fünf verteidigt.

Platz 4

Metro
Die Düsseldorfer Metro-Group schafft mit Textilien im Jahr 2014 geschätzte 2,25 Milliarden Euro Umsatz.

Platz 3

C&A
Noch ein Düsseldorfer Unternehmen - mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Euro ist C&A der drittgrößte Textileinzelhändler in Deutschland. Allerdings sind die Einnahmen seit Jahren rückläufig.

Platz 2

H&M
Die schwedische Modekette H&M steigert den Umsatz 2014 deutlich. Die Erlöse belaufen sich in Deutschland auf 3,8 Milliarden Euro.

Platz 1

Otto
Der größte Textileinzelhändler in Deutschland bleibt der Hamburger Versandhändler Otto Group mit einem Textil-Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro im Jahr 2014.

Die hiesigen Modefirmen ringen mit dem wachsenden Online-Handel und den steigenden Marktanteilen von H&M und den Inditex-Ablegern Zara und Massimo Dutti. Die Konkurrenten sorgen mit rasch wechselnden Kollektionen für steten Zustrom in ihre Geschäfte.

Von

rtr

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