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30.11.2012

18:45 Uhr

Geschäftszahlen

Gewinn von Aldi Nord bricht ein

Aldi Nord hat 2011 weniger Gewinn gemacht. Laut eines Medienberichts liegt das Ergebnis deutlich unter dem Niveau vergangener Jahre. Konzernschwester Aldi Süd bleibt hingegen auf Wachstumskurs.

Aldi Nord hat offenbar im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch verzeichnet. dapd

Aldi Nord hat offenbar im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch verzeichnet.

EssenDer Discounter Aldi Nord hat einem Medienbericht zufolge 2011 einen Ergebniseinbruch in seinem deutschen Heimatmarkt verzeichnet. Vor allem ein schwaches Geschäft mit Waren, die nicht zum Lebensmittel-Sortiment gehören, und höhere Einkaufspreise hätten dem Unternehmen die Bilanz verhagelt, berichtete die „Lebensmittel Zeitung“ am Freitag. Die bislang veröffentlichten Bilanzen von 18 der insgesamt 35 Aldi Nord-Regionalgesellschaften wiesen zwar leicht gestiegene Umsätze aus, doch unter dem Strich werde das Ergebnis erheblich unter dem Niveau der vergangenen Jahre liegen. Von Aldi Nord war am Freitag keine Stellungnahme zu dem Medienbericht zu bekommen. Das Unternehmen nennt traditionell keine Konzernzahlen.

Das Schwesterunternehmen Aldi Süd betonte am Freitag, dass man in Deutschland auf Wachstumskurs bleibt. „Das Jahr 2011 war mit einer Umsatzsteigerung von 4,4 Prozent und einer sehr positiven Ertragslage äußerst erfolgreich“, teilte das Unternehmen am Freitag in Mülheim an der Ruhr der dpa mit. Aufgelaufen für das aktuelle Jahr verzeichne man eine deutliche Umsatzsteigerung von 5,6 Prozent. „Positiv gestimmt durch dieses gute Ergebnis blicken wir sehr zuversichtlich auf 2013“, hieß es.

Warum Aldi billig ist

Es ging ums Sattwerden

Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

Zahl der Artikel

Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

Das oberste Gebot

Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

Die Revolution

Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

Markenartikel? Nein, Danke!

Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

Aldis Problem

Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

Harte Gespräche mit Lieferanten

Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

Die große Verlockung

Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

Das Preisdiktat

Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

Wie preissensibel ist der Kunde

Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Aldi Süd widersprach der „Lebensmittel Zeitung“, die mit Verweis auf bisher zwölf veröffentlichte Regionalbilanzen für 2011 von Ertragseinbußen berichtete. In dem Bericht war zudem von einem Umsatzplus überwiegend von mindestens zwei Prozent die Rede.

Von

dpa

Kommentare (5)

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wuerg

30.11.2012, 20:28 Uhr

Bemerkenswert, dass diese Ramsch- und Schmuddelbuden überhaupt noch Umsatz machen. Discount ja, aber nicht Aldi Nord.

Aldi_auf_Schrumpfkurs

30.11.2012, 21:46 Uhr

Na ja, es werden immer mehr Produkte aus den Regalen entfernt. Aldi Süd und Hofer wird das auch bald merken am Umsatz. Neue Produkte sind eher Einmalangebote, wohl aus Insolvenzen raus (Asia Quatsch mit Soße hat bei Aldi und Hofer eh nix verloren). Die Grundnahrungsmittel sind aber leider auf dem Rückzug und immer mehr davon nur noch mit Süßstoffen - Bäh.

schosch

01.12.2012, 01:08 Uhr

Sicher, Aldi Nord hat Nachholbedarf und ist mit dem Aldi-Süden nicht vergleichbar.
Bei all den Preisvergleichen in der Presse wird meiste übersehen, das Aldi (Süd)-Sortiment besteht zum einem aus dem ständigen Angebot, zum anderen aus den rotierenden Angeboten von Kleidung, Kosmetik, Werkzeug, Fahrrädern, Gartenmöbeln und vielem anderen mehr, sowie Lebensmittel-Aktionen mit Schehwerpunkten wie Frankreich, Italien, oder Asien.
Diese Sonderaktionen sind übers Jahr immer wieder weitgehend mit den selben, oder vergleichbaren Artikeln bestückt, so daß der Stammkunde etwa regelmäßig mit Socken rechnen kann. Das Aldi Warenangebot ist daher ausgesprochen vielfältig, bei vergleichsweise geringer Stellfläche, da deren Bestückung rotiert.

Die Qualität ist OK, auch das Design hat fast gar nichts mehr vom Billigtouch gewohnter Discountware, sonder ist sachlich, reduziert und gefällig.

Die Preise bei diesen Angeboten liegen dann nicht unbedingt auf Minimalniveau, was von der Kundschaft aber in Kauf genommen wird, weil das Paket eben trotzdem stimmt.

Auf diesem Weg räubert Aldi nahezu in allen Branchen, ohne, wie einige große Wettbewerber, seine Sonderposten penetrant mit grellen "Billig! Billig!" Postern zu bewerben.

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