Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.07.2014

03:04 Uhr

Gespräche mit Signa

Berggruen soll Karstadt-Verkauf für einen Euro prüfen

Investor Nicolas Berggruen soll mit der Finanzgruppe Signa über einen Verkauf der angeschlagenen Karstadt-Kette verhandeln. Deren Eigner Rene Benko könnte den Großteil des Konzern übernehmen – für einen Spottpreis.

Karstadt-Verkauf in Aussicht? Zwischen Berggruens Holding und der Finanzgruppe Signa des Tiroler Unternehmers René Benko sollen Gespräche im Gang sein. dpa

Karstadt-Verkauf in Aussicht? Zwischen Berggruens Holding und der Finanzgruppe Signa des Tiroler Unternehmers René Benko sollen Gespräche im Gang sein.

FrankfurtKarstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen verhandelt „Bild“ zufolge mit der österreichischen Finanzgruppe Signa des Unternehmers Rene Benko über einen Verkauf der Warenhaus-Kette. Dem Bericht zufolge könnte Benko für einen Euro gut 70 Prozent an Karstadt übernehmen. Bisher besitzt Benko bereits die Mehrheit an Karstadt-Sport und mehrere Top-Filialen.

Auch der plötzliche Abgang von Karstadt-Chefin Eva-Lotta Sjöstedt stehe in Zusammenhang mit den Verhandlungen, hieß es in dem „Bild“-Bericht unter Berufung auf „informierte Kreise“ weiter.

Sjöstedt hatte am Montag knapp fünf Monate nach ihrem Amtsantritt das Handtuch geworfen. Die Schwedin sollte den defizitären Konzern mit seinen 83 Warenhäusern auf Kurs bringen und setzte dabei auf die Unterstützung des als Karstadt-Retter gefeierten Berggruen. Sie habe aber feststellen müssen, dass die Voraussetzungen für eine Sanierung nicht mehr gegeben seien, begründete Sjöstedt ihren Rücktritt.

Karstadt schreibt seit Jahren rote Zahlen und stand 2009 vor der Insolvenz. Berggruen erwarb den Konzern daraufhin für den symbolischen Preis von einem Euro.

Karstadts Krisen-Chronik (Teil 1)

Keine Wende

Mit seinem früheren Mutterkonzern Arcandor war Karstadt 2009 in die Insolvenz gerutscht. Im Juni 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen ein. Von seinem Einspringen wurde die Wende erhofft. Die Chronik der Krise.

1. September 2009

Für die wichtigsten Arcandor-Gesellschaften - darunter die Karstadt Warenhaus GmbH - wird das Insolvenzverfahren eröffnet.

1. Dezember

Zehn Karstadt-Standorte mit teils mehreren Häusern sollen nach Angaben der Insolvenzverwaltung geschlossen werden. Etwa 1200 Mitarbeiter sind betroffen.

15. März 2010

Beim Essener Amtsgericht wird ein Insolvenzplan vorgelegt. Am 12. April stimmen die Gläubiger dem Plan zu.

1. Juni

Von bundesweit 94 Kommunen haben bis auf drei alle einem Verzicht auf Gewerbesteuer zugestimmt. Die im Insolvenzplan geforderte Zustimmungsquote von 98 Prozent gilt damit als sicher.

7. Juni

Die vom Privatinvestor Nicolas Berggruen gesteuerte Berggruen Holding erhält vom Gläubigerausschuss den Zuschlag zur Übernahme. Einen Tag später unterschreibt Berggruen den Kaufvertrag unter Vorbehalt. Berggruen fordert vom Karstadt-Standortvermieter Highstreet deutliche Mietsenkungen.

14. Juni

Eine erste Verhandlungsrunde zu den künftigen Mieten endet ohne Ergebnis. Am 20. Juni lehnt Berggruen ein Angebot von Highstreet über Mietsenkungen von mehr als 400 Millionen Euro ab.

26. August

Berggruen hat sich mit der Essener Valovis-Bank geeinigt. Die Bank hatte Highstreet ein Darlehen über 850 Millionen Euro gewährt und dafür im Gegenzug 53 Waren-, Sport- und Parkhäuser als Sicherheit erhalten. Man habe sich unter anderem darauf verständigt, dass Berggruen dieses Darlehen bis 2014 ablösen könne, heißt es.

2. September

Die Highstreet-Gläubiger stimmen den von Investor Berggruen geforderten Mietsenkungen zu.

30. September

Das Essener Amtsgericht hebt das Insolvenzverfahren auf. Damit erhält Berggruen zum 1. Oktober die Schlüsselgewalt für die Karstadt Warenhaus GmbH. 40.000 Gläubiger verzichten auf zwei Milliarden Euro. Die Belegschaft verzichtet auf 150 Millionen Euro.

Noch vor Sjöstedts Amtsantritt trennte er sich von der Mehrheit an zwei Filetstücken des Konzerns. Benko übernahm die Mehrheit am operativen Geschäft von Karstadt Sports und an den drei Luxuswarenhäusern - das Berliner KaDeWe, das Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München. Benko besitzt zudem zahlreiche Karstadt-Immobilien.

Berggruen hat nunmehr nur noch die Mehrheit am traditionellen Warenhausgeschäft und das braucht spätestens für den Weihnachtseinkauf im Herbst Geld. Metro-Chef Olaf Koch hatte bereits abgewunken – eine Kaufhaus-Allianz mit dem zu Metro gehörenden Kaufhof werde es nicht geben.

Von

rtr

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hans Karpf

11.07.2014, 09:04 Uhr

Auch Benko wird bei Karstadt nicht viel ausrichten können. Berggruen will wohl schnell aus Image Gründen Karstadt los werden, um bei möglichen Problemen aus der Nummer raus zu sein. Geld will der eh nicht in Karstadt investieren.

Herr W. H.

11.07.2014, 10:05 Uhr

Das Image von großen Retter und Sanierer ist verblasst. Da ist persönlich und wirtschaftlich nichts mehr rauszuholen. Und nach vorne gebracht hat die Berggruen-Aera Karstadt ja auch nicht. Kaufhäuser in der Mitte deutscher Großstädte durch ausländische Manager leiten zu klassen, die von deutschem Kaufverhalten keine Ahnung haben, ist eben nicht unbedingt zielführend!

Herr Paul Ruhe

11.07.2014, 10:18 Uhr

Vom Regen in die Traufe. Auch Benko ist kein Macher, sondern ein Absahner. Jetzt werden die aller letzten Reste auch noch zerflettert. Karstadt ist mehr nicht zu retten.
Und die Angestellten sind mit im Boot, durch ihr kundenabschreckendem Verhalten.

Von Middelhoff über die Aufsichtsräte, Manager, Investoren,(Berggruen) Gewerkschaften und Angestellte, alles Versager. Armes Karstadt



Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×