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03.11.2014

18:45 Uhr

Gespräche zwischen GDL und Bahn geplatzt

Bahnreisenden droht Rekordstreik

Verhärtete Fronten: Die GDL wirft der Bahn Provokation von Arbeitskämpfen vor. Die Bahn sagt, GDL lässt Gespräche kurz vor der Lösung platzen. Es droht ein Rekordstreik – und er kann jederzeit beginnen.

Ein Bahn-Signal leuchtet vor einer Weiche rot: „Für mich ist das nicht mehr nachvollziehbar“, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi. dpa

Ein Bahn-Signal leuchtet vor einer Weiche rot: „Für mich ist das nicht mehr nachvollziehbar“, sagte SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi.

BerlinBerufspendler und Fernreisende müssen sich auf den längsten Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn einstellen. Weil erneut ein Lösungsversuch im Tarifkonflikt scheiterte, drohte die Lokführergewerkschaft GDL am Montag mit einem neuen Arbeitskampf. Der Beginn werde rechtzeitig bekanntgeben, erklärte sie.

Vor zwei Wochen hatte die GDL für insgesamt 60 Stunden bundesweit den Reise- und Güterverkehr zu großen Teilen lahmgelegt. Ein GDL-Vertreter sagte der Nachrichtenagentur Reuters, die Gewerkschaft bleibe bei der Taktik, die Streikdauer zu steigern. Der längste Arbeitskampf fand 2007 mit 62 Stunden statt. Die „Bild“-Zeitung berichtete von Planungen für einen Ausstand über 91 Stunden. Dies wurde in der vergangenen Woche schon über den Kurznachrichtendienst Twitter verbreitet.

Die Bahn warf der GDL vor, sie habe nicht nur die Gespräche trotz eines fertigen Vertragsentwurfs in letzter Minute platzen lassen. Jetzt blieben auch noch Millionen Kunden im Ungewissen über den neuen Streik. Dies sei unverantwortlich. „Eine gute Zukunftslösung ist erneut an reinen Machtfragen gescheitert. So verhält sich kein verlässlicher Verhandlungspartner“, sagte Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber.

Er betonte, der Entwurf habe auch einen eigenständigen Vertrag für die Zugbegleiter vorgesehen. Die GDL wiederum hielt dem Staatskonzern vor, der Tarifvertragsentwurf sei ein Diktat. Die Gewerkschaft solle für einen Teil der Mitglieder auf das Streikrecht verzichten.

Der Tarifkonflikt bei der Bahn

Die GDL-Forderungen

Die GDL verlangt fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit von 39 auf 37 Stunden. Daneben müsse es insgesamt familienfreundlichere Schichtregelungen geben.

Für wen die GDL verhandeln will

Das ist der Kern des Konflikts: Bislang schloss sie Tarifverträge für die 20.000 Lokführer, bei denen sie die stärkste Arbeitnehmervertretung ist. Die übrigen Berufsgruppen, insgesamt rund 140.000 Beschäftigte, vertrat die größere Eisenbahn-und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Zwischen beiden Gewerkschaften gab es ein Abkommen, das dies regelte. Dies ist jedoch im Juni ausgelaufen und wurde nicht verlängert.

Die GDL will nun auch für rund 17.000 Mitarbeiter des Bordpersonals wie Zugbegleiter und Restaurantkräfte sowie Rangierführer verhandeln. In der Gruppe des Zugpersonals insgesamt, also mit Lokführern, sei man die stärkste Gewerkschaft, argumentiert die GDL.

Die Position der Bahn

Die Bahn will mit der GDL einen Lokführer-Vertrag abschließen, lehnt aber konkurrierende Verhandlungen mit zwei Gewerkschaften zur gleichen Berufsgruppe strikt ab. Denn die EVG will im Gegenzug zur GDL nun auch für ihre Mitglieder unter den Lokführer einen eigenen Vertrag. Dies kann den Konflikt weiter verschärfen: Die EVG will am Mittwoch mit der Bahn verhandeln.

Rivalität zwischen GDL und EVG

Eine neue Verständigung zwischen GDL und EVG könnte den Konflikt entschärfen. Dies ist jedoch unwahrscheinlich. Zum einen will die GDL ihren Einfluss ausdehnen. Zum anderen verläuft ein tiefer Riss zwischen den Organisationen, da die Vorgängerorganisation der EVG die Börsenpläne von Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn unterstützt hatte. Dies gipfelte im Wechsel von Gewerkschaftschef Norbert Hansen in den Bahn-Vorstand. Seitdem sieht sich die GDL als einzige wirkliche Arbeitnehmervertretung.

Tarifeinheitsgesetz

Die GDL fürchtet, dass die Politik der Bahn mit dem geplanten Tarifeinheitsgesetz beispringt. Damit soll der Einfluss von Spartengewerkschaften wie der GDL oder der Pilotenvereinigung Cockpit begrenzt werden. Die GDL wirft der Bahn vor, mit ihrer Haltung Streiks provozieren zu wollen, damit das Gesetz schneller und schärfer kommt. Ein Entwurf soll im November vorgestellt werden.

Die Gewerkschaft verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten. Kern des Konflikts ist aber, dass sie dies nicht mehr allein für die 20.000 Lokführer fordert, sondern auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer. Die Vertretung dieser Gruppe beansprucht die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für sich. Die Bahn lehnt konkurrierende Tarifabschlüsse ab.

Die SPD schaltete sich in die Auseinandersetzungen ein und hielt der GDL vor, der Gewerkschaftsbewegung insgesamt zu schaden. „Für mich ist das nicht mehr nachvollziehbar“, sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi. Sie wisse nicht, wie die Gewerkschaft aus der Lage wieder herausfinden wolle

Von

rtr

Kommentare (1)

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Herr Teito Klein

04.11.2014, 07:42 Uhr

Mit dem Kopf durch die Wand
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Jetzt will der Mao von der Bahn (Weselsky) wieder einmal streiken lassen. Diesmal für 91 Stunden. Vorher ließ er einen unterschriftsreifen Vertrag platzen lassen.
Es geht ihm nicht um die Lohnerhöhung von 5%, auch nicht um die Arbeitszeitverkürzung von 2 Stunden pro Woche, es geht ihm um die Machterweiterung. Er will jetzt auch das Zugpersonal und Rangierführer vertreten, welche bisher von der EVG vertreten werden.

Und Weselsky gibt der Bahn die Schuld an den Streiks.

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