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10.08.2012

14:58 Uhr

Gesunkene Passagierzahlen

Stunde der Wahrheit für Air Berlin

VonLukas Bay

Die Passagierzahlen bei Air Berlin sinken, die verschobene Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens trifft die Airline härter als erwartet. Die Zeit der Durchhalteparolen ist vorbei.

Harte Zeiten für Hartmut Mehdorn: Die Passagierzahlen bei Air Berlin schrumpfen. Reuters

Harte Zeiten für Hartmut Mehdorn: Die Passagierzahlen bei Air Berlin schrumpfen.

DüsseldorfGerade war die Eröffnung des neuen Berliner Großflughafens verschoben worden, da suchte Air Berlin Chef Hartmut Mehdorn die richtigen Worte, um die besorgten Aktionäre zu beruhigen. „Wir gehen nach wie vor nicht davon aus, dass es hier finanzielle Nachteile für Air Berlin geben wird und geben kann“, sagte Mehdorn. Der Flughafen-Betreiber müsse die Airlines für die entstandenen Verluste entschädigen.

Doch damit ist vorerst nicht zu rechnen. Niemand will die Verantwortung für das Desaster übernehmen. Und es ist weiterhin völlig unklar, wann der neue Hauptstadtflughafen ans Netz gehen könnte. Nach der Eröffnungspanne am Hauptstadtflughafen haben die Betreiber die Architekten verklagt. Nun soll das Landgericht Potsdam feststellen, wer dafür verantwortlich ist, dass das Vorzeigeprojekt nicht rechtzeitig fertig wurde. Das könnte dauern.

Die Folgen bekommt Air Berlin allerdings direkt zu spüren: Nach fünf Prozent im Juni ist die Zahl der Fluggäste auch im Juni sechs Prozent unter dem Vorjahreswert - und das in den so wichtigen Ferienmonaten. Die schlechten Zahlen lassen sich nicht allein mit Streckenkürzungen begründen: Auch die Auslastung im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die rückläufigen Passagierzahlen in den ersten Monaten hatte Mehdorn noch mit dem traditionell schwachen Frühjahrsgeschäft begründet.

Die Zeit der Durchhalteparolen ist vorbei. Die neuen Passagierzahlen und die gesunkene Auslastung zeigen vor allem eins: Die verschobene Eröffnung trifft Air Berlin härter als bisher angenommen.

Das Air-Berlin-Sparprogramm

„Shape & Size“

Das Sparprogramm soll bis spätestens 2013 das Betriebsergebnis (Ebit) um 200 Millionen Euro erhöhen.

Kleineres Streckennetz

Unrentable Strecken sollen aufgegeben werden, die Flotte soll von 170 auf 152 Flugzeuge verkleinert werden.

Ausbau der Drehkreuze

Die Drehkreuze Berlin, Düsseldorf, Palma de Mallorca und Wien sollen ausgebaut werden. Mit Beitritt zum Bündnis Oneworld im Frühjahr 2012 sollen sie Verteilerfunktion für Passagiere von Partner-Airlines übernehmen.

Erhöhung der Nebeneinkünfte

Die Nebeneinkünfte sollen aus Zuschlägen für einzelne Leistungen und Preisanhebungen für einige Strecken erhöht werden.

Bessere Abläufe

Bessere Betriebsabläufe, neues Standortkonzept für Flugzeuge und Crews stehen ebenfalls auf dem Plan. So soll es gelingen, mit zehn Prozent weniger Maschinen nur vier Prozent weniger Flugleistung anzubieten.

Modernisierung

Die Vertriebskanäle werden modernisiert. Künftig sollen mehr Tickets über Internet-Reiseportale verkauft werden.

Einsparungen

In der Verwaltung, beim Einkauf und in der Flugabwicklung sollen die Kosten gesenkt werden.

Hartmut Mehdorn muss sich der Realität stellen: Weil das wichtigste Drehkreuz des Konzerns nicht ans Netz geht, fehlen die Kapazitäten um den ausgebauten Sommerflugplan wie geplant umzusetzen. Am ersten Ferienwochenende sei man „mit einem blauen Auge davon gekommen“, sagt Mehdorn .  94.000 Passagiere wurden am ersten Ferienwochenende am alten Flughafen Berlin-Tegel abgefertigt, weit mehr als der Flughafen tragen kann. Trotz einer deutlichen Aufstockung des Personals sei das Ergebnis für die Kunden der Fluggesellschaft "bestenfalls befriedigend" ausgefallen.

Kommentare (9)

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SabineM

06.07.2012, 16:49 Uhr

Die Air Berlin ist leider zu einen reinrassigen Mehdorn-Konzern verkommen. Höhere Preise, schlechterer Service. Alleine die Brötchen an Bord sind eine Zumutung!

Account gelöscht!

06.07.2012, 17:26 Uhr

Air Berlin hat schon seit geraumen Zeiten Probleme - primär Managmentprobleme. Erst Hunold, jetzt Mehdorn. Es wurde immer schlimmer. Jetzt wird auf Kosten der Kunden und den "Rennstrecken" versucht die Ergebnissituation zu verbessern, indem man die Kunden melkt. Strategische und operative Probleme lassen sich meistens mit einem geeigneten Management - auch nachhaltig - bewältigen. Aber hier fehlt solide Führung, die über Kostendrückerei deutlich hinausreichen muß. Ja, wo Mehdorn draufsteht, ist auch Mehdorn drin. Spezlwirtschaft ist halt auch keine Lösung.

leser

06.07.2012, 17:58 Uhr

Der Laden kann von Glück reden wenn er die Mehdorn-Kur überleben sollte.
Bei der DB hatten sie zum allerletzten Zeitpunkt die Reißleine gezogen.

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