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15.06.2015

21:00 Uhr

Getränke-Trend Cider

Der Apfel-Wein erobert Europa

Tschechien ist das Land mit dem höchsten Bierkonsum der Welt. Trotzdem macht sich hier wie in vielen anderen osteuropäischen Ländern ein neuer Trend breit: Cider. Viele Konzerne springen bereits auf den Zug auf.

Vor allem in Osteuropa wird Cider immer beliebter. Imago

Trendgetränk

Vor allem in Osteuropa wird Cider immer beliebter.

Am Ende eines von Lindenbäumen, hohem Gras und äsenden Schafen umgebenen Feldwegs will Michael Jurkovic die Trinkgewohnheiten der Slowaken verändern. In seinem Haus pressen Arbeiter die Äpfel aus lokalen Obstgärten aus und verwandeln den Saft in ein sprudelndes Getränk. Der perlende Apfelwein wird dann an Bars und Bistros in die eine Stunde entfernte Hauptstadt Bratislava geliefert, um den Durst jener Menschen zu löschen, die sich nicht mehr für die traditionellen Bier- und Weinsorten begeistern lassen

„Cider liegt irgendwo dazwischen“, sagt Jurkovic, während ein Angestellter die Flaschen mit dem vergorenen Apfelsaft von Hand zuschraubt und in einem Karton verstaut. „Unser typischer Kunde ist jung und aus der gehobenen Mittelklasse. Sie haben im Ausland gelebt und kennen das Getränk, oder sie experimentieren gerne.“

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Eine Generation nach dem Ende des Kommunismus und der Öffnung der Grenzen in Mitteleuropa setzt sich Cider bei den jungen und weltgewandten Trinkern in Ländern wie der Slowakei, Tschechien und Ungarn durch. Der Apfelwein wurde erst von kleinen Firmen eingeführt, nun springen große Getränkehersteller wie SABMiller und Heineken auf den Zug auf. Sie bauen Produktionslinien in Brauereien wie Plzensky Prazdroj, dem Hersteller von Pilsner Urquell, und Zlaty Bazant, um bereits in diesem Sommer die Früchte ihrer Arbeit zu ernten.

In Tschechien – dem Land mit dem höchsten Bierkonsum der Welt – kletterte der Einzelhandelsumsatz von Cider aus Äpfeln und Birnen im vergangenen Jahr um das Vierfache auf mehr als 3,68 Millionen Liter, zeigen Daten des Londoner Marktforschers Euromonitor International. Im Jahr 2010 waren es dagegen nur 40.000 Liter gewesen. In ganz Osteuropa zogen die Verkäufe Getränks um 14,6 Prozent an.

Die Bierproduktion in der Tschechischen Republik legte 2014 um 2,3 Prozent zu, getrieben von den Exporten, zeigen Daten des heimischen Brauereiverbands.

„Cider ist die dynamischste Kategorie der alkoholischen Getränke“, sagt Euromonitor-Analyst Amin Alkhatib im Gespräch mit Bloomberg. „Die Verbraucher schauen sich nach etwas Süßerem um als Bier“, fügt er an, und Cider sei in vielen Ländern eine mögliche Alternative.

Das sind die beliebtesten Biere Deutschlands

1. Oettinger

Der Absatz sank im Jahr 2014 um 2,8 Prozent auf 5,62 Millionen Hektoliter.

2. Krombacher

Die Marke verlor 2014 um 0,6 Prozent auf 5,47 Millionen Hektoliter.

3. Bitburger

Auch das Bier aus der Eifel verkaufte sich 2014 etwas schlechter. Das Absatz sank um 2 Prozent auf 3,94 Millionen Hektoliter.

4. Veltins

Die Marke legte um 2,6 Prozent auf 2,77 Millionen Hektoliter zu.

5. Beck's

2014 verzeichnete das Bremer Bier ein Plus von 1 Prozent auf 2,53 Millionen Hektoliter.

6. Warsteiner

Bei der Marke aus dem Sauerland brach 2014 der Absatz um 8,4 Prozent auf 2,53 Millionen Hektoliter ein.

7. Paulaner

Das Bier aus Bayern verkaufte sich 2014 besser. Der Absatz stieg um 4,5 Prozent auf 2,45 Millionen Hektoliter.

8. Hasseröder

Hier sank der Absatz um 6,9 Prozent auf 1,87 Millionen Hektoliter.

9. Radeberger

Von der Marke wurden 1,87 Millionen Hektoliter abgesetzt, 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr.

10. Erdinger

Das Bier aus Bayern steigert den Absatz um 3,5 Prozent auf 1,82 Millionen Hektoliter

Quelle

INSIDE-Marken-Hitliste 2014.

Der Trend ist den großen Getränkeherstellern nicht entgangen. In den letzten vier Jahren haben die meisten tschechischen Brauereien, darunter SABs Plzensky Prazdroj und die Prager Staropramen-Sparte von Molson Coors, damit angefangen, Bier mit Beeren, Früchten und Zitrusaromen zu verfeinern. Damit soll an einem traditionell von Lagerbier dominierten Markt eine höhere Vielfalt geboten werden.

„In Ländern mit einem ziemlich erheblichen und gesättigten Bierkonsum suchen die Brauer nach Nischen, in denen sie mehr verkaufen können“, erklärt Alkhatib. „Es ist also wenig überraschend, dass sie Cider auf den Markt bringen.“

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