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14.08.2013

17:22 Uhr

Gewerkschaft empört

Bahn-Chef Grube bittet um Urlaubsaufschub

Die Bahn stellt nach den Zugausfällen in Mainz ihre Personalplanung um. Damit kein neues Chaos entsteht, hat nun der Bahnchef persönlich zum Telefonhörer gegriffen - und Mitarbeiter gebeten, ihren Urlaub zu verschieben.

Deutsche Bahn

Wieder mehr Züge in Mainz, Bahn dennoch Wahlkampfthema

Deutsche Bahn: Wieder mehr Züge in Mainz, Bahn dennoch Wahlkampfthema

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MainzBahnchef Rüdiger Grube hat Mitarbeiter aus dem Stellwerk Mainz persönlich um eine Verschiebung ihres Urlaubs gebeten und damit Empörung bei der Gewerkschaft ausgelöst. Im Interesse der Kunden und des Unternehmens habe Grube eine Handvoll Mainzer Kollegen angerufen und sie gebeten, sich zu überlegen, ob sie nicht ihren Urlaub verschieben könnten, sagte ein Bahn-Sprecher am Mittwoch. „Ausdrücklich sollten sie eine Nacht darüber schlafen.“ Es habe sich um Kollegen gehandelt, die derzeit im Dienst seien und sich noch nicht im Urlaub befänden, stellte der Sprecher klar.

Grube besuchte das Stellwerk auch persönlich. Eine Sprecherin der Deutschen Bahn bestätigte am Mittwoch einen Bericht der „Bild“-Zeitung: „Es gab vertrauliche Gespräche.“ Die „Bild“-Zeitung berichtete unter Berufung auf die Bahn, Grube sei für 90 Minuten in Mainz gewesen und habe sich mit einigen Kollegen über deren Sorgen und Nöte unterhalten.

Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG reagierte empört: „Dass Mitarbeiter, die dringend Urlaub brauchten, vom obersten Konzernlenker persönlich angerufen werden, halte ich für ein Ding der Unmöglichkeit“, sagte EVG-Chef Alexander Kirchner. Es gebe Kollegen in Mainz, die seit Dezember keine drei Tage am Stück frei gehabt hätten. „Der Akku ist einfach leer.“ Die Entscheidung, den Betrieb in Mainz einzuschränken, habe allein die Deutsche Bahn getroffen, weil sie das Stellwerk nunmehr tagsüber mit drei statt bisher zwei Fahrdienstleitern besetzt wissen wollte.

Die wichtigsten Fragen zum Bahnchaos

Ab welcher Verspätung bekommen Bahn-Fahrer eine Entschädigung?

Kommt ein Fahrgast mindestens eine Stunde zu spät am Ziel an, muss das verantwortliche Bahnunternehmen ihm 25 Prozent des Fahrpreises erstatten. Bei zwei Stunden Verspätung sind es 50 Prozent. Maßgeblich ist die Ankunftszeit am Zielort: Ist also ein erster Zug nur fünf Minuten verspätet, und kommt ein Bahnkunde durch einen dann verpassten Anschlusszug über eine Stunde später am Zielort an, erhält er eine Entschädigung. Wird im schlimmsten Fall eine Übernachtung nötig, muss die Bahngesellschaft die Kosten für ein Hotelzimmer tragen. Bei einer zu erwartenden Verspätung von 20 Minuten am Zielbahnhof kann der Fahrgast einen anderen Zug nehmen - auch einen höherwertigen.

Wie entschädigt die Deutsche Bahn Pendler mit Zeitkarten?

Besitzer von Streckenzeitkarten erhalten bei Verspätungen von einer Stunde eine pauschale Entschädigung. Bei Zeitkarten im Nahverkehr - aber auch bei Länder-Tickets und dem Schönes-Wochenende-Ticket - gibt es in der zweiten Klasse 1,50 Euro. Im Fernverkehr werden pauschal fünf Euro gezahlt. Grundsätzlich werden bei Zeitkarten maximal 25 Prozent des Fahrkartenwertes erstattet.

Wann muss die Bahn kein Geld zahlen?

Die Bahn zahlt Entschädigungen erst ab einer Bagatellgrenze von vier Euro. Bahn-Kunden mit Zeitkarten im Nahverkehr müssen also mindestens drei Verspätungen von mindestens 60 Minuten im Gültigkeitszeitraum der Fahrkarte einreichen, um eine Entschädigung zu erhalten. Nicht für Verspätungen haften müssen Bahnunternehmen, wenn die Ursache der Verspätung nicht in der Organisation des Bahnbetriebs liegt, also beispielsweise bei bestimmten Unfällen oder bei Folgen von Unwetter und Streiks, welche für die Bahn nicht beherrschbar sind.

Können Bahn-Fahrer bei einer Verspätung auch von einer Reise zurücktreten?

Zeichnet sich eine Verspätung von mehr als 60 Minuten ab, kann der Reisende auch auf die Fahrt verzichten und den kompletten Fahrpreis zurückverlangen. Ebenso kann er die Fahrt zu einem späteren Zeitpunkt beginnen und dann auch eine andere Streckenführung wählen.

Wie kann ich eine Entschädigung beantragen?

Die meisten Bahnunternehmen haben ein gemeinsames Beschwerdeformular, das etwa in den Servicezentren der Deutschen Bahn oder im Internet auf einer Gemeinschaftsseite der Anbieter erhältlich ist (http://www.fahrgastrechte.info). Das Formular können Reisende beim Anbieter einreichen, dessen Zug ausgefallen ist - entweder beim Begleitpersonal im Zug oder in den Fahrkarten-Verkaufsstellen an den Bahnhöfen. Wer keine Bestätigung für die Verspätung hat, nur eine Kopie der Fahrkarte einreichen will oder etwa eine Zeitkarte besitzt, muss sich per Post an das Servicecenter Fahrgastrechte wenden. Entschädigungen müssen die Bahn-Anbieter auf Wunsch bar auszahlen, ansonsten als Gutschein oder per Überweisung.

Wo gibt es Hilfe bei Streitfällen?

Die Bahnunternehmen müssen Beschwerden von Fahrgästen nach spätestens drei Monaten bearbeitet haben. Bei Streitfällen vermittelt die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (SÖP) zwischen Kunden und Unternehmen. In mehreren Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen gibt es auch regionale Schlichtungsstellen.

Bahn-Personalchef Ulrich Weber hatte zuvor Fehler der Deutschen Bahn (DB) im Zusammenhang mit den Problemen im Zugverkehr rund um den Mainzer Hauptbahnhof eingeräumt. Er sei sich mit Vertretern der Arbeitnehmerseite „sicher einig, dass eine Situation wie in Mainz ein Debakel ist, das nicht hätte passieren dürfen und auch nicht mehr passieren darf“, sagte Weber am Mittwoch in Frankfurt am Main am Rande eines Treffens mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Dies gelte mit Blick auf die Kunden des Konzerns, aber auch mit Blick auf die Mitarbeiter.

Bei dem Treffen der Personalchefs der Bahn-Konzerngesellschaften mit Vertretern der EVG gehe es darum, den „sehr pauschalen Vorwurf auszuräumen, es gebe keine Personalplanung“ bei der Deutschen Bahn, sagte Weber weiter. Das Unternehmen habe in der ersten Hälfte dieses Jahres über 2000 Mitarbeiter neu eingestellt, in den vergangenen Jahren rund 20.000.

Kommentare (21)

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Stellwerksleiter

14.08.2013, 14:18 Uhr

Warum muss die Politik abhilfe leisten ?

Ulrich Weber und Grube sollen abhilfe leisten!!!

SCHLECKERbahnGRUBE

14.08.2013, 15:16 Uhr

das eine herrenpissoir in der BAHNLOUNGE in mannheim ist seit mindestens 7 monaten mit einem plastiksack verhangen.

die bahnleitung ist zur reparaturorganisation unfähig

die scham des engagierten personals der lounge ,auf diesen mangel angesprochen ,ist spürbar

Tom

14.08.2013, 15:39 Uhr

Die elementarsten Dinge bekommt Grube mit diesem "Scheißhaufen DB" nicht hin. Jagt endlich diesen unfähigen Manager "zum Teufel"- der taugt doch nix. Und sein Gewerkschafts-Spezi Kirchner gleich mit...

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