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21.01.2005

14:45 Uhr

Gewerkschaft IG Bau kritisiert Politik der Banken

Endspurt bei Walter Bau

VonAxel Granzow

Die Rettung der angeschlagenen Walter Bau AG ist in die entscheidende Runde gegangen. In die Gespräche hat sich nun auch die Politik eingeschaltet. Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu sagte, in den Verhandlungen habe sich etwas Entscheidendes getan, dies werde noch heute verkündet.

Das Logo der Firma Walter Bau vor dem Hauptsitz des Unternehmens in Augsburg. Foto: dpa

Das Logo der Firma Walter Bau vor dem Hauptsitz des Unternehmens in Augsburg. Foto: dpa

HB DÜSSELDORF. Bankenkreise rechnen indes damit, dass die Verhandlungen über die Verlängerung der Kreditbürgschaften (Avale) für das laufende Baugeschäft von 1,5 Mrd. € und die Absicherung der Liquidität des Baukonzerns verbunden mit einer Nachbesserung der Sanierungsanstrengungen noch das Wochenende über andauern werden. Die IG-Bau betonte aber gegenüber dem Handelsblatt, dass sie keine unmittelbare Insolvenzgefahr sehe. Gewerkschaftskreise bestätigten zudem, dass Walter Bau die Gehälter gezahlt hat.

„Die werden weiterbauen“, zitiert der Berliner „Tagesspiegel“ den bayerischen Wirtschaftsminister Otto Wiesheu. Es habe sich in den Verhandlungen „etwas Entscheidendes getan“. Bundesbauminister Manfred Stolpe hatte kürzlich erklärt, dass die Bundesregierung der Walter Bau allenfalls über Aufträge unter die Arme greifen werde. Ein Rettungsprogramm wie seinerzeit beim Holzmann-Konzern werde es nicht geben, so Stolpe. Er sei aber voller Hoffnung, dass die Banken dem vom Konzern erarbeiteten Rettungskonzept zustimmen werden.

Walter Bau hat eine Straffung des Inlandsgeschäfts, den zusätzlichen Abbau von über 400 Arbeitsplätzen und jährliche Kosteneinsparungen zwischen 40 bis 60 Mill. € angekündigt. Der Aufsichtsrat hat das Programm inzwischen abgesegnet.

Heftige Kritik an den Banken übt dagegen die IG Bau. Die von den Banken gesteuerte Diskussion über die Schieflage rücke den Konzern in ein schlechtes Licht, sagte ein Sprecher der IG-Bau dem Handelsblatt. Sowohl die Liquiditätsprobleme als auch die Ursachen der Krise seien nicht ganz neu. „Wir haben die Befürchtung, dass die Leistungsfähigkeit des Konzerns kaputt geredet wird“, so der Sprecher. Wie auch andere habe Walter in der Baukrise auf die falsche Strategie gesetzt und eine Preispolitik betrieben, die Probleme schafft. Die IG Bau sieht aber keine unmittelbare Insolvenzgefahr. Die Gehälter seien gezahlt worden. Der Liquiditätsengpass sei das Problem und nicht die Verschuldung.

Walter Bau wollte zu einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" keine Stellung nehmen, wonach der Baukonzern entgegen den Erwartungen wieder tiefer in die Verlustzone gerutscht sei. Als Quelle werden Bankenkreise genannt. Danach soll der Verlust im vergangenen Jahr auf 55 Mill. Euro gestiegen sein. Im Umfeld des Unternehmens wird dies aber "als fernab der Realität" bezweifelt. Im ersten Halbjahr war das operative Ergebnis (Ebit) um 15,8 Mill. Euro gestiegen und lag bei einem Minus von 29,4 Mill. Euro im Vergleich zu minus 45,2 Mill. Euro im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Für das Gesamtjahr war eine deutliche Ergebnisverbesserung in Aussicht gestellt worden. Die Bauleistung betrug in den ersten sechs Monaten 1,3 Mrd. Euro, im Vorjahr lag sie bei 1,35 Mrd. Euro.

Nach Informationen aus Branchenkreisen machen Walter Bau vor allem Aufträge der Deutschen Bahn, namentlich für die drei neuen Bahnhöfe Hildesheim, Mainz und Köln Sorgen. Die Außenstände bei den strittigen Projekten, die Bahn macht Beanstandungen an den Baumaßnahmen geltend, soll deutlich über den bislang bekannten 104 Mill. Euro liegen. Im Fall der Bahnhöfe Hildesheim und Mainz hat sich Walter Bau auf ein Schiedsverfahren eingelassen. Insgesamt hatte Aufsichtsratschef und Firmengründer Ignaz Walter die Außenstände auf 450 Mill. Euro beziffert. Er hatte dafür die schlechte Zahlungsmoral der öffentlichen Hand verantwortlich gemacht. Außerdem bereitet die Sanierung der defizitären Tochtergesellschaft in Australien Walter Bau nach Brancheninformationen offenbar größere Schwierigkeiten als geplant.

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