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16.02.2012

12:13 Uhr

Gewerkschaft legt nach

Flughafen Frankfurt wird auch am Freitag bestreikt

Der Streik hat noch nicht begonnen, da werden seine Ausmaße schon spürbar. Die Lufthansa streicht über 90 Flüge, der Regionalflughafen Hahn stellt sich auf mehr Arbeit ein. Die Gewerkschaft hat den Streik verlängert.

Streik könnte Flughafen Frankfurt lahmlegen

Video: Streik könnte Flughafen Frankfurt lahmlegen

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Frankfurt/MainDie Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will ihren für Donnerstag geplanten Streik am Frankfurter Flughafen auf den Freitag ausdehnen. „Falls es kein Einsehen gibt, werden wir am Freitag von 8 bis 22 Uhr die Arbeit niederlegen“, sagte GdF-Sprecher Matthias Maas.

Am Donnerstag wollen die rund 200 Beschäftigten, die als Verkehrsdisponenten, Vorfeldlotsen oder Flugzeug-Einweiser arbeiten, ab 15 Uhr streiken. Sie wollen damit deutlich höheres Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen erzwingen. Der Streik soll sieben Stunden anhalten. (Serviceadressen und wichtige Rufnummern für Reisende)

Die Lufthansa streicht wegen des Streiks am Frankfurter Flughafen ihren Flugplan zusammen. Am Donnerstag werden 93 Flüge ausfallen, wie Deutschlands größte Fluggesellschaft am Donnerstag mitteilte. Betroffen seien beinahe ausschließlich Deutschland- und Europaflüge - Langstrecken-Flüge sollten hingegen noch ankommen und abheben können.

Auch auf den zweiten Streiktag bereitet sich die Lufthansa bereits vor. Allein am frühen Freitagmorgen würden bis 7.30 Uhr neun Verbindungen von und nach Frankfurt ausfallen, hieß es. Wie es im weiteren Verlauf des Tages aussieht, verriet die Lufthansa zunächst nicht. Zu den möglichen Flugausfällen bei einer bereits angekündigten Ausweitung des Streiks auf Freitag machte die Lufthansa noch keine Angaben, da noch nicht klar sei, wie viele Slots die Fraport anbieten könne. Laut Flughafen sind in dieser Zeit 1082 Starts und Landungen geplant.

Darauf sollten Passagiere achten

Auskunft

Der wichtigste Ansprechpartner für die Passagiere ist die Fluggesellschaft. Da schwer abzuschätzen ist, welche Flüge genau von einem Ausstand der Vorfeldmitarbeiter betroffen sein werden, sollte man sich vorab bei der Gesellschaft nach Ausfällen erkundigen. Das ist etwa auf den Internetseiten der Airlines und Reiseveranstalter möglich. 

Umbuchung

Grundsätzlich können Flüge, die ausfallen, vom Passagier storniert werden. In den Fällen gibt es Geld zurück. Oder aber man versucht, einen Platz für einen anderen Flug zu bekommen. Ein Anrecht auf den nächsten Flug gibt es allerdings nicht. Eine gewisse Wartezeit sollte also eingeplant werden.

Entschädigung

Ein Streik ist kein Grund, von der Fluggesellschaft eine Entschädigung einzufordern. Allerdings sind die Airlines verpflichtet, sich ab einer gewissen Verspätung um die Versorgung der Passagiere zu kümmern. Damit sind Mahlzeiten, Getränke, Telefonate und falls notwendig auch ein Nachtquartier gemeint.

Kleingedrucktes

Allerdings sollte man auf das Kleingedruckte solcher Regeln achten. Diese Form der Betreuung ist bei Flügen bis zu 1 500 Kilometern erst ab einer Verspätung von zwei Stunden vorgeschrieben. Ist ein Flug von bis zu 3 500 Kilometern betroffen, darf die Wartezeit drei Stunden betragen, bevor die Airlines einen solchen Sonderservice bieten müssen. Bei noch längeren Strecken sind es sogar bis zu vier Stunden.

Der Flughafenbetreiber Fraport nannte die Streikandrohung nicht nachvollziehbar und kündigte an, mindestens die Hälfte der Flüge zu gewährleisten. Vorerst werde der Flughafen allerdings nicht versuchen, die Streiks mit einer Gerichtsverfügung zu stoppen - die Möglichkeit halte sich Fraport aber weiter offen, sagte ein Sprecher. Der Flughafen bereitet sich seit Tagen auf den Streik vor und hat zusätzliches Personal für die Jobs auf dem Flugvorfeld geschult. Fraport hofft, dass so mindestens jeder zweite Flug stattfinden kann. Im Schnitt wickelt der Airport täglich 1.300 Starts und Landungen ab.

„Es kann passieren, dass kein Flieger die Position verlässt oder an Position ankommt“, sagte GdF-Bundesvorstand Tarif und Recht, Markus Siebers, am Mittwoch. Er schätzte, dass rund 400 Flüge von dem Streik betroffen sein werden. Das seien etwa 30 bis 40 Prozent des Tagesverkehrs am Flughafen Frankfurt.

Indes richtet sich der mit Verlusten kämpfende Regionalflughafen Hahn im Hunsrück auf arbeitsreiche Tage ein. „Uns liegen Anfragen von Fluggesellschaften vor, die den Flughafen Hahn als Alternative zu Frankfurt nutzen wollen“, sagte eine Sprecherin des rund 100 Kilometer von Frankfurt entfernt gelegenen ehemaligen US-Militärflughafens am Donnerstag. Dabei gehe es sowohl um Fracht- als auch Passagiermaschinen. Hahn habe genügend freie Kapazitäten für Flüge, das Problem sei aber die Abfertigung, erläuterte die Sprecherin. Deshalb könne sie noch keine Angaben dazu machen, wie viele Flüge von Frankfurt in die rheinland-pfälzische Provinz umgeleitet werden könnten.

Fraport hatte in dem schwelenden Tarifkonflikt einen Schlichterspruch des Hamburger CDU-Politikers Ole von Beust abgelehnt und eine nachfolgende Erklärungsfrist der Gewerkschaft verstreichen lassen.

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Die Arbeit niederlegen wollen Beschäftigte in den Bereichen Verkehrszentrale, Vorfeldaufsicht und Vorfeldkontrolle. Damit können nur wenige Arbeitnehmer den größten deutschen Flughafen komplett lahmlegen. Das Vorfeldpersonal ist eine kleine, aber entscheidende Berufsgruppe auf den Flughäfen. Es sorgt unter anderem dafür, dass Flugzeuge von ihren Parkpositionen zu den Flugbahnen kommen. Am Frankfurter Flughafen arbeiten rund 200 Beschäftigte in der Vorfeldkontrolle, Vorfeldaufsicht und der Verkehrszentrale. 190 davon sind in der GdF organisiert.

Was tun, wenn der Flug ausfällt?

Wer hilft, wenn mein Flug vom Streik betroffen sein könnte?

Erster Ansprechpartner für Flugreisende ist immer die Fluggesellschaft, bei Pauschalreisen der Reiseveranstalter. Auch die Flughäfen bieten auf ihren Internetseiten meist ausführliche Informationen über die aktuellen Flug- und Ankunftszeiten. Bei Informationen aus dem Internet ist es sinnvoll, sich diese auszudrucken, um später einen Beleg zu haben.

Was kann ich tun, wenn mein Flug ausfällt?

Wird ein Flug wegen eines Streiks gestrichen, kann man ihn entweder stornieren oder umbuchen. Bei einer Stornierung bekommt man das Geld zurück. Wer trotzdem fliegen will und den Flug umbucht, hat Anspruch auf einen späteren Flug - das kann aber dauern, bis der Streik vorbei ist.

Was ist, wenn sich mein Flug verspätet?

Bei Flügen über eine Strecke von bis zu 1500 Kilometern haben Fluggäste laut EU-Verordnung ab einer Wartezeit von zwei Stunden Anspruch auf Betreuungsleistungen. Dazu gehören Telefonate, Getränke, Mahlzeiten und gegebenenfalls eine Übernachtung im Hotel.

Welche Wartezeiten gelten bei Langstreckenflügen?

Bei Langstreckenflügen müssen Passagiere länger warten, bis ihnen die sogenannten Betreuungsleistungen zustehen: Auf einer Strecke von 1500 bis 3500 Kilometern gibt es Unterstützung nach drei Stunden, ab 3500 Kilometern Strecke nach vier Stunden.

Muss ich trotzdem pünktlich am Flughafen sein?

Ja, auch bei einer absehbaren Verspätung sollten Passagiere immer zur ursprünglichen Abflugszeit am Flughafen sein. Es besteht sonst die Gefahr, dass die Fluggesellschaft doch früher einen Ersatzflug anbieten kann - und der Reisende ihn dann verpasst.

Bekomme ich eine Entschädigung, wenn mein Flug wegen des Streiks ausfällt?

Nein, bei Streiks gibt es keine Entschädigung. Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung ab drei Stunden haben Passagiere zwar laut EU-Verordnung Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro - aber nur, wenn kein „außergewöhnlicher“ Umstand daran schuld ist. Die Fluggesellschaften werten Streiks aber wie miserables Wetter als außergewöhnlichen Umstand - und zahlen deshalb nichts.

Welche Regeln gelten bei Pauschalreisen?

„Reisende können bei einem Fluglotsenstreik keinen Schadenersatz für entgangene Urlaubsfreuden einklagen“, sagt der Hannoveraner Rechtsanwalt und Reisespezialist Paul Degott. Allerdings haben Urlauber Anspruch auf Rückzahlung des Reisepreises für nicht erbrachte Leistungen. Beginnt der Urlaub also wegen des Fluglotsenstreiks erst drei Tage später, muss der Veranstalter beispielsweise auch die Kosten für die entgangenen Hotelübernachtungen zurückerstatten.

Kann ich komplett von einer Pauschalreise zurücktreten?

Reisende können komplett von einem Pauschalurlaub zurücktreten, wenn der Abflug durch den Fluglotsenstreik erheblich verzögert wird: „Wenn der Wert der Reise um 30 bis 50 Prozent, also erheblich gemindert ist, können Reisende nach Vorankündigung von der Reise zurücktreten. Sie bekommen den Reisepreis komplett zurückbezahlt“, sagt Reiserechts-Experte Degott.

Was passiert, wenn ich Hotel und Mietwagen selbst gebucht habe?

Wer Hotel oder Mietwagen selbst gebucht hat und wegen des Fluglotsenstreiks zu spät in den Urlaub startet, bleibt auf den Kosten sitzen: Beim Hotel oder der Mietwagenfirma kann man keine Leistungsminderung wegen des verspäteten Fluges geltend machen.

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