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05.01.2012

15:32 Uhr

Gewerkschaften

Lufthansa darf keine Stewardessen leihen

Um Personalkosten zu senken würde die Lufthansa auf ihrer Berlin-Strecke ihre Fluggäste gerne von Leiharbeitern bedienen lassen. Doch die Gewerkschafter wollen dem Konzern einen Strich durch die Rechnung machen.

Eine Stewardess der Deutschen Lufthansa AG. dapd

Eine Stewardess der Deutschen Lufthansa AG.

FrankfurtDer Einsatz von Leiharbeitern an Bord von Lufthansa -Maschinen ist nach Ansicht der Gewerkschaften nicht rechtens. Ein von den Arbeitnehmervertretern in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten komme zu dem Schluss, dass die Lufthansa weder auf den Berlin-Strecken noch an anderen Standorten Zeitarbeiter als Kabinenbesatzung einsetzen dürfe, teilten Verdi und die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo am Donnerstag gemeinsam mit.

Begründet wird das mit einer alten Klausel: Die Lufthansa habe sich Mitte des vergangenen Jahrzehnts im Zuge eines Sparprogramms verpflichtet, auf neuen Strecken in Deutschland nur Stammpersonal einzusetzen. Die Klausel habe Tarifrang und sei noch gültig. Eine zweite Rechtsstudie zu dem Thema solle Ende des Monats folgen, hieß es.

Die Lufthansa sieht in dem neuen Zeitarbeits-Modell keinen Verstoß gegen Gesetze oder gegen geltende Tarifverträge, wie ein Konzernsprecher sagte. Mehr könne vorerst nicht gesagt werden, da das Gutachten noch nicht vorliege.

Der Streit entzündet sich an einem Sparvorhaben der Lufthansa. Etwa 200 Flugbegleiter, die ab Sommer an Bord der Maschinen von und nach Berlin Getränke und Snacks servieren, sollen nicht beim Konzern direkt, sondern bei einer internen Leiharbeits-Tochter angestellt werden. Mit dem Schritt sollen die Personalkosten gesenkt werden, da die Verträge der Stewards und Stewardessen nur zwei Jahre laufen. Danach steigt das Gehalt üblicherweise, worauf die neuen Kollegen keinen Anspruch haben.

Die Lufthansa erweitert ihr Streckennetz auf 38 Städte in Europa und im Nahen Osten - bislang waren es lediglich acht. Mit den neuen Verbindungen will die Lufthansa ein größeres Stück vom Flugverkehr nach Berlin abhaben. Der neue Mega-Airport Berlin-Brandenburg, der im Juni den Betrieb aufnimmt, bietet dazu die Chance.

Von

rtr

Kommentare (5)

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Schluckauf

05.01.2012, 16:05 Uhr

Die Geizhälse sollten lieber Arbeitsplätze schaffen, statt Leihsklaven im Sinne einer "Hire & Fire Politik" einzusetzen. Braucht ansonsten niemanden mehr zu wundern, dass wir angeblich die höchsten Beschäftigungszahlen seit über 10 Jahren haben. Ist doch alles manipuliertert und schön gerechnet. Allmälich kommen einem treuen CDU-Anhänger schon linke Gedanken....

Nirgendwer.

05.01.2012, 18:50 Uhr

Da offenbart die Lufthansa also ohne den Funken eines Schamgefühls, dass es Leiharbeit zur Reduzierung von Personalkosten einsetzen will, anstatt, wie mit den entsprechenden Gesetzen intendiert, nur Personalbedarfsspitzen auszugleichen. Dies ist definitiv ein Missbrauch der Gesetzgebung. M. E. gehört die Lufthansa ob dieser Absicht auf die Anklagebank (was aber leider sinnlos wäre, da "unsere" Richter nicht mehr in der Lage sind, Gesetze in den intendierten Sinnen zu interpretieren). Wenn es um Dauerarbeitsverhältnisse geht, müssen die Mitarbeiter bei der Lufthansa angestellt werden.

Es wird höchste Zeit, dass dem Missbrauch der Leiharbeit (wie hier durch die Lufthansa) endlich ein Riegel von Gesetzesseite vorgeschoben wird.

Das_Legat

06.01.2012, 01:25 Uhr

Wer Wind säht, wir Sturm ernten. Der strafbare Versuch eines der letzten Traditionsunternehmen im DAX 30, seine Angestellten mit dem intensivsten Kundenkontakt durch vermeintlich billigere Leiharbeitnehmer zu erstzen kann nur scheitern. Die Verantwortlichen im Management, die dem Ansehen, dem Ruf und der Seriosität der Lufthansa durch solche Wild-West-Methoden schweren Schaden zugefügt haben und immer noch zufügen, sollten schnellstens das Weite suchen. Auch durch solche "moves" und "Cases" kann man einen Weltkonzern ins Absits stellen. Und wenn dann die Umsätze erst wegbrechen, dann heißt es wieder - oh Wunder - weitersparen. Bitte Aufwachen, schlechte Handlung unterlassen und sich der gesellschaftpolitischen Verantwortung bzw. der Fürsorgepflicht eines seriösen Arbeitgebers stellen, danke!

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