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10.06.2014

09:11 Uhr

Gewinn auf Kosten der Kunden

Wie US-Airlines die Gebührenschraube drehen

VonAxel Postinett

Vor einem halben Jahr fusionierten American Airlines und US Airways. Seitdem ist das Flugangebot noch einmal gesunken. Preise und Gebühren dagegen explodieren. Ein Gesetz könnte den Auswüchsen einen Riegel vorschieben.

Boeing der American Airlines im Anflug: Manche US-Fluggesellschaften verlangen sechs Dollar für einen Film im Bordkino. Imago

Boeing der American Airlines im Anflug: Manche US-Fluggesellschaften verlangen sechs Dollar für einen Film im Bordkino.

San FranciscoFür die Analysten der Deutschen Bank ist die Sache klar: Sie empfehlen in einer aktuellen Studie fast jede Aktie der großen Luftfahrt-Gesellschaften in den USA zum Kauf. Darunter auch American Airlines. Der neue Gigant der Lüfte führt die Kaufliste sogar an. Und das, obwohl die Aktie dieses Jahr bereits um mehr als 50 Prozent gestiegen ist. Die Kunden fluchen über steigende Preise und dass sie für jede Kleinigkeit zusätzlich zahlen sollen, die Wall Street jubelt. Jetzt will das Verkehrsministerium dem Abzocken über den Wolken Einhalt gebieten.

Früher eine Ansammlung von Pleitekandidaten, heute Gewinnmaschinen: Der neue Optimismus in Luftfahrtaktien beruht auf zwei Faktoren. Zum einen ist ein spürbarer Wandel in der Strategie sichtbar. Bis vor wenigen Jahren wurde mit Dumpingpreisen und immer mehr Flugangeboten um Kunden und Marktanteile gebuhlt. Die ruinösen Preiskämpfe zwangen praktisch jede Airline irgendwann einmal unter den Gläubigerschutz des US-Konkursrechts. Heute herrscht eine überraschende gemeinsame Zurückhaltung. Die Angebote werden ausgedünnt, Flüge gestrichen, was branchenweit zu bis auf den letzten Mittelplatz gefüllten Maschinen und steigenden Ticketpreisen führt.

Roter Teppich für alle – Ungewöhnliche Zusatzservices

Last-Minute-Upgrade

Bei Delta in den USA verkaufen die Flugbegleiter an Bord mithilfe ihrer Tablet-Computer Upgrades für die letzten freien First-Class-Sitze, in der Regel für weniger Geld als bei einer frühzeitigen Buchung.

Koffer nach Hause

Für 30 Dollar liefern American Airlines und US Airways innerhalb von vier Stunden nach der Landung in den USA den Koffer ins Hotel oder nach Hause, damit sich die Kundschaft das Warten am Band sparen kann.

Genuss am Himmel

Bei Langstreckenflügen aus Paris bietet Air France neben dem kostenlosen Standardessen fünf weitere Menüs der traditionellen französischen Küche, von Bio bis zur 28 Euro teuren, viergängigen „Sélection“ des Gourmettempels „Maison Lenotre“ aus Paris. Kurzentschlossene Genießer können über den -À-la-Carte-Service von Austrian Airlines noch eine Stunde vor Abflug beim Wiener Edelcaterer Do & Co für 15 Euros Tapas, Salate und natürlich Wiener Schnitzel mit Vor- und Nachspeise ordern.

Kindermenü für einen Penny

Bestellen Eltern beim britischen Ferienflieger Jet2.com eine Mahlzeit (ab umgerechnet 9,50 Euro), bekommen ihre Kinder das Menü für einen Penny. Damit die Eltern nicht vergessen zu bestellen, erinnert sie die Linie rechtzeitig vor dem Abflug mit einer Mail, wie lang der Flug ist.

Bequemer zum Flieger

Zum „Roter Teppich“ genannten Paket des malaysischen Billigfliegers Air Asia gehört für umgerechnet 25 Euro freies WLAN am Flughafen, eine schnellere Pass- und Sicherheitskontrolle und das Versprechen, dass der Koffer bei Ankunft zuerst auf das Gepäckband rollt.

Extra-Flatrate

Für eine Pauschale von 199 Dollar können die Kunden bei Delta drei Monate lang auf jedem Flug innerhalb der Vereinigten Staaten ohne Zusatzgebühr einen Koffer aufgeben und zusätzlich als Erste ins Flugzeug einsteigen. Darüber hinaus bekommen sie außerdem Sitze mit mehr Platz und zusätzliche Meilen im Bonusprogramm.

Serviceclub

250 Euro verlangt der spanische Billigflieger Vueling für zehn Lounge-Besuche, schnellere Sicherheitskontrollen und das Recht, als Erster einzusteigen. Beim ungarischen Ultra-Geizflieger Wizzair bekommen Mitglieder des Discount Clubs für knapp 30 Euro Jahresgebühr immer mindestens zehn Euro Rabatt auf alle Tickets außer den allerbilligsten.

Laden an Bord

In ihren Airbus A380-Superjumbos bietet Korean Air statt der bei anderen üblichen Bar einen Duty-free-Laden mit 64 Artikeln. In den Regalen gehalten werden die zollfreien Waren von kleinen Magneten – damit die teuren Parfüms und Cremes bei Turbulenzen nicht herumfliegen.

Kaufhaus im Vordersitz

Über sein Bordunterhaltungssystem verkauft der US-Billigflieger Virgin America ein Schlafset mit Kissen und Decke für neun Dollar sowie Schmerz- und Schlaftabletten für vier Dollar. Die Rechnung begleichen die Passagiere am Ende des Fluges am Bildschirm per Kreditkarte.

Nie mehr Kofferverlust

Die australische Qantas verkauft für umgerechnet 40 Euro einen Gepäckanhänger, der dank RFID-Technik immer zeigt, wo der Koffer gerade ist. Ein ähnliches System erprobt auch British Airways.

Quelle: Wirtschaftswoche, Rüdiger Kiani-Kreß

Daneben ist auf amerikanischen Inlandsflügen der Ticketpreis nur noch Nebensache. Kassiert wird für alles: Vom Gepäck über die Wolldecke im chronisch unterkühlten Flieger bis zum Essen oder dem kleinsten Snack. Manche Airlines verlangen im Bordkino sechs Dollar für einen Film. Wer nicht im Voraus seinen Sitzplatz gebührenpflichtig bucht, landet automatisch auf den Mittelsitzen, selbst wenn der Flieger halb leer ist. Ohne bevorzugtes Boarding gegen Entgelt steigt man als letzter in den Flieger.

Besonders lukrativ sind Umbuchungsgebühren. Da ist man schnell einhundert Dollar und mehr pro Flug los. Anstatt besondere Dienstleistungen anzubieten hat die Branche einfach Selbstverständlichkeiten kostenpflichtig gemacht. Ein Prinzip, das sich ausgezeichnet bewährt hat.

Alleine die Gepäckgebühren und Gebühren für Umbuchungen spülten 2013 nach Erhebungen des Transportation Bureau zusammen 6,16 Milliarden Dollar in die Kassen der Airlines. Da lässt sich leicht erahnen, woher die gesammelten 12,7 Milliarden Dollar Jahresgewinn der Branche laut US-Verkehrsministerium gekommen sind. American Airlines, noch ohne US-Airways, erzielte in 2013 nur noch 76 Prozent der Umsätze von 25,7 Milliarden Dollar mit Tickets.

Die American Airlines Group (AA), geformt aus den beiden Riesen American Airlines und US Airways gegen den Widerstand zahlreicher Verbraucherschützer, ist das Paradebeispiel für den neuen Aufschwung. Nach der Eliminierung eines weiteren Konkurrenten durch die Fusion stehen den Kunden immer weniger Auswahlmöglichkeiten bei Flügen in die großen Metropolen zur Verfügung. Oder wie UBS-Analyst Darryl Genovesi es ausdrückt: American Airlines biete „die besten Aussichten für Gewinnwachstum aller Gesellschaften die wir beobachten.“

Kommentare (3)

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10.06.2014, 09:47 Uhr

Wer die Langstrecke in die USA fliegt hat das alles schon erlebt. Die Gepäckfächer sind dermassen überfüllt, dass man als "ordentlicher europäischer Tourist" der sein Gepäck anständig aufgibt (allerdings kostenlos da ja von DE aus gebucht) sich nur noch wundert. Es kommt fast alles an Bord, obwohl beim Check-In Gestelle stehen um die richtigen Abmessungen einzuhalten. Ich darf keine Wasserflaschen mitnehmen, aber wenn ich sehe was an Gepäck an Bord kommt, sehe ich auch langsam keinen Sinn mehr an diesen Sicherheitsvorschriften.
Bezüglich der Kosten wird schon fast alles offengelegt.

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10.06.2014, 11:13 Uhr

Welch ein schwachsinniger Artikel ! Wenn Passagiere für diese Zusatzleistungen zahlen, ist das doch deren Sache. Ich würde auch gerne für bestimmet Tageszeiten Fast-Lane buchen oder ein vernünftiges Essen an Bord bekommen. Warum soll man nicht Internet oder einen bequemeren Sitz reservieren können. Holzklasse für alle ist Unfug.

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10.06.2014, 11:18 Uhr

Und die Moral von der Geschichte:

1. Geiz ist Geil ist kein deutsches Phänomen
2. Überangebot macht die Preise kaputt.
3. Auch die USA überlässt die Marktbereinigung nicht komplett dem Markt.
4. Die spinnen die Amis

Fast jahrzehnte lang haben sich die USA an Flugpreise gewöhnt die in keinster Weise die Kosten decken konnten. Die Marktbereinigung hat nun zu einer Marktkonzentration und Monpolen geführt, die nun wieder die Behörden auf den Plan rufen. Da wäre ein vorheriges Eingreifen nach europ. Vorbild mit moderaten Subventionen der Staatsairlines einfacher gewesen. Aber auch die sind heute gänzlich privat und stark konzentriert. Letztlich fleigen auch Flugzeuge mit Erdöl und sollem sicheres High-Tech sein. Das wird nie ein billiges Vergnügen für Alle sein. Auch bei uns ist die Frage wann die Billigflüge (und deren Airlines) sterben oder Ihre Preise angleichen. Urlaubsreisen mit dem Flugzeug werden in Zukunft sicher teurer werden. Und Voraussagen der Fluggastzahlen sind deshalb mit Vorsicht zu geniessen

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