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22.09.2014

10:32 Uhr

Gewinn massiv überschätzt

Tesco gibt „ernsten“ Fehler zu – Aktie stürzt ab

Tesco sorgt regelmäßig für schlechte Nachrichten. Die britische Supermarktkette leidet unter der Konkurrenz von Aldi und Lidl. Doch was das Unternehmen jetzt veröffentlichte, schockierte selbst die leidgeprüften Anleger.

Schild an einer Tesco-Filiale in London: Das Unternehmen verliert das Vertrauen der Anleger. Reuters

Schild an einer Tesco-Filiale in London: Das Unternehmen verliert das Vertrauen der Anleger.

London, DüsseldorfAls Händler sollte man das Rechnen eigentlich beherrschen. Doch die britische Supermarktkette Tesco hat hier offenbar noch Nachholbedarf. Man habe einen „ernsten“ Fehler in der Prognose für den Halbjahresgewinn entdeckt, teilte das Unternehmen am Montag mit. Der Gewinn sei um 250 Millionen Pfund (317 Millionen Euro) „überschätzt“ worden. Ursprünglich hatte Tesco einen operativen Gewinn von 1,1 Milliarde Pfund gemeldet.

Der neue Chef des Unternehmens, David Lewis, bemühte sich, zu retten, was zu retten ist. Die Buchprüfer seien aufgefordert worden, dem Problem auf den Grund zu gehen, erklärte Lewis. Sobald die Ergebnisse der Untersuchung vorlägen, werde er „scharfe Maßnahmen“ ergreifen. Er erwarte, dass Tesco „auf integre und transparente Weise funktioniert“. Aufgefallen sei der Fehler bei den Vorbereitungen der Bilanz, deren Veröffentlichung für den 1. Oktober geplant war. Diese werde nun auf den 23. Oktober verschoben.

Die Aktionäre reagierten schockiert: Am Montagmorgen stürzte die Aktie an der Londoner Börse um zehn Prozent auf 210 Pence ab. Damit fiel sie auf den tiefsten Stand seit 2003. Seit Jahren gibt der Kurs nach, allein in den vergangenen zwölf Monaten um rund 40 Prozent.

Tesco ist die größte britische Handelskette und die drittgrößte weltweit nach Walmart aus den USA und Carrefour aus Frankreich. Doch der Einzelhändler steckt in einer tiefen Krise. Auf dem Heimatmarkt macht ihr die Billigkonkurrenz der Discounter Aldi und Lidl zu schaffen. Anfang Juni hatte Tesco für die ersten drei Monate des Jahres die schlechtesten Quartalszahlen seit vier Jahrzehnten veröffentlicht.

Vorstandschef Philip Clarke musste im Juli wegen enttäuschender Zahlen zurücktreten. Clarke hatte mehr als eine Milliarde Pfund investiert, um die Läden auf Vordermann zu bringen. Unter anderem sollten Kinderspielplätze und Zumba-Tanzkurse die Kunden zurück zu Tesco locken. Nun soll sein Nachfolger David Lewis, der seit dem 1. September im Amt ist, den Schaden begrenzen. Lewis kam von Unilever und gilt als Spezialist für Restrukturierungen.

Die größten Discounter der Welt 2014

Nummer eins

Aldi ist die Nummer eins im Ranking von Planet Retail (Juni 2014) im weltweiten Discounter-Markt. 2013 machte das deutsche Unternehmen einen Brutto-Außenumsatz von 61,1 Milliarden Euro.

Nummer zwei

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter den zweiten Platz. 2013 betrug der Brutto-Außenumsatz der Supermarktkette 59 Milliarden Euro.

Nummer drei

Mit großem Abstand folgt der drittgrößter Discounter der Welt: Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2013 14,2 Milliarden Euro Umsatz.

Nummer vier

Erst an vierter Stelle ist ein nicht-deutsches Unternehmen zu finden. Die US-Kette Dollar General verkaufte 2013 Waren im Wert von 13,9 Milliarden Euro.

Nummer fünf

Auf dem fünften Platz findet sich wieder ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2013 betrug der Umsatz des Discounters laut Ranking von Planet Retail 12,1 Milliarden Euro.

Nummer sechs

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2013 11,4 Milliarden Euro um.

Nummer sieben

Auch der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2013 setzte die Kette 8,3 Milliarden Euro um. Zum Vergleich: Aldi erwirtschaftete im gleichen Zeitraum mehr als den siebenfachen Betrag.

Nummer acht

Auf einen ähnlichen Umsatz wie Biedronka kam 2013 der US-Discounter Family Dollar. Die Kette verkaufte Waren im Wert von 8,2 Milliarden Dollar und belegt damit weltweit den achten Platz unter den größten Discountern.

Nummer neun

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2013 setzte das Unternehmen 6,8 Milliarden Euro um.

Nummer zehn

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2013 6,2 Milliarden Euro.

Die Vermutung liegt nahe, dass „Rechenfehler“ in der Bilanz nicht zufällig passiert ist - bei der Prüfung der Bilanz soll auch die Rechtsanwaltskanzlei Freshfields mitarbeiten. „Die Verantwortlichen bei Tesco standen offensichtlich unter hohem Druck, bessere Ergebnisse zu präsentieren“, sagte Bryan Roberts, Analyst bei Kantar Retail. „Das ist eine ziemliche Katastrophe. Einige hochrangige Leute werden dafür gehen müssen.“

Manche Analysten können der Angelegenheit dennoch etwas Positives abgewinnen. Die Mitteilung mache deutlich, dass das neue Management mit den Aufräumarbeiten begonnen habe, erklärte Ewen Cameron Watt, Chefstratege bei Blackrock Investment Institute.

„Es war abzusehen, dass es einige Leichen im Keller gibt“, sagte auch Bruno Monteyne, Analyst bei Sanford C. Bernstein und früherer Manager bei Tesco. „Man muss David Lewis zugute halten, dass er die Dinge angeht. Aber an den Aufsichtsrat und Phil Clarke muss man einige ernste Fragen stellen.“

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