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29.02.2012

19:41 Uhr

Gewinnerwartung

Hochtief setzt auf die Energiewende

Der Essener Baukonzern hat das Jahr 2011 mit einem Verlust von 160 Millionen Euro abgeschlossen. Im kommenden Geschäftsjahr sollen Stromleitungen und Windparks das Konzernergebnis wieder ins Plus heben.

Im Jahr 2012 will Hochtief wieder Gewinn schreiben. dpa

Im Jahr 2012 will Hochtief wieder Gewinn schreiben.

EssenDie Energiewende soll dem Baukonzern Hochtief bei der Rückkehr in die Gewinnzone helfen. Nach hohen Verlusten im vergangenen Jahr setzt Konzernchef Frank Stieler nun auf Planung und Bau von Windparks und neuen Stromleitungen, die in der Bundesrepublik benötigt werden, um aus der Atomkraft auszusteigen. Im vergangenen Jahr hatten hohe Abschreibungen bei der australischen Tochter Leighton und lukrative Abfindungspakete für ausscheidende Vorstände den Essener Konzern in die Verlustzone gedrückt. Das sind auch keine guten Nachrichten für den spanischen Mehrheitseigner ACS : Erstmals seit mindesten fünf Jahren erhalten die Hochtief-Aktionäre keine Dividende. 

Hochtief-Chef Frank Stieler sieht den Konzern beim Ausbau der Energie- und Verkehrsinfrastruktur in den Startlöchern: „So wollen wir in den kommenden fünf Jahren bei der Leistung im Energiesektor um 40 Prozent und im Bereich der Verkehrsinfrastruktur um 30 Prozent wachsen“, versprach er am Mittwoch in Düsseldorf. Stieler hatte jüngst ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Finanzinvestor Ventizz aus der Taufe gehoben, das Windparks in der Nordsee realisieren soll. Stieler will auch vom dringend benötigten Bau neuer Stromleitungen profitieren, mit denen der auf hoher See gewonnene Strom auch zu den Verbrauchern in Süddeutschland geleitet werden soll - er hat dazu ein Bündnis mit der auf den Leitungsbau spezialisierten ACS-Tochter Cobra geschmiedet. Hochtief verfolge zudem Pläne, auch in den US-Markt für regenerative Energien einzusteigen. 

Das Jahr 2011 schloss Hochtief mit einem Verlust vor Steuern (Ebt) von 127 Millionen Euro ab - nach einem Gewinn von 756,6 Millionen Euro im Jahr 2010. Unter dem Strich stand ein Minus von 160,3 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analsten hatten mit einem Verlust vor Steuern von 132 Millionen Euro gerechnet. 2011 hatte Stieler einen weiteren Rückschlag verkraften müssen. Der Verkauf der Hochtief-Flughäfen gelang nicht, das Projekt liegt auf Eis. Eine Veräußerung sei aber weiter das Ziel, hieß es im Geschäftsbericht. 

Hochtief geht 2012 nun mit gut gefüllten Orderbüchern an: Der Auftragseingang lag Ende 2011 bei 25,37 Milliarden Euro, der Auftragsbestand bei 48,67 (Vorjahr: 47,49) Milliarden Euro. Hochtief ist damit rein rechnerisch für mehr als 22 Monate ausgelastet. Für 2012 erwarte Hochtief weiter ein Ergebnis vor Steuern und einen Konzerngewinn leicht unterhalb des Rekordjahres 2010, bekräftigte Stieler. Für das kommende Jahr schränkte der Konzern seine Gewinnprognosen aber ein: Hochtief rechne mit einer „Verbesserung des Ergebnisniveaus“. Bislang hatte Konzernchef Stieler mehr als eine Milliarde Euro beim Ergebnis vor Steuern und einen Konzerngewinn von rund 450 Millionen Euro rein aus dem operativen Geschäft in Aussicht gestellt. 

Nach der Vorlage der Geschäftszahlen reagierten die Anleger verschnupft. Die Aktien des Baukonzerns verloren im frühen Geschäft von Lang & Schwarz 3,1 Prozent und waren der mit Abstand schwächste Wert im MDax. Enttäuschend sei vor allem der Ausblick, sagte ein Händler. Zudem dürfte es die Anleger verstimmen, dass sie für 2011 keine Dividende erhalten.

In der Branche herrscht für 2012 angesichts der unsicheren konjunkturellen Entwicklung und der Schuldenkrise in einigen Euro-Ländern nicht nur Optimismus. Der österreichische Konkurrent Strabag hatte sich für 2012 betont vorsichtig gegeben - er schließt angesichts konjunktureller Unsicherheiten ein Betriebsergebnis unter dem des Vorjahres nicht aus. Grund für die mageren Aussichten ist unter anderem das Auslaufen von staatlichen Bauförderungen - etwa in Polen. Die stärker auf das Dienstleistungsgeschäft fokussierte Bilfinger Berger erwartet hingegen weitere Zuwächse im laufenden Jahr.

Hochtief streicht Dividende: Aktie knickt ein

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Der spanische Mehrheitseigentümer ACS erzielte 2011 dagegen einen Nettogewinn von 962 Millionen Euro, allerdings 26,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Dies geht aus der in Madrid vorgelegten Jahresbilanz hervor. Der Umsatz verdoppelte sich auf 28,5 Milliarden Euro, vor allem dank der Eingliederung von Hochtief im Juni 2011 in die ACS-Gruppe.

Von

rtr

Kommentare (4)

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sgk_10

29.02.2012, 09:29 Uhr

Man wartet auf den von EON und RWE bezahlten Kommentar von "Vandale".

zarakthuul

29.02.2012, 10:44 Uhr

Die Planung von Infrastrukturprojekten ist ein Minenfeld. Dort hohe Erträge zu erwarten ist mutig. Gerade bei neuen Stromtrassen sind die Frosch- und Vogelschützer sehr allergisch. Selbst wenn die Trassen "Öko"-Strom transportieren sollen.

SteuerKlasseEins

08.03.2012, 20:34 Uhr

Sämtliche Profite die mit der Energiewende und Erneuerbaren Energien gemacht werden beruhen auf dem Einspeise-Zwang und EEG-Subventionen. Sie sind keine Gewinne die aus freiwilligen Geschäften freier Marktteilnehmer stammen. Damit sind sie von vornherein suspekt und mit sehr sehr grosser Wahrscheinlichkeit Wohlstand-vernichtend!!
Jeder der vom EEG oder den Erneuerbaren profitiert sollte entweder die Subventionen ablehnen (z.B. jemand der eine Solaranlage auf dem Dach hat sollte auf puren Eigenverbrauch umsteigen ohne Einspeise-Vergütung), oder er sollte sich was schämen daß er auf dem Rücken der Bevölkerung abkassiert.

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