Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2005

09:40 Uhr

Gießen und Marburg locken Investoren

Hessen will sich von Uni-Kliniken trennen

VonAnna Trömel (Handelsblatt)

Erstmals soll in Deutschland ein Universitätsklinikum an einen privaten Investor verkauft werden. Das CDU-regierte Hessen will die beiden Universitätskliniken Gießen und Marburg in diesem Jahr zu einer Anstalt Öffentlichen Rechts fusionieren. 2006 soll die Einrichtung dann an einen privaten Träger verkauft werden.

FRANKFURT/M. Derzeit gehören die Kliniken der medizinischen Hochschulen den Bundesländern. Obwohl die großen Klinik-Ketten wie Helios, Asklepios und Rhön-Klinikum sich nur zu gerne einen dieser so genannten Maximalversorger einverleiben würden, galten diese bislang als unverkäuflich. Zum einen schmückt sich jeder Wissenschaftsminister gerne mit den Forschungserfolgen der Spitzenmediziner. Zum anderen sind Uni-Kliniken große Arbeitgeber: In Marburg und Gießen etwa arbeiten fast 10 500 Mitarbeiter.

Wegen der geplanten Einführung einer bundesweit einheitlichen Vergütung von Krankenhausleistungen geraden die Kliniken der Hochschulen nun aber wirtschaftlich unter Druck. „Uni-Kliniken haben oft höhere Kosten, weil sie gerade in der teuren Intensivmedizin höhere Kapazitäten vorhalten müssen als andere Häuser“, sagt Hans Brockard, Verwaltungsdirektor der Uni-Klinik Regensburg.

Hinzu kommt vielerorts noch, dass notwendige Investitionen wegen leerer Landeskassen seit Jahren zurückgestellt wurden. Allein am Standort Gießen rechnen Experten mit einem Investitionsbedarf von etwa 200 Mill. Euro. Die Uni-Klinik Marburg gilt als besser ausgestattet.

Wenn in den kommenden Monaten die vom hessischen Wissenschaftsministerium einberufene Arbeitsgruppe über die Details der Privatisierung tagt, wird es daher außer um Jobgarantien sicher auch um Investitionszusagen der potenziellen Käufer gehen. Das Ministerium hatte bereits im November von den Interessenten schriftliche Stellungnahmen über ihre Pläne eingeholt.

Die privaten Träger scheinen weder die hohen Kosten noch der Investitionsbedarf der Uni-Kliniken zu schrecken. Sie halten schon seit Jahren nach Kaufgelegenheit Ausschau, die es ihnen ermöglichen würde, den Namen ihres Unternehmens mit der an den Hochschulen betriebenen Spitzenmedizin in Verbindung zu bringen. „Die Forschungsergebnisse würden auch den anderen Häusern der Kette zu Gute kommen und einen Qualitätsschub auslösen“, sagt Asklepios- Chef Elmar Willebrand.

Bislang gelang es den privaten Trägern lediglich, Kooperationen mit Uni-Kliniken einzugehen oder bestenfalls einzelne Kliniken zu übernehmen. So übernahm Asklepios im vergangenen Herbst etwa das zur Uni-Klinik Regensburg zählende Rheuma- und Orthopädiezentrum Bad Abbach – allerdings nicht vom Land, sondern vom Roten Kreuz Bayern. Die Klinik-Kette Helios versuchte es anders herum und machte das konzerneigene Klinikum Wuppertal nachträglich zur Uni-Klinik – Kooperationspartner ist die ebenfalls private Hochschule Witten-Herdecke.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×