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31.01.2005

08:49 Uhr

Gillette-Kauf verändert Konsumgüter-, Handels- und Werbebranche

Traumgeschäft für Warren Buffett

VonTorsten Riecke

Die Übernahme des US-Konsumgüterherstellers Gillette durch den Konkurrenten Procter & Gamble (P&G) ist von Investoren und Analysten nahezu euphorisch aufgenommen worden. „Das ist ein Traum-Geschäft“, kommentierte Investor Warren Buffett. Das ist es vor allem für Buffett selbst: 1989 hatte er für zehn Prozent an Gillette 600 Mill. Dollar bezahlt – heute ist das Paket mehr als fünf Mrd. Dollar wert. P&G zahlt für Gillette 54 Mrd. Dollar.

US-Investor Warren Buffet. Foto: dpa

US-Investor Warren Buffet. Foto: dpa

NEW YORK. Ob Buffetts Aussage auch für P&G zutrifft, wird sich allerdings erst nach der Integration der Konzerne zeigen. Sicher ist aber nach Meinung von Analysten, dass die Übernahme die Konsumgüterbranche in Bewegung bringen wird. Mit einem Umsatz von zusammen mehr als 60 Mrd. Dollar und 21 Marken, von denen es jede auf einen Jahreserlös von mehr als eine Mrd. Dollar bringt, setzt P&G/Gillette Konkurrenten wie Unilever, Kimberly-Clark und Colgate unter Handlungsdruck. Geringe Wachstumsraten, steigende Rohstoffkosten und ein beinharter Wettbewerb um Preise und Platz in den Regalen der Supermärkte sind die treibenden Kräfte für eine Neuordnung der Branche.

Der neue Konsumgüterriese verändert vor allem das Kräfteverhältnis zu Handelskonzernen wie Wal-Mart und Aldi, die mit ihrer Einkaufsmacht seit Jahren immer mehr Zugeständnisse von den klassischen Markenartiklern einfordern. P&G erwirtschaftete 2004 etwa 17 Prozent seiner Erlöse mit Wal-Mart, bei Gillette waren es 13 Prozent. Warm anziehen müssen sich aber auch Werbeagenturen: Mit einem globalen Marketingetat von rund vier Mrd. Dollar wird P&G zu einer dominierenden Macht in der Branche.

Die Übernahme von Gillette könnte auch zum Vorbild für andere, an einer Wachstumsschwäche leidende Markenartikler wie Coca-Cola werden. „Die Transaktion von P&G und Gillette gibt Coke-Chef Neville Isdell Argumente, im Verwaltungsrat für Übernahmen oder Fusionen zu werben“, sagt Carlos Laboy, Analyst bei der Investmentbank Bear Stearns.

Zunächst jedoch wird die 54 Mrd. Dollar teure Fusion von P&G und Gillette die beiden Unternehmen verändern. P&G erhofft sich nach drei Jahren Einsparungen von bis zu 16 Mrd. Dollar jährlich. Der Konzern kündigte den Abbau von 6 000 Arbeitsplätzen an. Das entspricht vier Prozent der Belegschaft. Bis zu fünf Mrd. Dollar soll zusätzliches Umsatzwachstum bringen.

Die größten Synergien könnten sich auf den Wachstumsmärkten im Ausland ergeben. „Gillette wird von P&Gs starker Position in Japan, China und Mexiko profitieren, während P&G seine Präsenz in Brasilien und Indien verbessert“, sagt Constance Maneaty, Analystin der Investmentgesellschaft Prudential.

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