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26.02.2017

13:21 Uhr

Gipfel der Textilbranche Bangladesch

Das Dilemma der Näherinnen von Dhaka

VonFrederic Spohr

Kurz vor einem Branchen-Gipfel hat Bangladesch zahlreiche Aktivisten freigelassen und damit einen Besuchsboykott westlicher Marken abgewendet. Doch schon bald dürften neue Konflikte aufkommen, befürchten Beobachter.

Überlebende der zusammengebrochenen Rana-Plaza-Kleidungsfabriken arbeiten in einer Fabrik namens Oporajeo (Die Unbesiegten), einer Initiative zur Rehabilitation der Rana-Plaza-Überlebenden. dpa

Näherinnen in Bangladesch

Überlebende der zusammengebrochenen Rana-Plaza-Kleidungsfabriken arbeiten in einer Fabrik namens Oporajeo (Die Unbesiegten), einer Initiative zur Rehabilitation der Rana-Plaza-Überlebenden.

BangkokEs waren schöne Versprechungen, die sich Bangladeschs Textilindustrie für ihren Branchen-Gipfel einfallen ließ. „Zusammen für ein besseres Morgen” stand in großen Buchstaben an der Wand des Tagungsortes in Dhaka am Samstag. Die Podiumsdiskussionen trugen Titel wie „Auf zu einem ein besseren Bangladesch”.

Doch die wolkigen Worte konnten kaum darüber hinwegtäuschen, dass in Bangladeschs Textilbranche derzeit nur wenig zusammengearbeitet wird. Noch kurz vor dem Gipfel hatte es zwischen den Interessengruppen laut geknallt: Aktivisten und westliche Unternehmen, darunter auch H&M, Zara-Eigentümer Inditex und Tchibo, warfen Regierung und Fabriken die Entrechtung der Näherinnen vor. Sie planten gar einen Boykott des Gipfels. Der Kongress drohte für Bangladesch zur PR-Katastrophe zu werden.

Der Konflikt hatte sich in den Wochen zuvor immer weiter verschärft: Nach Massenstreiks im Dezember in der Nähe der Hauptstadt Dhaka hatten Behörden 34 mutmaßliche Anführer des Streiks festgenommen. Fabrikbesitzer entließen außerdem mehr als tausend Näherinnen und verklagten sie. Trotz Protesten der Marken und Organisationen blieben sowohl die Fabrikbesitzer als auch die Behörden in Bangladesch stur - die mutmaßlichen Aufwiegler blieben eingesperrt.

Erst am Freitag wurden die festgenommenen Aktivisten freigelassen – woraufhin die Marken und Gesellschaften ihren Boykott wieder absagten. Die Nichtregierungsorganisation Clean Clothes Campaign begrüßte die Freilassung der Aktivisten als einen „ersten positiven Schritt”. Dennoch sieht sie zahlreiche offene Fragen und warnt: „Die Krise in Bangladesch ist noch nicht gelöst.”

Bei den Streiks forderten die Arbeiter eine deutliche Erhöhung des Mindestlohns auf umgerechnet etwas mehr als 180 Dollar. Derzeit liegt er gerade einmal bei 67 US-Dollar im Monat, was etwa 32 Dollar-Cent pro Stunde entspricht. Während die Lebenshaltungskosten ständig stiegen, wurde der Mindestlohn in Bangladesch zuletzt vor rund drei Jahren angehoben. Die Nichtregierungsorganisation Fair Labor Association beklagt, dass der durchschnittlichen Lohn unter der Armutsgrenze der Weltbank liegt.

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Große internationale Aufmerksamkeit bekam die Textilindustrie des Landes, nachdem 2013 das mehrstöckige Fabrikgebäude Rana Plaza einstürzte. Bei dem Unglück starben mehr als 1.100 Menschen. Seitdem engagiert sich die Industrie in einer Reihe von Initiativen, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern.

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