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19.07.2012

16:40 Uhr

Gläubigerforderungen

Schlecker wird zum Milliarden-Grab

Die schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden: Die Forderungen der Gläubiger an das Pleiteimperium von Anton Schlecker sind am äußersten Rand dessen, was man befürchtet hatte. Fast 23.000 Gläubiger warten auf Geld.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet. dpa

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat ein Ermittlungsverfahren gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte eingeleitet.

EhingenDie Forderungen der Gläubiger gegen die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker sind deutlich höher als zunächst gedacht. Die Summe beläuft sich auf über 1,07 Milliarden Euro, wie Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Donnerstag nach einem Prüftermin durch das Amtsgericht Ulm mitteilte. Insgesamt hätten 22.738 Gläubiger ihre Ansprüche geltend gemacht. Als größte Posten seien Verbindlichkeiten aus Warenlieferungen und dem Personalbereich aufgeführt.

Geiwitz ging bislang von Forderungen zwischen 500 Millionen Euro und einer Milliarde aus. Zuletzt kursierte die Zahl von 750 Millionen Euro. Gänzlich unklar ist allerdings noch, wie viel Insolvenzmasse zur Verfügung steht, aus der die Forderungen dann bedient werden können. Derzeit prüft Geiwitz beispielsweise, ob es innerhalb der Familie Schlecker zu Vermögensübertragungen kam, die rückgängig gemacht werden können. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Stuttgart gerade, ob es im Zuge der Insolvenz zu strafrechtlich relevanten Taten kam.

Die Vorwürfe gegen Schlecker

Die Tatbestände im Schlecker-Ermittlungsverfahren

Anton Schlecker führte sein Drogerie-Imperium als eingetragener Kaufmann (e.K.). Mit dieser Rechtsform gibt es keine Handhabe gegen ihn wegen möglicher Insolvenzverschleppung. Das heißt aber nicht, dass er ungeschoren davonkommt, falls er sich etwas zuschulden kommen ließ. Die Vorwürfe im Ermittlungsverfahren.

Untreue

Untreue kann laut Paragraf 266 im Strafgesetzbuch vorliegen, wenn jemand die ihm anvertraute Macht missbraucht und die Pflicht zur Betreuung eines Vermögens verletzt. Bei dem Geschäftsführer einer Firma kann das zum Beispiel der Fall sein, wenn er Firmenvermögen unter Wert verkauft und so nicht den Gegenwert erzielt, wie es seine Pflicht gewesen wäre. Es drohen fünf Jahre Haft oder Geldstrafen.

Bankrott

Dieser Straftatbestand (Paragraf 283 Strafgesetzbuch) hängt eng mit einer Insolvenz zusammen, denn „wer bei Überschuldung oder bei drohender oder eingetretener Zahlungsunfähigkeit“ beispielsweise Werte für die mögliche Insolvenzmasse zur Bedienung der Gläubiger verheimlicht oder verschwinden lässt, dem drohen bis zu fünf Jahre Haft oder Geldstrafe. Belangt werden kann auch jemand, der die Bücher einer Firma nicht oder nicht ausreichend führt oder aufbewahrt.

Insolvenzverschleppung

Dieser Straftatbestand (Paragraf 15a der Insolvenzordnung) besagt im Kern, dass im Falle einer Firmenpleite Geld- oder Freiheitsstrafen drohen, wenn die Insolvenz „nicht, nicht richtig oder nicht rechtzeitig“ bei Gericht angezeigt wird. Es gibt jedoch eine Einschränkung: Anders als etwa bei einer GmbH oder einer Aktiengesellschaft greift das Gesetz nicht für den eingetragenen Kaufmann (e.K.), weil der nämlich keine juristische Person ist. Beim Dachunternehmen Anton Schlecker e.K. ergibt sich somit keine Handhabe, sehr wohl aber bei den Tochterfirmen IhrPlatz und Schlecker XL, die als GmbH & Co. KG beziehungsweise GmbH firmierten.

Am Mittwoch hatte die Stuttgarter Staatsanwaltschaft 18 Wohnungen und vier Geschäftsräume in mehreren Bundesländern durchsucht und dabei für Aufsehen gesorgt. Untreue, Bankrott und Insolvenzverschleppung: Die Vorwürfe wiegen schwer und es ist wohl nicht klar, ob bei der Insolvenz alles ganz sauber gelaufen ist. Der Zusammenbruch des Imperiums hat deswegen die Staatsanwaltschaft auf den Plan gerufen, die ermittelt.

Die größten Schlecker-Gläubiger

Euler Hermes

Die Kreditversicherung hat 223,9 Millionen Euro an Forderungen gegenüber der insolventen Handelskette ausstehen.

Familie Schlecker

Die Familie des Firmengründers hat selbst noch Forderungen über 176 Millionen Euro an die Pleite-Kette ausstehen.

Bundesagentur für Arbeit

Schlecker schuldet der Bundesagentur für Arbeit 125 Millionen Euro.

Finanzamt

Auch der Fiskus fordert noch Geld von der Drogeriekette: Insgesamt sind das 73,2 Millionen Euro.

Markant

Die Handelskette fordert noch 43,5 Millionen Euro. Das Unternehmen ist ein Kooperationsverbund von Groß- und Einzelhandelsunternehmen.

Quelle: Statista/WirtschaftsWoche

Dabei richtet sich der Verdacht gegen 14 Personen, darunter soll auch Anton Schlecker sein, der Gründer der Drogeriekette. „In unserer Vorprüfung hat sich ein Anfangsverdacht bestätigt“, sagte Staatsanwältin Claudia Krauth.

Die Ermittlungen könnten den Gläubigern möglicherweise bei ihren Forderungen helfen. „Das kann die Masse noch mal mehren“, sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Donnerstag. Er betonte aber auch, dass die Ermittlungen und die Prüfung der Vermögenswerte der Familie durch Geiwitz grundsätzlich zwei verschiedene Vorgänge seien. Geiwitz habe stets deutlich gemacht, „wenn er etwas findet, das zurückzuholen ist, dann tut er das auch“. Die Staatsanwaltschaft müsse im Gegensatz dazu prüfen, ob gegen geltendes Recht verstoßen wurde. Sollte dem so sein, muss Anton Schlecker allerdings mit millionenschweren Schadenersatzforderungen rechnen, die wiederum in die Insolvenzmasse einfließen könnten.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

19.07.2012, 16:28 Uhr

Nur 1 Mrd Miese?

Das können die Griechen aber besser ...

Account gelöscht!

19.07.2012, 16:32 Uhr

Wie viel davon sind Schulden innerhalb der Familie? Gibt es nicht ein Gesetz: Die Sippe haftet?

Account gelöscht!

19.07.2012, 16:34 Uhr

Sorry aber wir haben besseres zu tun... z.B. 100 Milliarden für spanische Banken die uns rein gar nichts angehen, zu bezahlen damit die Spanier ihren nicht angebrachten Lebenstil so weiterführen können und damit demnächst jeder Franzose weiter schön mit 60 in Rente gehen kann.

Ist doch schön oder? Wenigstens weiss ich, weshalb ich nicht mehr 100% in D wohne und sicher nicht mehr in Zukunft so blöd sein werde auch nur noch 1 Cent an Steuern dorthin abzuführen...es sei denn eine Revolte bricht los, dafür spende ich Hab und Gut wenns sein muss.

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