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15.09.2016

12:16 Uhr

Global Fashion Group

Lichtblicke bei Modeholding von Rocket Internet

VonFlorian Kolf

Rocket Internet meldet Erfolge bei ihren Modebeteiligungen in Schwellenländern: Die Verluste sinken. Doch die Bilanz der Global Fashion Group hat auch Schattenseiten.

Bewegte Zeiten erlebt die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet zurzeit, hohe Halbjahresverluste haben die Börsianer verunsichert. Reuters

Rocket Internet

Bewegte Zeiten erlebt die Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet zurzeit, hohe Halbjahresverluste haben die Börsianer verunsichert.

DüsseldorfZuletzt hatte die Global Fashion Group dem Start-up-Investor Rocket Internet eher Sorgen bereitet. Die Holding, in der Rocket seine ausländischen Modehändler gebündelt hat, sorgte mit einer dramatischen Abschreibung für Schlagzeilen – und bescherte Rocket damit einen dreistelligen außerordentlichen Verlust. „Nach wie vor erwarten wir, dass bis Ende 2017 mindestens drei unserer Beteiligungen profitabel sein werden, und die aggregierten operativen Verluste unserer wesentlichen Beteiligungen 2015 den Höchstpunkt hatten“, zeigte sich Rocket-Chef Oliver Samwer jedoch optimistisch.

Jetzt ist er diesem Ziel zumindest einen kleinen Schritt näher. Die gerade veröffentlichte Halbjahresbilanz der Global Fashion Group (GFG) zeigt, dass die Modeholding ihren Verlust deutlich verringert hat. Lag der operative Verlust (Ebitda) im ersten Halbjahr 2015 noch bei 120,5 Millionen Euro, sank er in den ersten sechs Monaten dieses Jahres auf 67,6 Millionen Euro. Hauptgründe dafür waren ein verbessertes Management der Lagerbestände und ein strenges Sparprogramm.

Rocket Internet: Home24 ist nur noch halb so viel wert

Rocket Internet

Home24 ist nur noch halb so viel wert

Das Internet-Möbelhaus Home24 wurde bei der jüngsten Finanzierungsrunde nur noch mit 420 Millionen Euro bewertet. Das ist mehr als eine halbe Milliarde Euro weniger als Ende März. Rocket Internet dürfte das nicht freuen.

Doch die leichten Verbesserungen waren teuer erkauft. So trennte sich die GFG von mehreren Beteiligungen, was den Umsatz deutlich nach unten drückte. Allein die indische Modewebsite Jabong, die an den lokalen Amazon-Rivalen Flipkart verkauft wurde, hatte ein Umsatzvolumen von 126 Millionen. Sie machte aber auch einen Verlust 56 Millionen, was sie auf Dauer offenbar nicht mehr tragbar machte. Außerdem wurden noch kleinere Beteiligungen in Thailand und Vietnam verkauft.

Aber auch wenn man die Desinvestitionen rausrechnet, hat sich die Umsatzentwicklung deutlich abgebremst. Wuchs der Umsatz währungsbereinigt 2015 noch um 71,5 Prozent, stieg er im ersten Halbjahr 2016 nur noch um 47,5 Prozent auf jetzt 455,8 Millionen Euro.

Im April hatte die GFG eine Kapitalspritze in Höhe von 330 Millionen Euro von Rocket und dem schwedischen Finanzinvestor Kinnevik bekommen, der knapp 80 Prozent an der GFG hält. Dabei war der Firmenwert der Modeholding von ursprünglich fast drei Milliarden Euro auf eine Milliarden abgeschrieben worden. Diese Abschreibungen hatten unter anderem dafür gesorgt, dass Rocket Internet im ersten Halbjahr einen Verlust von mehr als 600 Millionen Euro ausweisen musste.

Das sagt Oliver Samwer selbst

Über seine Arbeitsmaxime

„Zu viele Menschen glauben ihren eigenen Pressemitteilungen. Messt Erfolg nicht an Berichterstattung, sondern ökonomischem Einfluss. […] Betreibt ein Start-up wie eine Bäckerei: Backt am Morgen, verkauft über den Tag und zählt die Einnahmen in der Nacht! […] Fürchtet euch nicht davor, im Dreck zu leben. […] Geht zu McKinsey, wenn ihr gescheitert seid. Warum vorher? Jetzt seid ihr jung. Ihr solltet glücklich sein. Gott hat euch das Internet gegeben!“

Oliver Samwer zu unterschiedlichen Gelegenheiten über seine Arbeitsmaximen

Über seine Zeit an der WHU

„Das Tollste waren die Gastvorträge von Unternehmern, die im Zeitraffer erzählten, wie sie aus dem Nichts eine Firma mit ein paar Hundert oder sogar 20.000 Leuten schufen, wie sie auch mal am Abgrund standen, bis dann gerade noch rechtzeitig der entscheidende Auftrag kam.“

Oliver Samwer über die Vorzüge seines Studiums an der WHU

Über das ideale Start-up

„Das ideale Start-up ist eine Kombination aus Gelegenheit, Team und Timing. Das ideale Start-up adressiert einen riesigen Marktplatz, der offen für eine Veränderung ist oder gerade durch einen Paradigmenwechsel kreiert wird, hat ein Team, das empfindlich genug für die Anforderungen des Marktes ist, und im richtigen Moment auf den Markt kommt, nicht zu früh und nicht zu spät. Jede einzelne dieser Eigenschaften, wenn sie schlimm genug ist, tötet das Unternehmen.“

Oliver Samwer und Max Finger über ein „ideales Start-up“ in ihrer Diplomarbeit

Über den Verkauf von Alando

„Wir haben Alando überhaupt nicht zum richtigen Zeitpunkt verkauft. Wir waren doch Idioten, dass wir ausgestiegen sind. Wir waren die größte deutsche Auktionsseite. Heute macht Ebay in Deutschland 120 Millionen Euro Gewinn im Jahr, folglich war es nicht klug, Alando für 50 Millionen Dollar zu verkaufen. Im Nachhinein sehen ich und meine Brüder das als unseren vielleicht größten Fehler an.“

Oliver Samwer über den frühen Ausstieg der Samwers bei Alando

Über kleine Niederlagen

„Eine wirklich schlimme Niederlage haben wir nicht erlitten. Aber wir sind oft durch den Dreck gerobbt. Die Erfolge, die sich hinterher in der Zeitung so mühelos lesen, haben in Wahrheit wahnsinnig viel Kraft gekostet. Und es gab immer kleine Niederlagen – und oft großes Bangen. Bertelsmann hat bei Alando mal intensiv alle unsere Nutzer angespamt und versucht, sie uns auszuspannen. Das hat uns einige schlaflose Nächte gekostet. Bis wir gesehen haben: Die Leute bleiben bei uns.“

Oliver Samwer 2007 über die Herausforderungen ihrer Alando-Zeit

Über die Anfänge von Jamba

„Wir haben uns damals mit dem 'Wireless'-Markt beschäftigt, nach Japan geschaut und uns die europäischen Märkte angesehen. Wir stellten fest, dass nicht News, Verkehrsnachrichten oder Börsenkurse das Geschäft mit Mobilfunkdiensten ausmachten, sondern Entertainmentinhalte. Wir sahen den Boom, [...] dass Spiele fürs Handy in Japan bereits ein Renner waren und stellten uns vor, dass dies zusammen mit Musik und Bildern auch in Europa funktionieren könnte.“

Oliver Samwer im Jahre 2003 über die Entstehung von Jamba

Über Schnelligkeit

„Wir bekommen jeden Tag viele Businesspläne und E-Mails von Start-ups zugeschickt. Haben wir dann an einer erfolgversprechenden Idee Interesse gefunden, kommt es relativ zeitnah und pragmatisch zur Kontaktaufnahme. Nach kurzer Zeit können wir dann auch bereits eine Investitionsentscheidung treffen, da wir keine bürokratischen Prozesse durchlaufen müssen. Ein Gespräch unter uns drei Brüdern genügt. Vom ersten Meeting bis zur Entscheidung braucht es oft weniger als 48 Stunden.“

Oliver Samwer über die Schnelligkeit des European Founders Funds

Über den European Founders Fund

„Wir haben uns in den USA und Asien umgeschaut. Dabei ist uns im kalifornischen Silicon Valley aufgefallen, dass viele erfolgreiche Unternehmer ihr Geld in Start-ups investieren und den jungen Firmen dann auch aktiv zur Seite stehen. […] Wir wollen den Gründern aber nicht nur Geld, sondern auch unsere aktive Unterstützung und unseren Rat geben.“

Oliver Samwer über die Aktivitäten des European Founders Funds

Quelle

Joel Kaczmarek, „Die Paten des Internets“, erschienen im Finanzbuchverlag FBV, ISBN: 978-3-89879-880-8

Wie dringen GFG die Kapitalspritze benötigte, zeigen die jetzt vorgelegten Halbjahreszahlen. Lagen die Liquiditätsreserven im ersten Halbjahr 2015 noch bei 75,7 Millionen Euro, wären sie nun auf ohne die Kapitalzahlung der Investoren auf nur noch knapp zehn Millionen Euro zusammengeschrumpft. Im Jahr 2014 bezifferte GFG die Liquidität noch auf 223,8 Millionen Euro.

In der der GFG bündelt Rocket die Onlinemodehändler Lamoda aus Russland, Dafiti aus Lateinamerika und Zalora, der in Südostasien aktiv ist und Namshi, die von Dubai aus den arabischen Raum bedienen. Rocket hält gut 20 Prozent an der GFG.

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