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05.04.2013

10:44 Uhr

Globale Lieferketten

Nordkorea gefährdet das globale Getriebe

VonMartin Dowideit, Sebastian Ertinger, Martin Kölling

Keine Teile aus Japan nach dem Tsunami, keine Luftfracht wegen Vulkanasche – auch eine Verschärfung des Korea-Konflikts kann Warenströme versiegen lassen. Aber diesmal haben Unternehmen einen entscheidenden Vorteil.

Ein stotterndes Zahnrad kann das globale Produktionsgetriebe gefährden.

Ein stotterndes Zahnrad kann das globale Produktionsgetriebe gefährden.

Düsseldorf/TokioDie Rhetorik Nordkoreas verschärft sich von Tag zu Tag. Ein Konflikt mit dem Süden scheint wahrscheinlicher zu werden. In US-Medien werden vereinzelt bereits Szenarien gesponnen, welche Auswirkungen ein atomarer Konflikt auf die Weltwirtschaft haben würde. Doch selbst kleinere Beeinträchtigungen der Produktion einer Industrienation wie Südkorea können großen Einfluss auf die globalen Warenströme haben.

Südkorea ist eine der wichtigsten Industrienationen der Welt, ist der siebtgrößte Exporteur von Waren und führt zu 85 Prozent verarbeitete Güter aus – jährlich etwa Schaltkreise und Elektrobauteile im Wert von 45 Milliarden Dollar (2011). Sollte Nordkorea diese Produktionskette stören, würde das weltweit spürbar sein. Denn folgenschwere Ereignisse haben in den vergangenen Jahren gezeigt, dass es einzelne Fabriken gibt, die Schlüsselkomponenten für Abnehmer in der ganzen Welt fertigen.

  • Nach dem Tsunami und der Atomkatastrophe in Fukushima in Japan im März 2011 wurden Einkäufer und Logistik-Manager selbst in Europa und den USA wachgerüttelt. So zeigte sich, dass eine geschlossene Pigmentproduktion des deutschen Chemiekonzerns Merck Folgen für US-Autohersteller hatte: Ihnen standen zeitweise weniger Farben zur Verfügung. Auch viele Elektronikfirmen verzweifelten, weil etwa Spezialfolien auf einmal eine Lieferzeit von 52 statt zwölf Wochen hatten.
  • Die Vulkanaschewolke ein Jahr zuvor brachte die Luftfracht zum Erliegen und wichtige Autobauteile gelangten etwa nicht zu BMW-Werken in die USA. In den Tagen nach der Wolke konnten Luftfrachtfirmen astronomische Preise verlangen, da Firmen das Wiederbeleben der Logistikkette viel Geld wert war.
  • Nach heftigen Monsun-Regenfällen standen ab August 2011 ganze Provinzen Thailands unter Wasser und die globale Festplatten-Produktion brach damit ein. Von Oktober bis Dezember lieferten die Hersteller weltweit nur 122 Millionen Festplatten (HDD) aus, rund 50 Millionen weniger als im Quartal zuvor. Die Preise stiegen um fast ein Drittel.
  • Ende der 1990er-Jahre brannte das Werk eines Toyota-Zulieferers ab. Daraufhin musste die Produktion des japanischen Herstellers in 18 Werken fast zwei Wochen lang stillgelegt werden.

Die japanische Katastrophe in Zahlen

Das Erdbeben

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löste auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe

Die Naturkatastrophe forderte rund 15 800 Tote und mehr als 3700 Vermisste.

Die zivilen Schäden

Die zivilen Schäden der Dreifach-Katastrophe belaufen sich insgesamt auf etwa 160 Milliarden Euro.

Länger unbewohnbar

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100 000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Radioaktiv verseuchtes Wasser

Über 10 000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser flossen in den Ozean. Es geriet 168-mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

Das Kraftwerk

Nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco wird es noch bis zu 40 Jahren dauern, bis das Kraftwerk vollständig gesichert ist. Rund 20.000 Arbeiter halfen bislang, die Reaktoren unter Kontrolle zu bringen.

„Das Szenario einer Beeinträchtigung der Lieferketten ist im Korea-Konflikt nicht auszuschließen“, sagt Carl Marcus Wallenburg, Logistik-Professor an der Management-Universität WHU in Vallendar. Die Folgen könnten weltweit zu spüren sein. So ist Südkorea ein Schlüsselproduzent vor allem in der Elektrobranche. Deutsche Unternehmen bezogen im Jahr 2012 allein elektronische Bauelemente im Wert von 784 Millionen Euro. In der Informations- und der Kommunikationstechnik kommen noch einmal Einfuhren in Höhe von 844 Millionen Euro zusammen.

Deutsche Elektroimporte aus Südkorea (2012)

121 Millionen Euro

Medizintechnik

215 Millionen Euro

Automation

274 Millionen Euro

Informationstechnik

570 Millionen Euro

Kommunikationstechnik

784 Millionen Euro

Elektronische Bauelemente

849 Millionen Euro

Unterhaltungselektronik

Quelle: ZVEI, Destatis

Im Schiffbau rangiert das Land weltweit auf Rang zwei. Im Jahr 2011 bauten die Werften an Koreas Küsten Schiffstonnage von insgesamt 15,96 Millionen gewichteter Bruttoraumzahl. Diese Kennzahl gibt Schiffsgrößen an und ersetzte die Bruttoregistertonnen. Überholt werden die Koreaner nur von China, das mit einer gewichteten Bruttoraumzahl von 91,71Millionen vorne liegt.

Kommentare (13)

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RumpelstilzchenA

05.04.2013, 11:02 Uhr

"Nordkorea gefährdet das globale Getriebe.."
NEIN, die USA suchen die globale Auseinandersetzung! Sie sind auf dem Wege der globalen Unterdrückung, siehe altes Testament.

nichtnachmachen@dynip.name

05.04.2013, 11:28 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

pro-d

05.04.2013, 11:30 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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