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21.11.2013

16:19 Uhr

Goldmine Kundendaten

Risikofaktor Big Data?

Goldgräberstimmung in Onlineshops und Kaufhäusern: Unmengen von Kundendaten werden gehoben, um Werbung und Waren genau auf die Käufer zu lenken. Doch plötzlich ist der Traum vom gläsernen Kunden bedroht.

Der E-Commerce wächst weiter stürmisch. Bald könnte er gut ein Viertel des gesamten Umsatzes im Einzelhandel ausmachen. dpa

Der E-Commerce wächst weiter stürmisch. Bald könnte er gut ein Viertel des gesamten Umsatzes im Einzelhandel ausmachen.

BerlinDer Fall Edward Snowden kommt Michael Otto nicht gerade gelegen - gelinde gesagt. Handelskunden seien auf einmal viel sensibler für das, was nach dem Einkauf mit ihren Daten passiert, bemerkt der Aufsichtsratschef des Hamburger Versandriesen Otto. Und das muss ihm Sorgen machen: Denn wer heute im Netz oder im Laden etwas kauft, hinterlässt immer mehr Datenspuren - und die sind für den Handel Gold wert.

Sei's die Milch vom Discounter oder das Socken-Abo im Netz - was kauft der Kunde wann, wo und warum? Um ein Bild davon zu bekommen, fügen Handelsunternehmen ein Mosaik aus immer mehr Steinchen zusammen. Der Käufer liefert die Daten-Bausteine, oft ohne darüber nachzudenken: etwa mit seiner Kundenkarte am Ladentisch oder dem Warenkorb am Bildschirm.

Warum die Deutschen Online-Shopper sind

Eine Welt ohne Online-Shopping?

„Aus heutiger Sicht wäre das der Weg zurück in die Steinzeit“, lautete eine Antwort auf diese Frage. E-Commerce hat sich fest in den Alltag der meisten Menschen integriert. Die Deutschen sind insgesamt besonders positiv eingestellt. 61 Prozent der Deutschen Online-Shopper möchten auf diese bequeme Art des Einkaufs nicht mehr verzichten.

Faktor Zeit

„Zu den Zeiten einkaufen, die in mein Leben passen“ nennen in Deutschland vier von fünf Konsumenten als wichtigsten Vorteil. Eine echte Zeitersparnis haben 57 Prozent festgestellt. Mehr Zeit zu haben, empfinden dabei die meisten Deutschen als eine Entlastung im Alltag: 63 Prozent geben an, „viel weniger Stress beim Einkaufen als früher in der Stadt“ zu haben. 55 Prozent geben an, sich entspannter zu fühlen.

Faktor Angebotsvielfalt und Preis

„Genau das Produkt, das ich suche“ finden in der Regel zwei Drittel der Online-Shopper. Und zwar sehr schnell und zum günstigsten Preis. Mehr als die Hälfte (54 Prozent) gibt an, im Internet oft besonders individuelle Produkte zu finden, 62 Prozent schätzen es, dass sie Produkte finden, „die man im Geschäft beziehungsweise via Katalog nicht bekommen würde“.

Faktor Selbstbestimmung

Die Mehrheit der Käufer erlebt sich im Internet als „empowered consumer“. Zwei Drittel der Online-Shopper halten sich für besser informiert über Angebote und Preise als früher, nutzen gerne Bewertungen anderer Kunden und meinen, dass Konsumenten heute durch Kommentarfunktion und Empfehlungen beim Online- Kauf viel mehr Einflussmöglichkeiten haben.

Quelle: Studie im Auftrag der Deutschen Post: Einkaufen 4.0  - der Einfluss von E-Commerce auf Lebensqualität und Einkaufsverhalten

„Big Data“, das ist eines der Topthemen der Branche. Nach Schätzungen verfünfzigfacht sich die weltweite Datenmenge im Laufe dieses Jahrzehnts. Der Handel - offline wie online - sieht sich vor einer unerschöpflichen Goldmine.

Und jetzt das: „Big Data droht zum Schimpfwort zu werden“, klagt Handelsschwergewicht Otto auf dem Deutschen Handelskongress. Schon drohe eine neue EU-Datenschutzrichtlinie, das Kind mit dem Bade auszuschütten. Otto betont: „Big data hat nichts mit Geheimdiensten zu tun.“

Thomas Storck erklärt, worum es eigentlich geht. „Der Tante-Emma-Ladenbesitzer wusste immer, was seine Kunden wollten.“ Der Kaufhof-Geschäftsführer erinnert an die Zeit, als Einzelhändler ihre Käufer noch mit Namen kannten. „Er wusste auch, was der Kunde sich nicht leisten konnte, und er kaufte entsprechend ein. Das versuchen wir heute auf den Massenmarkt zu übertragen.“

Dafür kombinieren Computer alles, was über einen Käufer erfahrbar ist. Von welcher Seite aus gelangt er in den Online-Shop? Was sucht er dort? Was sieht er an? Was legt er in den Warenkorb, was wieder hinaus und was kauft er? Was kauft er anderswo? Hat die Firma das Datengold nicht selbst, kann sie es bei spezialisierten Händlern kaufen.

Kommentare (3)

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oderzombieundfisch

21.11.2013, 17:02 Uhr

"Der Kunde freut sich wenn er im Angebotsdschungel entlastet wird" so ein Quark, im Handel geht es doch schon längst vor allem darum die Profite zu optimieren, die Qualität der Waren und der Kunde sind dabei egal.

Account gelöscht!

21.11.2013, 18:58 Uhr

Mach ich schon seit langem nicht mehr mit. Ich kauf nichts mehr im Internet und zahle nur noch bar. Hatte es schon vor Jahren satt, daß ich ständig blödsinnige Werbung im Briefkasten hatte. Als ich dann las, daß bei Amazon zur Weihnachtssaison Leute buckeln müssen, die vom Arbeitsamt bezahlt wurden, hab ich meinen Amazon Account gelöscht. Ich wollte nicht mitmachen bei der Plünderung unserer Sozialsysteme und der Ausbeutung von Menschen. Mittlerweiel hat sich auch der Einzelhandel gewandelt: Preise sind gleich, Umtausch jederzeit unkompliziert möglich und wenn mal ein Kleingerät in der Garantiezeit defekt ist, gibts das Geld zurück und ich steh nicht mehr eeeewig bei der Post in der Schalneg für mein Päckchen. Dass der Kauf im Internet günstiger sein soll ist ein Mythos, jedenfalls bei den Produkten, die ich so kaufe. Reise übers Internet buchen ist ein wahrer Alptraum, also ab ins Reisebüro. Das Internet dient mir nur noch zur Preisinformation.

heinz

22.11.2013, 10:01 Uhr

Vor allem mit der Qualität gibt es jede Menge Probleme. Den Leuten wird schon seit mehr als einem Jahrzehnt vorgegaukelt, dass die Qualität durch Zertifikate, CE und sonstigen Ramsch ständig verbessert werde. Bulls.....
Und das mit der Kundenorientierung, sprich Kundenservice, ist nur vorgegaukelt, nur Fassade. Reklamieren Sie mal berechtigt, dann wissen Sie, was ich meine. Dann scheint der wahre Kern durch.
Ich kann also oderzombieundfisch nur voll zustimmen.

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