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19.05.2014

11:54 Uhr

Greenpeace-Studie

Giftige Chemie bei Adidas, Nike und Puma entdeckt

Nachdem Greenpeace in Fußballschuhen von Adidas, Nike und Puma giftige Chemikalien entdeckt hat, kritisiert die Organisation die Sportartikelhersteller scharf. Denen könnte die Studie das WM-Geschäft vermiesen.

Schuhe und Handschuhe von Adidas haben bei der Untersuchung, die Greenpeace in Auftrag gegeben hat, besonders schlecht abgeschnitten. dpa

Schuhe und Handschuhe von Adidas haben bei der Untersuchung, die Greenpeace in Auftrag gegeben hat, besonders schlecht abgeschnitten.

HamburgDie Fußball-Weltmeisterschaft soll das große Geschäft für Adidas, Nike und Puma werden. Doch eine Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace könnte den drei Sportartikelherstellern einen Strich durch die Rechnung machen. Denn die Untersuchung zeigt, dass die Fußballprodukte der drei großen Markenartikelproduzenten giftige Chemikalien enthalten.

Sowohl in Fußballschuhen als auch Torwarthandschuhen und Fußballshirts lassen sich demnach Schadstoffe nachweisen. Den Test haben laut Greenpeace unabhängige Labore durchgeführt. Das Ergebnis: In allen getesteten Produkten finden sich gefährliche Stoffe. Dazu zählen etwa perfluorierte Chemikalien (PFC), die mutmaßlich Krebs verursachen können, oder auch Phtalate und Dimethylformamid (DMF), die das Hormonsystem stören und zu Unfruchtbarkeit führen können. Auch das umweltschädliche Nonylphenolethoxylate (NPE) wurde in der Bekleidung der Sportartikelhersteller nachgewiesen.

Welche Produkte gefährliche Chemikalien enthielten

Adidas – Fußballschuhe

10 Paar Adidas-Fußballschuhe getestet
perfluorierte Chemikalien (PFC): gefunden in 8 Paaren
Nonylphenolethoxylate (NPE): gefunden in 9 Paaren
Phthalate: gefunden in 10 Paaren
Dimethylformamid (DMF): gefunden in 10 Paaren

Nike – Fußballschuhe

10 Paar Nike-Fußballschuhe getestet
PFC: gefunden in 8 Paaren
NPE: gefunden in 7 Paaren
Phthalate: gefunden in 10 Paaren
DMF: gefunden in 10 Paaren

Puma – Fußballschuhe

1 Paar Puma-Fußballschuhe getestet
PFC: gefunden in 1 Paar
NPE: gefunden in keinem Paar
Phthalate: gefunden in 1 Paar
DMF: gefunden in 1 Paar

Adidas – Torwarthandschuhe

2 Paar Adidas-Torwarthandschuhe getestet
PFC: gefunden in 1 Paar
NPE: gefunden in 1 Paar
Phthalate: gefunden in 1 Paar

Nike – Torwarthandschuhe

1 Paar Nike-Torwarthandschuhe getestet
PFC: gefunden in 1 Paar
NPE: gefunden in keinem Paar
Phthalate: gefunden in 1 Paar

Puma – Torwarthandschuhe

1 Paar Puma-Torwarthandschuhe getestet
PFC: gefunden in keinem Paar
NPE: gefunden in 1 Paar
Phthalate: gefunden in 1 Paar

Adidas – Fußballshirts

3 Fußballshirts von Adidas getestet
NPE: gefunden in 1 Paar
Phthalate: gefunden in 3 Paaren

Nike – Fußballshirts

4 Fußballshirts von Nike getestet
NPE: gefunden in keinem Paar
Phthalate: gefunden in 2 Paaren

Adidas – Fußball

1 Adidas-Fußball getestet
NPE: gefunden in 1 Paar
Phthalate: gefunden in keinem Paar

DMF: gefunden in keinem Paar

Quelle
Fanschminke aus China

Fans der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sollten beim Schminken in Schwarz-Rot-Gold auf die Herkunft der Farbe achten. „Produkte, auf denen als Herkunftsland China draufsteht, sollten Verbraucher lieber meiden“, sagt Manfred Edelhäuser vom baden-württembergischen Verbraucherschutzministerium. Kontrolleure in Baden-Württemberg hatten zuvor bei Überprüfungen von schwarz-rot-goldener Fanschminke alle 14 Stichproben beanstandet; die Produkte dürfen nicht weiter verkauft werden. Vor allem neun Proben, die überwiegend aus China stammten, fielen den Experten laut Ministerium negativ auf: Darin entdeckten sie den Farbstoff Lackrot. Dieser ist in der EU bereits seit 1993 verboten, weil er unter dem Verdacht steht, krebserregend zu sein.

Für die Konzerne kommt das Ergebnis zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Greenpeace ließ explizit Produkte untersuchen, die für die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien hergestellt wurden – und die den Herstellern eigentlich Milliardenumsätze bescheren sollten.

Besonders schlecht schneiden die Fußballschuhe und Torwarthandschuhe von Adidas ab. Der Konzern aus Herzogenaurach ist offizieller Sponsor der WM und hofft auf Rekordumsätze durch das Sportevent. Noch auf der Hauptversammlung kündigte Adidas an, durch den Wettkampf in Brasilien einen neuen Rekordumsatz von zwei Milliarden Euro erwirtschaften zu wollen.

Was Adidas seinen Kunden jedoch nicht verriet: Die Produktion seiner WM-Artikel vergiftet die Gewässer in den Ländern, in denen hergestellt wird. Das kritisiert zumindest Manfred Santen, Chemie-Experte bei Greenpeace. „Es ist Zeit für eine rote Karte für Adidas – die Firma muss jetzt handeln“, so Santen.

Für die deutschen Hersteller läuft es derzeit ohnehin nicht rund. Im vergangenen Jahr musste Adidas einen Umsatzrückgang hinnehmen – zum ersten Mal seit 2009. Auch der Konkurrent Puma kann nicht auftrumpfen. In den ersten drei Monaten 2014 ging der Erlös währungsbereinigt um 0,5 Prozent zurück. Die Studie könnte die Lust auf das WM-Sortiment weiter senken.

Die gute Nachricht für Adidas, Nike und Puma: Zwar gelten die gefundenen Stoffe als schädigend, aber auch Greenpeace betont, dass das Tragen nicht unmittelbar die Gesundheit gefährde.

Greenpeace versucht seit 2011 mit seiner sogenannten „Detox“-Kampagne, Firmen dazu zu bringen, bis 2020 Kleidung und Schuhe giftfrei zu produzieren. Auch die Sportartikel-Hersteller Adidas, Nike und Puma haben sich dazu bereit erklärt. Greenpeace kritisiert aber, die Firmen versteckten sich hinter „Papierversprechen“ des Branchenverbandes. Firmen wie H&M oder Mango dagegen hätten mit der Entgiftung ihrer Produktion begonnen. Santen forderte Adidas und Nike „im Namen der Fans und der betroffenen Menschen“ auf, einen Ausstiegsplan aus der Produktion mit PFC festzulegen sowie alle gefährlichen Chemikalien offenzulegen.

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