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29.04.2015

18:57 Uhr

Grenzen des Onlinehandels

Die Läden sind nicht totzukriegen

VonChristoph Kapalschinski

Wie viel werden Sie in Zukunft im Internet einkaufen? Experten wie Shoppingcenter-Entwickler Alexander Otto meinen: Mehr als heute. Doch es wird weiter einen Platz für klassische Läden geben. Was Händler bieten müssen.

Der E-Commerce wird noch viele Marktanteile gewinnen – doch vor allem die „Digital Natives“ bleiben dem klassischen Ladengeschäft erstaunlich treu. Imago

Klassischer Tante-Emma-Laden

Der E-Commerce wird noch viele Marktanteile gewinnen – doch vor allem die „Digital Natives“ bleiben dem klassischen Ladengeschäft erstaunlich treu.

DüsseldorfEs ist die große Frage des Handels weltweit: Wann ist Schluss mit den Marktanteilsgewinnen des E-Commerce? Alexander Otto ist in beiden Feldern aktiv: Einerseits ist er Chef des Shoppingcenter-Betreibers ECE, andererseits ist er am Versandhändler Otto-Group beteiligt. Seine Voraussage: der Onlinehandel werde in Deutschland nicht über 15 bis 20 Prozent Marktanteil herauskommen, so seine Einschätzung im Interview mit dem Handelsblatt. Gerade die junge Generation, die „Digital Natives“, gehe weiterhin in die herkömmlichen Geschäfte.

ECE-Chef Alexander Otto: „Junge Kunden sind den Einkaufszentren treu“

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Premium „Junge Kunden sind den Einkaufszentren treu“

Der Einkaufszentren-Betreiber ECE wird in diesem Jahr 50. Im Interview spricht Firmenchef Alexander Otto über die Psychologie beim Shoppen, die Konkurrenz durch den Online-Handel und seine Pläne für Olympia.

Der Onlinehandel lotet seine Grenzen aus. Unstrittig ist: Er wird weiter Marktanteile gewinnen. Unklar ist nur, wie viele. Zehn Prozent der Einzelhandelsumsätze in Deutschland stammen laut AT Kearney schon heute aus dem Netz. Das sind immerhin 45 Milliarden Euro – Geld, das in den Kassen der klassischen Läden fehlt.

Doch es zeichnet sich ab: Online und offline erfüllen unterschiedliche Funktionen. „Online wird es um die Grundversorgung gehen, in den Läden wird künftig das Erlebnis im Mittelpunkt stehen“, prognostiziert Nestlé-Deutschlandchef Gerhard Berssenbrügge für den Lebensmittelhandel.

Gerade die Supermärkte geben ein Beispiel dafür, wo Grenzen liegen und wie spezifisch sie sind. Während etwa in Frankreich viele Kunden ihren Einkauf am Computer zusammenstellen und ihn dann am Supermarkt abholen, sind Versuche mit diesem Modell etwa bei Rewe ein Flop. Der Grund: Schon zwischen den benachbarten Ländern unterscheidet sich die Struktur: In Frankreich herrschen riesige Hypermärkte vor, in Deutschland eher der Supermarkt um die Ecke. In diesem Umfeld erfüllen auch Bringdienste bislang nur Nischenbedürfnisse.

Welche Produkte die Deutschen im Internet suchen

Do-it-yourself-Produkte

Do-it-yourself-Produkte

(Bauern, Garten, Heimwerken, Basteln)

über Google: 47 Prozent

über Amazon: 31 Prozent

über Ebay: 25 Prozent

(Alle Daten hat das Marktforschungsunternehmen Konzept & Markt in seiner Studie zum Online-Shopping erhoben.)

Elektro-Geräte

Elektro-Geräte (Haushalt, Büro, Unterhaltung)

über Google: 46 Prozent

über Amazon: 46 Prozent

über Ebay: 22 Prozent

Kfz-Teile & Zubehör

Kfz-Teile & Zubehör

über Google: 43 Prozent

über Amazon: 20 Prozent

über Ebay: 32 Prozent

Lebensmittel

Lebensmittel (und andere Dinge des täglichen Bedarfs)

über Google: 37 Prozent

über Amazon: 26 Prozent

über Ebay: 10 Prozent

Medien

Medien (Bücher, CDs, DVDs, Spiele etc.)

über Google: 32 Prozent

über Amazon: 57 Prozent

über Ebay: 18 Prozent

Medikamente & Arzneimittel

Medikamente & Arzneimittel

über Google: 33 Prozent

über Amazon: 6 Prozent

über Ebay: 4 Prozent

Mode, Schuhe, Accessoires

Mode, Schuhe, Accessoires

über Google: 28 Prozent

über Amazon: 22 Prozent

über Ebay: 16 Prozent

Reisen, Hotels, Flüge

Reisen, Hotels, Flüge

über Google: 39 Prozent

über Amazon: 3 Prozent

über Ebay: 3 Prozent

Sport- & Outdoorartikel

Sport- & Outdoorartikel

über Google: 35 Prozent

über Amazon: 26 Prozent

über Ebay: 16 Prozent

Tiernahrung & Zubehör

Tiernahrung & Zubehör

über Google: 26 Prozent

über Amazon: 10 Prozent

über Ebay: 7 Prozent

Wein & Spirituosen

Wein & Spirituosen

über Google: 21 Prozent

über Amazon: 8 Prozent

über Ebay: 6 Prozent

„Die Entwicklung im Bereich Lebensmittel steht erst ganz am Anfang – in Deutschland wurden letztes Jahr weniger als ein Prozent online umgesetzt“, sagte AT-Kearney-Experte Mirko Warschun dem Handelsblatt. Er erwarte bis 2020 einen Anstieg auf fünf Prozent – das wären dann rund fünf Milliarden Euro. 95 Prozent des Umsatzes kämen dann immer noch aus den klassischen Läden.

Die Experten der Beratung EY schätzen selbst langfristig das reine Online-Potenzial im Lebensmittelhandel nur auf zehn Prozent, dazu kommen 20 Prozent, bei denen das Netz zumindest eine Rolle spielt – etwa für das Zusammenstellen von Einkaufslisten oder Preisvergleiche. Denn der tägliche Einkauf im Netz ist auch für die Händler wenig attraktiv.

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