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30.05.2012

11:59 Uhr

Griechenland

Die Drachme schreckt deutsche Touristen auf

VonChristoph Schlautmann

Deutsche Touristen haben Angst vor Unruhen in Griechenlands Urlaubsregionen. Ein holländischer Rentner wurde niedergeschlagen, weil er für deutsch gehalten wurde. Was passiert, wenn die Drachme zurückkommt, weiß keiner.

Am Strand die Sonne genießen: Die Lage in Griechenland könnte viele deutsche Touristen in diesem Sommer davon abhalten. ap

Am Strand die Sonne genießen: Die Lage in Griechenland könnte viele deutsche Touristen in diesem Sommer davon abhalten.

DüsseldorfFeindseligkeiten gegen ausländische Touristen in Griechenland? Nein, beteuert eine Sprecherin des deutschen Reiseveranstalter Alltours, das gebe es höchstens in den Großstädten auf dem Festland. In den Urlaubsorten seien die Griechen gastfreundlich und freuten sich auf deutsche Reisende. Selbst ein möglicher Austritt des Landes aus dem Euro - und der damit verbundene Zusammenbruch der Staatsfinanzen - könnten daran nichts ändern.

Dabei ist es in Hellas mit der Idylle längst vorbei. In dem Touristenstädtchen Monemvasia am Südostzipfel der Peloponnes-Insel bedrängten Einheimische am vergangenen Sonntag einen 78-Jährigen aus den Niederlanden, den sie zunächst für einen Deutschen gehalten hatten. „Deutscher oder Holländer, das ist dasselbe“, fuhren sie das Opfer an, „was glaubst Du, dass Du den Griechen antun kannst?“ Dann schlugen sie minutenlang auf den Rentner ein, der einen Kiefer- und Nasenbeinbruch erlitt.

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Handelsblatt-Redakteur Martin Tofern macht sich Sorgen um die Griechen. Er kennt das Land aus vielen Reisen, hat dort Freunde gefunden. Er fragt sich, wie es weitergeht - und ob man noch nach Griechenland reisen sollte.

Die Angst vor Unruhen hält deutsche Urlauber schon jetzt vor Reisebuchungen nach Griechenland ab. „Derzeit liegen die Buchungen für griechische Reiseziele unter den Vergleichszahlen des Vorjahres, sagt Hans-Gustav Koch, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes (DRV) in Berlin. Dabei waren sie im letzten Jahr noch fast um zehn Prozent nach oben geschossen. Viele Hoteliers und Fluggesellschaften haben deshalb in den vergangenen Wochen die Preise für Griechenlandurlauber gesenkt, wie Alltours-Chef Willi Verhuven berichtet.

Für Griechenlands Wirtschaft steht viel auf dem Spiel: Ein Fünftel des gesamten Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaftet die Urlaubsbranche derzeit. Andere Sektoren wie die Landwirtschaft hängen ebenfalls zum Teil am Tourismus.

Kostenlos stornieren oder umbuchen

So vermeiden Sie Extrakosten

Wenn das Auswärtige Amt ausdrücklich vor Reisen in die betreffenden Regionen warnt, Sie eine Reise in dieses Gebiet gebucht haben und Ihr Abflug kurz bevorsteht, so können Sie die Reise kostenlos stornieren. Die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes stellen ein Indiz dafür dar, dass ein Fall höherer Gewalt vorliegt und die Reise gekündigt werden kann. Eine kostenfreie Stornierung ist für den Urlauber immer dann möglich, wenn ein Fall „höherer Gewalt“ vorliegt. Dies trifft dann zu, wenn die Reise durch ein unvorhersehbares Ereignis erheblich erschwert, gefährdet oder zu einem unzumutbaren Sicherheitsrisiko wird. Hierzu zählen beispielsweise politische Unruhen, Krieg, Vulkanausbrüche und Katastrophen wie die in Japan.

Kostenlos stornieren ohne Reisewarnung?

Geht Ihre Reise nicht in ein Gebiet, das von der ausdrücklichen Reisewarnung erfasst ist, so lässt sich die Frage nach einer kostenlosen Lösung vom Reisevertrag nicht so leicht beantworten. Sollten sich die Probleme hierher ausdehnen oder Versorgungsengpässe entstehen, die Ihre Reise erheblich erschweren, sind Sie auch in diesem Fall berechtigt zu kündigen. Ist Ihre Region nicht betroffen, wäre die kostenlose Kündigung oder auch das Angebot zur kostenfreien Umbuchung eine Kulanzleistung vom Reiseveranstalter.

Stornieren, obwohl der Urlaub erst in einigen Wochen ist?

Wenn Ihr Abflug nicht unmittelbar bevorsteht, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt stattfindet, besteht derzeit noch kein Kündigungsrecht. In diesen Fällen müssen Sie abwarten, ob sich die Lage bis kurz vor Ihrem Abflug bessert und Sie die Reise ungefährdet durchführen können. Liegt unmittelbar vor der Abreise immer noch ein unzumutbares Sicherheitsrisiko vor, dürfen Sie kündigen, ohne dass Stornogebühren erhoben werden. Vor dem Hintergrund der unübersichtlichen Lage in Japan bieten zwischenzeitlich viele Reiseveranstalter kostenlose Umbuchungsmöglichkeiten an - auch wenn die Reise erst in einigen Wochen stattfindet. Ähnlich verfahren die Fluglinien. Anders sieht es aktuell mit Reisen nach Tunesien und Ägypten aus. Da sich dort die politische Lage wieder etwas stabilisiert hat und das Auswärtige Amt die entsprechenden Sicherheitshinweise Ende Februar entschärft hat, fliegen viele Reiseveranstalter wieder in diese Länder. Eine kostenlos Umbuchung oder Stornierung der Reise ist nicht mehr möglich. (Quelle: ADAC )

Kein Wunder, dass Kretas Gouverneur Stavros Arnaoutakis in den vergangenen Tagen vor deutschen Journalisten versprach, in seiner Urlaubsregion werde es keine Streiks geben.

Dass dessen Vorhersage eintrifft, glaubt nicht einmal Griechenland-Spezialist Alltours. Der fünfgrößte deutsche Reisekonzern erfand 1974 die Pauschalreisen nach Mykonos und startet in diesen Tagen eine bundesweite Radio-Kampagne, um das Image des Reiselandes aufzubessern.

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Kommentare (48)

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MikeM

16.05.2012, 14:55 Uhr

Wer jetzt noch nach Griechenland fährt hat es nicht besser verdient! Ich fliege nur noch in die Südsee, da hat man Ruhe und Entspannung!

Account gelöscht!

16.05.2012, 14:57 Uhr

Ach wie nett, einen niederländischen Rentner zusammengeschlagen da für deutsch gehalten. Die "lieben" Griechen werde ich wohl vorerst nicht wieder bereisen. Mal sehen ob die Türkei da etwas besseres im Angebot hat.

War_mal_schoen_dort

16.05.2012, 15:12 Uhr

Ich bin vor 10 Jahren sehr gerne auf die Kykladen gereist - wunderschön. Leider ist damit zu rechnen,d ass das alles nicht mehr so schön ist wie damals. Und wenn man als Deutche unwillkommen ist - aber usner Geld nehmens ie. Dankeschön.

Ich mache nur noch Urlaub in Tirol - da ist die Welt bis jetzt noch in Ordnung und die Menschen ticken - noch - normal. Ich hoffe, das bleibt so. Die Assis sollen weiterhin ihren Ballermann bereisen und alle anderen meinetwegen nach Übersee - Hauptsache das Allgäu und Tirol bleiben verschont von den Verrückten.

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