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19.06.2013

14:22 Uhr

Großauftrag an Boeing

Ryanair-Chef stänkert gegen Germanwings

VonTobias Döring

Michael O’Leary bestellt 175 Flugzeuge von Boeing. Damit will der Billigflieger weiter wachsen. Auch in Deutschland, wo Lufthansa die Tochter Germanwings ausbaut. Grund genug für eine Verbalattacke des Ryanair-Chefs.

Ryanair-Chef Michael O'Leary (links) und der Chef der Boeing Flugzeugsparte Ray Conner scherzen in Paris. AFP

Ryanair-Chef Michael O'Leary (links) und der Chef der Boeing Flugzeugsparte Ray Conner scherzen in Paris.

ParisEigentlich hatte er sich geschworen, nie eine Luftfahrtaustellung zu besuchen, sagte Michael O’Leary. Doch irgendwann ist immer das erste Mal. Und so trat der umstrittene Ryanair-Chef bei der weltgrößten Luftfahrtmesse in Le Bourget doch vor die Presse. Gemeinsam mit Ray Conner, dem Chef der Verkehrsflugsparte von Boeing, unterzeichnete der Ire die Verträge zur größten Bestellung einer europäischen Airline beim US-Flugzeugbauer.

Europas größter Billigflieger kauft 175 Maschinen vom Typ 737-800 der nächsten Generation bei Boeing. Die Maschinen haben laut Preisliste einen Gesamtwert von 15,6 Milliarden Dollar (11,7 Milliarden Euro) – davon gehen allerdings noch deutliche Nachlässe ab. Mit der Bestellung will Ryanair seine Flugzeugflotte in den kommenden fünf Jahren auf 400 Maschinen ausbauen. O’Leary will damit die Marke von 100 Millionen Passagieren im Jahr überspringen.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Doch als die Tinte auf den Verträgen getrocknet war und O’Leary neben Boeing-Manager Conner seine übliche Inszenierung für die Fotografen beendet hatte, ließ der Billigflieger-Chef dem Großauftrag einen großspurigen Auftritt folgen. Im Fokus der Häme dabei: Die deutsche und irische Konkurrenz sowie die EU-Kommission. Besonders für die Lufthansa und ihre Billigflug-Tochter Germanwings hatte O’Leary ein paar kräftige Schüsse vor den Bug parat.

Germanwings übernimmt ab Juli alle Deutschland- und Europaflüge außerhalb der Lufthansa-Drehkreuze Frankfurt und München von der Mutter. Mit der Aufwertung von Germanwings will Lufthansa-Chef Christoph Franz das Geschäft der Passage außerhalb von Interkontinentalflügen wieder lukrativer machen. Die „neue Germanwings“ ist die Antwort auf die Billigkonkurrenz um Ryanair, Easyjet und Co. in Europa. Im Rahmen des Umbau übernimmt Germanwings auch Maschinen von der Mutter Lufthansa.

Die größten Märkte für Billigflieger

Platz 10

Portugal – 951 Starts

Mit 166.723 Sitzplätze und 142 Strecken landet Portugal erneut in den Top Ten.

Platz 9

Schweiz – 1020 Starts

Von den drei Schweizer Flughäfen Basel, Genf und Zürich gehen 152 Strecken ab. Die Flugrouten bieten eine Kapazität für 153.047 Passagiere.

Platz 8

Niederlande – 1147 Starts

Mit der französisch-niederländischen Billig-Airline Transavia haben es die Niederlande in die Top Ten geschafft. Sie bedienen 212 Strecken mit 188.917 Sitzplätzen.

Platz 7

Norwegen – 1599 Starts

Die Billigflieger bieten 281.616 Sitzplätze auf 286 Strecken in und von Norwegen. Die meisten gehen mit Norwegian in die skandinavischen Nachbarländer.

Platz 6

Irland - 1865 Starts

Nur auf Platz sechs landet Irland, obwohl mit Ryanair die größte Billigfluglinie Europas auf der Grünen Insel sitzt und auch die einstige Staatslinie Aer Lingus nun als Low-Cost-Gesellschaft firmiert. 213 Strecken bedienen sie zusammen mit der Konkurrenz. Das macht 300.425 Sitzplätze.

Platz 5

Frankreich – 2913 Starts

Die Top Fünf setzen sich mit der Streckenanzahl deutlich von den Verfolgern ab: 551 Strecken gehen ab Frankreich – fast viermal so viel wie vom zehntplatzierten Portugal. 488.567 Sitzplätze bieten die Billigflieger an.

Platz 4

Deutschland – 5119 Starts

Das geografische Zentrum Europas kommt mit eigenen Billigairlines wie Germanwings auf 658 Strecken mit 792.192 Sitzplätzen.

Platz 3

Italien – 6425 Starts

Italien bleibt auf Rang drei: 1,05 Millionen Sitzplätze auf 1001 Strecken. Die italienischen Anbieter wie Meridiana tragen aber nur wenig zur Sitzanzahl bei.

Platz 2

Spanien – 7594 Starts

Für Billigflieger sind vor allem die Sandstrände im Süden ein beliebtes Ziel. 1,37 Millionen Sitzplätze bringen Spanien auf Platz zwei. Von den 1060 Strecken bietet einige die spanischen Airline Vueling an.

Platz 1

Großbritannien – 10.127 Starts

Mit Abstand die Nummer eins der Liste: 1221 Strecken, das sind rund 160 Strecken mehr als beim zweitplatzierten Spanien. Mit 1,42 Millionen Sitzplätzen liegt Großbritannien ebenfalls vor Spanien.

Methodik

Zweimal im Jahr gibt das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) seine Marktanalyse der europäischen Billigflieger heraus. Die Daten beziehen sich auf einer Woche im Sommerflugplan 2013. Als Strecke gelten Hin- und Rückflug einer Verbindung. Sitzplätze sind die verfügbaren Kontingente, nicht die tatsächlichen Passagierzahlen.

„Die malen die Flugzeuge neu an und denken dann: ,So sieht eine Low-Cost-Airline aus‘“, kommentierte O’Leary den Strategiewechsel. Auf mögliche Übernahmepläne in Europa angesprochen, reagierte der Ire mit Ironie. „Wir haben geprüft, die Lufthansa zu übernehmen“, scherzte O’Leary. Doch die Strategie der deutschen Fluggesellschaft sei dann doch ein wenig zu „konfus“.

Kommentare (3)

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monster

19.06.2013, 17:28 Uhr

Die Strategie von Ryanair ist eindeutig, klar und ohne jede Abweichung nach links oder recht: Menschen wie Vieh behandeln.

Kunzweiler

19.06.2013, 21:29 Uhr

Hochmut kommt vor dem Fall

ulwe

19.06.2013, 22:50 Uhr

ich muss sehr häufig nach Spanien fliegen (2x proMonat) und das wird mir finanziell nur mit Ryanarir ermöglicht. Dadurch, dass Ryanair kleinere Flughäfen anfliegt ist alles viel unkomplizierter und es geht schneller. An Pünklichkeit können es sich einige andere Airlines was abschauen. Ich bin bisher noch nie unfreundlich behandelt worden im Gegensatz zu einigen der "grossen" Airlines. Noch etwas, ich habe weder Aktien von Raynair noch Verwante/Bekannte die für Ryanair arbeiten.

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