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18.09.2015

09:39 Uhr

Großbritannien-Offensive

Lidl setzt Konkurrenten mit Lohn-Vorstoß unter Druck

Rund ein Pfund mehr als die Wettbewerber will Lidl seinen Angestellten in Großbritannien zahlen. Der Vorstoß kostet den deutschen Discounter Millionen, heizt den Kampf der Supermärkte auf der Insel aber weiter an.

1200 Pfund für die meisten Mitarbeiter in Großbritannien. dpa

Lidl-Markt

1200 Pfund für die meisten Mitarbeiter in Großbritannien.

LondonDie Supermarktkette Lidl hat ihren Preiskrieg in Großbritannien auf die Löhne ausgeweitet. Als erster Einzelhändler hat der deutsche Discounter angekündigt, einem Großteil seiner 17.000 Mitarbeiter rund 1200 Pfund (rund 1640 Euro) pro Jahr mehr zu bezahlen und damit eine unabhängige Mindestlohn-Empfehlung zu erfüllen. Das teilte Lidl am Freitag mit.

„Wir erkennen damit an, dass jeder einzelne Mitarbeiter ein integraler Bestandteil des Teams Lidl ist und dass der Beitrag jedes einzelnen von großem Wert ist“, sagte Lidls Großbritannien-Chef Ronny Gottschlich.

Der Mindestlohn pro Stunde steige mit dem Schritt auf 8,20 Pfund (11,20 Euro) in weiten Teilen Großbritanniens und auf 9,35 Pfund (12,80 Euro) in der Hauptstadt London. Derzeit zahlt Lidl 7,30 Pfund außerhalb Londons und 8,03 in der Metropole. Mit der neuen Lohntabelle liegt Lidl fast ein Pfund pro Stunde über der Konkurrenz.

Die größten Discounter der Welt

Platz 10

Dollar Tree belegt den zehnten Platz unter den weltgrößten Discountern. Das US-Unternehmen erwirtschaftete 2014 6,8 Milliarden Euro.

Quelle: Planet Retail/Statista

Platz 9

Auch aus Skandinavien kommt ein Discounter, der es unter die Top Ten der weltgrößten geschafft hat: Rema 1000 gehört zum Konzern Reitangruppen. 2014 setzte das Unternehmen sieben Milliarden Euro um.

Platz 8

2014 generierte der US-Discounter Family Dollar einen Umsatz von 8,3 Milliarden Euro.

Platz 7

Der siebtgrößte Discounter der Welt heißt Biedronka, ist in Polen aktiv, gehört aber der portugiesischen Gruppe JMR Jerónimo Martins Retails. 2014 setzte die Kette 9,3 Milliarden Euro um.

Platz 6

Die sechstgrößte Discountkette der Welt stammt aus Spanien. Das Unternehmen mit dem Namen Dia (zu Deutsch „Tag“) setzte 2014 10,3 Milliarden Euro um.

Platz 5

Auf dem fünften Platz findet sich ein deutsches Unternehmen: Der Discounter Penny, der zur Rewe-Gruppe gehört. 2014 betrug der Umsatz des Discounters 12,1 Milliarden Euro.

Platz 4

Der viertgrößte Discounter der Welt ist Netto. Die Kette gehört zur Edeka-Gruppe und erwirtschaftete 2014 einen Umsatz von 14,5 Milliarden Euro.

Platz 3

Die US-Kette Dollar General verkaufte 2014 Waren im Wert von 15,0 Milliarden Euro.

Platz 2

Der Discounter Lidl, der zur Schwarz Gruppe gehört, belegt im Ranking der weltgrößten Discounter mit großem Abstand zum Drittplatzierten den zweiten Platz. 2014 betrug der Umsatz der Supermarktkette 62,7 Milliarden Euro.

Platz 1

Aldi Nord und Süd sind gemeinsam auf Platz eins im Ranking der weltweit größten Discounter. 2014 verkauften die beiden deutschen Unternehmen Artikel im Wert von 65,9 Milliarden Euro.

Die deutschen Discounter Lidl und Aldi führen seit Jahren einen aggressiven Preiskrieg und haben die Supermarkt-Landschaft in Großbritannien erheblich in Aufruhr versetzt. Alle großen Ketten wie Tesco und Sainsbury schrumpfen und verlieren Kunden, während Aldi und Lidl sprunghafte Wachstumsraten verzeichnen.

Lidl betreibt in Großbritannien derzeit 600 Filialen und will das Netz deutlich erweitern. Jetzt plant der Discounter sogar, Filialen in der Nachbarschaft von Buckingham Palace und dem britischen Parlament zu eröffnen. Lidl will unter anderem im Londoner Luxusbezirk Mayfair expandieren, der für großzügige Herrenhäuser und vornehme Hotels bekannt ist. Im Stadtteil Westminster wird Lidl fünf Filialen eröffnen, weitere zwei sind für die wohlhabenden Bezirke Kensington und Chelsea geplant, wie aus einer internen Liste des Unternehmens zu Filialeröffnungs-Prioritäten hervorgeht, die Bloomberg vorliegt.

Seit Lidl 1994 auf dem britischen Markt angekommen ist, hat die Kette die Anzahl ihrer Filialen auf mehr als 620 ausgeweitet und will diese Zahl annähernd verdoppeln. Innerhalb der Ringautobahn M25 um London betreibt Lidl 70 Standorte und plant laut der internen Liste weitere 281 Läden zu eröffnen.

Mit einer Filiale im Bezirk Westminster and Victoria würde sich die deutsche Kette in Sichtweite der Houses of Parliament begeben. Auch dort würden sparsame Käufer, die sonst in der höherpreisigen Supermarktkette Waitrose shoppen gehen, die Lidl-Läden bevölkern, ist sich Einzelhandelsanalyst Nick Bubb sicher. „Es gibt eine Menge Waitrose-Kunden in wohlhabenderen Gegenden Londons, die Lidl ausprobieren würden“, erklärt er.

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