Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.12.2012

16:04 Uhr

Großbritannien

Starbucks-Rivale freut sich über Steuerstreit

Steuern zahlen lohnt sich. Diese Erfahrung macht die britische Kaffeehaus-Kette Costa. Denn der US-Konkurrenten Starbucks leidet darunter, dass er mit einer Steuervermeidungstaktik die Politik gegen sich aufgebracht hat.

Sieger durch Steuern: Costa hat Analysten zufolge davon profitiert, dass viele Briten den Konkurrenten Starbucks wegen dessen Steuervermeidungstricks boykottieren. dpa

Sieger durch Steuern: Costa hat Analysten zufolge davon profitiert, dass viele Briten den Konkurrenten Starbucks wegen dessen Steuervermeidungstricks boykottieren.

LondonSteuern zu zahlen kann sich lohnen. Diese Erfahrung hat die britische Kaffeehaus-Kette Costa jetzt gemacht. Die Umsätze sind in den vergangenen drei Monaten stärker gestiegen als in den Quartalen zuvor, wie der Mutterkonzern Whitbread diese Woche bekanntgab.

Café-Kette: Warum wir Kaffee bei Starbucks trinken – oder nicht

Café-Kette

Warum wir Kaffee bei Starbucks trinken – oder nicht

Der Druck auf Starbucks wächst - zumindest in Europa. Angesichts der Preise ist die Frage schon berechtigt, warum sich der Weg zur US-Kette lohnt. Handelsblatt Online hat einen kritischen Selbsttest gemacht.

Costa hat Analysten zufolge davon profitiert, dass viele Briten den Konkurrenten Starbucks boykottieren. Die amerikanische Kaffeehaus-Kette ist wegen ihrer Steuermoral in Großbritannien massiv in die Kritik geraten. Costa ist im Gegensatz dazu bislang noch nicht mit Steuervermeidungstricks in die Schlagzeilen gekommen.

Starbucks hat in den vergangenen drei Jahren gar keine Unternehmensteuern auf der Insel gezahlt. Der Konzern hat zwar nichts Illegales getan, sondern nur die offiziell erlaubten Möglichkeiten ausgenutzt. Die Briten haben das Starbucks dennoch übelgenommen.

Wie Starbucks das Comeback gelang

Wieder eine Erfolgsgeschichte

Heute geht es Starbucks wieder richtig gut. Die Kultur kommt wieder beim Kunden an. Noch vor wenigen Jahren sah es ganz anders aus: Starbucks, übrigens benannt nach dem ersten Maat auf der „Pequot“ in „Moby Dick“, drohte unterzugehen. Bis eine beinahe unglaubliche Kehrtwende gelang.

Das Comeback des Gründers

Howard Schultz wird als „Gründer“ von Starbucks bezeichnet. Doch das ist er streng genommen gar nicht. Schultz übernahm den Namen und hatte die Idee, daraus die Kette zu machen, die wir heute kennen. Doch er klebte nicht am Chefsessel und wechselte 2000 in den Aufsichtsrat. 2007 kehrte er in größter Not zurück.

Das Problem: zu schnelles Wachstum

Starbucks galt über Jahre hinweg als Erfolgsgeschichte. Doch „2007 begann Starbucks, an sich selbst zu scheitern“. Das schreibt Howard Schulz in seinem Buch „Onward“ (Wiley-VCH Verlag, 2011). Die Kette war zu schnell gewachsen. Und das hatte negative Folgen. Die Aktie fiel 2007 um 42 Prozent.

Die Folge: schlecht ausgebildete Mitarbeiter

Schultz war der Meinung, dass die Mitarbeiter in den Läden, sogenannte Baristas, inzwischen zu schlecht ausgebildet waren und zu wenig über die Produkte wussten. Dem Kaffee fehlte die Qualität. Kundenumfragen brachten erschreckende Ergebnisse. Der Umsatz stieg zwar, aber Starbucks verlor Geld.

Zu weit weg vom Kerngeschäft

Starbucks expandierte in die ganze Welt, doch das war nur bedingt ein Problem für den Wert der Marke. Zwei Strategien steigerten zwar erheblich den Umsatz, beschädigten aber die Starbucks-Kultur: Zum einen die vielen Produkte neben dem Kaffee, also vor allem die warmen Sandwiches  und der Trend, den eigenen Kaffee außerhalb der Läden anzubieten.

Kultur ging Flöten

Mitte 2007 blieben immer mehr Kunden den Starbucks-Läden fern. Das hatte mehrere Gründe: Abgesehen von den schlechter ausgebildeten Baristas wurden die Maschinen zu groß und die Technik veraltet. Es machte keinen Spaß mehr, Kaffee zu bestellen. Dazu kam der Käse-Gerüch von den warmen Sandwiches, der den Kaffee-Duft mehr und mehr verdrängte.

Eine lange Mängelliste

Howard Schultz rief im Frühjahr 2007 die ersten Brainstorming-Treffen zusammen. Die Erkenntnis: Starbucks war zu einem Unternehmen geworden, das Umsatzwachstum zelebrierte „und nicht das, was wir verkaufen“. 2007 war finanziell gesehen noch kein desaströses Jahr, aber die dunklen Wolken zeichneten sich deutlich ab und 2008 folgte tatsächliche der erste Quartalsverlust.

Zurück zu den Wurzeln

Schultz hatte die Kaffeekultur, für die Starbucks steht, nicht selbst erfunden, sondern sich in Italien abgeschaut. Sein Besuch dort 1982 lehrte ihn laut eigener Aussage die „Magie von Kaffee“ und war „die Keimzelle dessen, was Starbucks ausmacht“.

Der neue alte Chef

Am 7. Januar 2008 kehrte Howard Schultz auf den Chefsessel von Starbucks zurück. Viele waren laut Schultz „sehr traurig“, den bisherigen CEO Jim Donald gehen zu sehen. Aber es wäre die einzige Chance gewesen, das nötige Vertrauen wiederherzustellen. Abgesehen von seiner eigenen Position veränderten Schultz auch weitere Posten in der Vorstandsetage. 

Das Murren der Aktionäre

Wer beim Börsengang von Starbucks eine Aktie gekauft hatte, durfte sich bis 2007 um eine Wertsteigerung von 5000 Prozent freuen. Doch Anteilseigner schauen nach vorn und äußerten gegenüber Schultz immer wieder Kritik. Auch 2008 fiel die Aktie noch. Die Wende kam erst 2009 – beim Stand von unter fünf Dollar. Heute ist das Papier über 35 Dollar wert und damit mehr als vor der Krise.

Neue Konkurrenten

Abgesehen von den eigenen, internen Problemen kam noch ein externes hinzu: Starbucks wurde durch neue Konkurrenten wie McCafé unter Druck gesetzt. Schultz sagte klar: „Was wir nicht tun sollten ist, irgendeinem Konkurrenten die Fähigkeiten abzusprechen, unsere Gäste zu erobern.“

Viele Aufgaben

Schultz sprach in diesen Monaten viel von „Tradition“ und „Leidenschaft“ und lebte es vor. Damit konnte er die Mitarbeiter womöglich begeistern, aber die Investoren verlangten gute Zahlen – und das schnell. Also entwickelte Schultz mit seinem Team einen Katalog von zum Teil harten Maßnahmen.

Schließung von Filialen

Die unangenehmste Maßnahme war die Schließung von 600 Filialen, die Starbucks Ende Juni 2008 bekanntgab. Welche Stores dicht machen mussten, wurde „auf finanzieller Grundlage entschieden“, wie Schultz sagte.

Weiterbildung mit dramatischen Mitteln

Am 26. Februar 2008 schloss Starbucks alle US-Filialen gleichzeitig, um die dortigen Mitarbeiter zu schulen – und neu zu motivieren. Diese Extrem-Maßnahme sollte nicht nur Eindruck auf die Kunden machen, sondern auch den Aktionären direkt vor der Hauptversammlung. Zudem wurden auf speziellen Sitzungen die 8000 Store Manager im Hinblick auf ihre Führungskompetenz geschult.

Neue Kaffeesorten

Derweil investierte der Konzern hohe Summen in die Entwicklung neuer Kaffeesorten, die dem Zeitgeist entsprachen und der Mehrzahl der Kunden entgegenkam. Dazu kamen neuartige Formen von Getränken wie „Sorbetto“, die Starbucks im Juli 2008 einführte.

Maschinen

Doch nicht nur der Kaffee an sich wurde verändert, sondern auch die Maschinen. Starbucks rüstete seine Filialen mit der sogenannten „Clover“, die Schultz zufällig in einem kleinen Café in New York entdeckt hatte. Sie war vor allem viel kompakter als die bisherigen Maschinen und ließ mehr Kommunikation zwischen Barista und Kunden zu. Dazu kam eine neue Expresso-Maschine, die „Mastrena“.

Online-Präsenz

Zudem baute Starbucks seine Online-Präsenz um und führte ein Treuesystem ein. Auch hier gab es zunächst Rückschläge, aber im Laufe des Jahres 2008 griff das System und zog Kunden an. Zudem moderierten die Website jetzt mehr Mitarbeiter in Vollzeit.

Herbe Rückschläge bei der Transformation

Doch trotz des neuen Windes im Unternehmen gab es nicht nur bei der Umsetzung der Maßnahmen immer wieder Probleme: Die kritische Presse reagiert entsprechend auf die zum Teil richtig schlechten Quartalszahlen von Starbucks. Zudem fand die Maßnahme, keine Umsatzzahlen mehr zu veröffentlichen, harsche Kritik- Schultz wollte dokumentieren, dass Umsatzwachstum nicht mehr das wesentliche Ziel sei.

Stellschrauben im Hintergrund

Außerdem herrschte bei Starbucks „ein Mangel an umfassendem Fachwissen über Einkauf und Logistik“, wie Schultz schrieb. Der Fehler lag in der Kultur des Unternehmens, talentierte Leute zu befördern, auch wenn sie nicht immer die dafür notwendigen Zeugnisse hatten. Doch aus der Praxis zu lernen reichte 2008 nicht mehr. Schultz nahm die Schuld auf sich und behob die Missstände so schnell wie möglich.

Vergangene Woche hatte sich der US-Anbieter dem Druck gebeugt und angekündigt, für die nächsten zwei Jahre 20 Millionen Pfund (24,8 Millionen Euro) an die britischen Finanzämter zu überweisen. Starbucks ist die weltweite Nummer eins unter den Kaffeehaus-Ketten. Costa ist mit 1 200 Filialen der Marktführer in Großbritannien.

In den Monaten September bis November hat der Umsatz in den Costa-Cafés, die vor mehr als einem Jahr eröffnet wurden, gegenüber dem Vorjahr um 7,1 Prozent zugelegt. In dem Zeitraum März bis August fiel das Umsatzplus niedriger aus und lag bei 6,8 Prozent. Zuletzt hat Costa nach Angaben der Mutter Whitbread sogar einen neuen Rekord erzielt – mit 3,8 Millionen Kunden und einem Umsatz von zehn Millionen Pfund am Tag.

Die Nachrichten halfen dem Whitbread-Aktienkurs diese Woche nach oben. Am Freitag notierten die Papiere bei 24,40 Pfund und damit bereits 56 Prozent über dem Wert von Jahresbeginn. Neben Costa ist auch die Hotelkette Premier Inn Teil des Unternehmens, das im abgelaufenen Geschäftsjahr 1,7 Milliarden Pfund umsetzte und einen Vorsteuergewinn von 306 Millionen Pfund erwirtschaftete. Knapp ein Drittel der Umsätze lieferte Costa. Die Kaffeehaus-Kette ist in Ländern wie China und Indien ebenfalls vertreten. Zuletzt hätten die Zuwächse in China aber nachgelassen, räumte Whitbread gestern ein.

Auch in der Heimat Großbritannien stößt Costa an Grenzen. So hat das Unternehmen zuletzt das Vorhaben aufgegeben, eine neue Filiale in einer westenglischen Kleinstadt zu eröffnen - wegen des enormen Widerstands der Einwohner. Diese wollten keine Filiale einer großen Kette in ihrer Stadt als Konkurrenz zu den kleineren lokalen Cafés.

Wie die Welt ihren Kaffee trinkt

36 Prozent

... trinken ihn am liebsten mit Milch.

33 Prozent

... trinken ihn mit Milch und Zucker.

21 Prozent

... trinken den Kaffee schwarz.

10 Prozent

... genießen ihren Kaffee mit Zucker.

Von

slo

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×