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04.12.2012

19:10 Uhr

Große Versteigerung

Schlecker-Reste bringen Gläubigern nicht viel

Im ehemaligen Zentrallager der insolventen Drogeriekette wurde das Inventar aus den Werkstätten und Läden versteigert. Insgesamt brachte die Auktion 250.000 Euro ein. Ein Tropfen auf den heißen Stein für die Gläubiger.

Leere Regale in einer Schlecker-Filiale. dpa

Leere Regale in einer Schlecker-Filiale.

EhingenDie Versteigerung des Inventars bei der Drogeriekette Schlecker hat rund 250.000 Euro in die Insolvenzkasse gespült. Das Geld diene dazu, die Ansprüche der Gläubiger zumindest teilweise zu bedienen, sagte ein Sprecher von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Dienstag.

Handwerker und Einzelhändler hatten sich am vergangenen Mittwoch im ehemaligen Schlecker-Zentrallager in Ehingen an der Auktion beteiligt. Unter den Hammer kamen zum Beispiel Elektrogeräte und Werkzeuge aus den firmeneigenen Werkstätten und Regale aus den Schlecker-Läden - insgesamt mehrere tausend Einzelstücke. Für alle habe sich ein Käufer gefunden.

Versteigerung: Schleckers letzte Schnäppchen

Versteigerung

Schleckers letzte Schnäppchen

Die Reste von Anton Schleckers Drogeriereich landeten am Mittwoch unter dem Hammer.

Im Vergleich zu den gewaltigen Forderungen gegen Schlecker ist der Auktions-Erlös aber eher ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Gläubiger verlangen Angaben der Insolvenzverwaltung zufolge mehr als eine Milliarde Euro. Die Versteigerung sollte deshalb vor allem dazu dienen, die 13 Regionallager zu leeren, für die ein Makler im Moment nach Käufern sucht. Der Verkauf der Immobilien werde nun forciert, sagte der Sprecher.

Die Lichter bei Schlecker waren Ende Juni endgültig ausgegangen, in Deutschland verloren etwa 25.000 Menschen ihren Job.

Warum Schlecker Pleite ging

Der Fachmann

Roland Alter hat das erste Buch über die Schlecker-Pleite geschrieben. Die frühere Siemens-Führungskraft ist heute Professor für Betriebswirtschaft und erfolgreicher Autor. In seinem Buch „Schlecker oder: Geiz ist dumm“ (Rotbuch Verlag) fasst er die Gründe für den Niedergang zusammen.  Es folgen die wesentlichen Punkte...

Der Geizhals

Die Grundthese des Autors ist: Anton Schlecker ist an seiner übertriebenen Sparsamkeit gescheitert. „Was diesen einstmals erfolgreichen Unternehmer in seiner nach innen gewandten Allmacht  zu Fall gebracht hat: Geiz.“

Die Mitarbeiter

Und dieser Geiz bezog sich genauso auf die Mitarbeiter. Das Menschenbild von Anton Schlecker beschreibt der Autor so: Menschen besitzen eine natürliche Abneigung gegen Arbeit. Diese Abneigung macht eine strenge, kontrollorientierte Führung notwendig. Der Autor fasst es mit drei Verben zusammen: „Knüppeln, knausern, kontrollieren.“

Die Neonröhre

Keine andere Kette im Einzelhandel hat seine Filialen mit einer simplen, nicht verkleideten Neonröhre ausgestattet. Sie war ein wesentlicher Bestandteil der „Nicht-Atmosphäre“ der Filialen, wie Roland Alter es nennt.

Die Filialen

Die Röhren stehen auch für die Weigerung, am eigenen Konzept zu arbeiten. Schon vor Jahren hätte Schlecker die Röhren abschrauben müssen – die Filialen verschönern müssen. Denn am Ende des Tages passte diese Umgebung nicht zu hochwertigen Drogerieartikeln. Zu Waschmitteln mochte die Neonröhre noch einigermaßen passen, aber nicht zu Gesichtscremes.

Die Konkurrenten

Hätten die Konkurrenten dm, Müller und Rossmann vielleicht nicht so viel Oberwasser bekommen mit ihren schönen, großen, angenehmen Läden, in denen sich die Kunden so viel wohler fühlten.

Das Informationsdefizit

Als die Krise 2004 auch in der Bilanz abzulesen ist, sind die massiven strukturellen Defizite längst da. Vermutlich wusste Anton Schlecker lange Zeit nicht einmal, wie ernst die Lage genau ist. Es trauten sich offenbar zu wenige Entscheidungsträger, Anton Schlecker über die Missstände aufzuklären.  Die Überbringer von schlechten Nachrichten hatte ja auch nichts Gutes zu erwarten, schreibt der Autor.

Kauf von Ihr Platz

2007 kauft Schlecker „Ihr Platz“. 150 Millionen Euro zahlt man für die fünftgrößte Drogeriekette Deutschlands. Doch dadurch stieg nur Schleckers Umsatz – in der Sache half der Kauf kein Stück weiter. Das Geld hätte viel besser für Modernisierungsmaßnahmen in den bisherigen Schlecker-Filialen gesteckt werden müssen.

Die Hoffnung

2008 wird für Schlecker zum Schicksalsjahr. Der Tanker dreht aber viel zu langsam: Größere Filialen sollen die Rettung bringen. Und tatsächlich halten Experten das Konzept des Konzeptes „Schlecker XL“ für gut. Läden mit bis zu 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche und 13.000 Artikeln können mit denen der Konkurrenz mithalten. Aber bei Schlecker gibt es zu wenige der großen Filialen.

Der Kostenfaktor

In dieser Phase rächte sich am meisten, dass Anton Schlecker die Mitarbeiter nicht als Erfolgs-, sondern als Kostenfaktoren ansah. Sie waren für ihn nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems. So kann kein Comeback

gelingen.

Der Imageschaden

Und so kam es zur Unzeit – 2009 und 2010 – auch noch zur öffentlichen Debatte über die Arbeitsbedingungen bei Schlecker. Der Patriarch verhindere die Gründungen von Betriebsräten und das Maß an Kontrolle sei untragbar. Für viele Kunden war der Skandal ein weiterer Grund, die blau-weißen Filialen zu meiden.

Die Liquidität

In diesen Jahren baut Schlecker kräftig um: kleine Filialen werden geschlossen, große XL-Läden eröffnet. Das Thema Liquiditätssicherung spielt noch keine Rolle. In einem Interview betont Schlecker 2010 die solide Finanzbasis. Dabei ist es längst ein Schneeballsystem, die Schlecker noch über Wasser hält.

Der Widerspruch

Schleckers Strategie ist widersprüchlich: Zum einen schließt die Kette viele kleine Filialen, auf der anderen Seite steht im Firmenslogan „For you – vor Ort.“ Doch vor Ort ist Schlecker eben immer seltener. Dabei  plädiert Fachmann Alter dafür, dass Schlecker viel konsequenter das Nachbarschaftsprinzip hätte aufgeben müssen. 

Die Selbstständigkeit

Zudem hielt Anton Schlecker viel zu lange am Prinzip der Selbstständigkeit fest – vermutlich aus falschem Stolz. Dabei hätte das Unternehmen externe Hilfe viel eher gebraucht, seien es Berater oder Finanzinvestoren gewesen.

Der Abschied

Damit hängt auch zusammen, dass Anton Schlecker und seine Frau Christa viel zu lange an der Firmenführung festgehalten haben. Sie hätten es mit einem rechtzeitigen Rückzug nicht nur den Kindern leichter gemacht, sondern auch ermöglicht, dass Finanziers das benötigte Vertrauen bekommen hätten. So war kein wirksames Change Management möglich.

Von

dpa

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