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28.03.2013

10:19 Uhr

„Großer Bluff“

Ryanair bringt Piloten im Tarifstreit auf die Barrikaden

VonTobias Döring

Die Personalpolitik der irischen Billigairline ist seit Jahren umstritten. Jetzt überrascht Ryanair mit einem Tarifvertrag für die Kabine und gibt eine Einigung mit Piloten bekannt. Die sprechen von einer Provokation.

Ryanair-Chef Michael O'Leary: „Großer Bluff durch Ryanair“. dpa

Ryanair-Chef Michael O'Leary: „Großer Bluff durch Ryanair“.

DüsseldorfEuropas größter Billigflieger Ryanair steht seit Jahren wegen des Umgangs mit seinen Piloten in der Kritik. Lange Arbeitszeiten, hoher Druck, niedrige Bezahlung und Sparzwänge sind Schlagworte, die fallen, wenn Ryanairs fliegendes Personal anonym auspackt. Und die Piloten haben wenig Aussicht auf Besserung: Angestellt bei den verschiedensten Basen der Iren in Europa, ist eine gewerkschaftliche Organisation der Berufsgruppe innerhalb des Konzerns fast unmöglich. Gewerkschaften und die Pilotenvereinigungen sind bei Ryanair nicht willkommen.

„Wir erkennen die Piloten-Gewerkschaft nicht an, deswegen machen sie uns Probleme, also sollen sie zur Hölle fahren“, sagte Ryanair-Chef Michael O’Leary unlängst im Interview mit Handelsblatt Online.

Umso überraschender ist eine Einigung, die die Airline am Mittwoch bekanntgab. An den Basen Alicante (Spanien), Bristol und East Midlands (England) sowie Cork und Shannon (Irland) seien neue Fünf-Jahres-Verträge verhandelt worden, denen die Piloten zugestimmt hätten. Diese sehen eine Gehaltserhöhung von zehn Prozent über fünf Jahre, eine Dienstplangestaltung im Rhythmus fünf Tage arbeiten, vier Tage frei, und Rentensteigerungen vor und seien ab dem 1. April gültig.

Die größten europäischen Billigflieger

Platz 10

Wizz Air: 42 Flugzeuge

Die ungarische Fluglinie Wizz Air hat ihr Streckennetz vor allem in Osteuropa. In Deutschland fliegt sie mit ihren 42 Airbus A320 die Flughäfen in Dortmund, Frankfurt-Hahn, Köln/Bonn, Lübeck und Memmingen an.

Quelle: DLR Low-Cost-Monitor 1/2014 (Stand: Frühjahr 2014). Es wurden ausschließlich in Deutschland operierende Airlines in das Ranking aufgenommen.

Platz 9

Jet 2: 49 Flugzeuge

Die britische Billig-Airline Jet 2 gibt es erst seit dem Jahr 2002, trotzdem hat sie mit 49 Flugzeugen eine der größten Flotten unter den europäischen Billig-Airlines. Mit ihren 38 Boeing 737-Maschinen und elf Boeing 757 fliegt die Airline viele Urlaubsziele im Mittelmeer und außerdem New York City an.

Platz 8

Germanwings: 55 Flugzeuge

Die Lufthansa-Tochter bleibt in den Top Ten der europäischen Billigflieger. Germanwings kommt der Aufstellung zufolge auf 55 Flugzeuge in der Flotte. Weil die Lufthansa allerdings noch weitere Flugverbindungen und Maschinen an die Tochter abgibt, wird die Zahl der Flieger noch zunehmen.

Platz 7

Flybe: 59 Flugzeuge

Die britische Airline Flybe betreibt mit 37 Maschinen die größte Flotte an Bombardier Dash Q8-400 Maschinen weltweit. Dazu kommen 22 Flieger von Embraer. Flybe hat seinen Sitz in Southampton und fliegt in Deutschland die Flughäfen in Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover und Stuttgart an.

Platz 6

Vueling: 72 Flugzeuge

Die spanische Fluggesellschaft Vueling startete im Jahr 2004. Die Flotte der Billig-Airline besteht aus Flugzeugen der Typen Airbus A320 und A319. Der Billigflieger gehört mittlerweile zur International Airline Group (IAG), der Mutter von British Airways und Iberia. Die Flotte wächst weiter – auch dank der Übernahme von Iberia-Verbindungen.

Platz 5

Air Berlin: 88 Flugzeuge

Die Netzwerk-Airline Air Berlin ist ebenfalls im Ranking vertreten – mit Strecken, die als Low-Cost-Flüge gelten (siehe Hinweis). Die Fluggesellschaft hat 41 Airbus A319, A320 und A321, 46 Boeing 737 und eine ATR in der Flotte.
Hinweis: Das DLR spricht bei Air Berlin von einer „Grauzone“, in der mehrere Geschäftsmodelle Anwendung finden. In das Ranking wurden nur die bisherigen Low-Cost-Strecken der in Air Berlin aufgegangenen Fluggesellschaften aufgenommen. Bei der Flotte verhält es sich offenbar ähnlich. Die komplette Flotte von Air Berlin finden Sie hier.

Platz 4

Norwegian: 91 Flugzeuge

Zu Norwegian gehören 87 Boeing 737 und vier 787, viele davon sind mit Portraits berühmter skandinavischer Persönlichkeiten geschmückt. Norwegian gehört damit mittlerweile zu den großen im europäischen Luftraum.

Platz 3

HOP!: 102 Flugzeuge

Die Fluggesellschaft ist neu im Ranking – und schießt gleich auf Rang drei vor. Das hat einen einfachen Grund: Der Zusammenschluss mehrerer ehemaliger französischer Regionalflieger unter dem Dach der Air France bedient erst seit kurzem den deutschen Markt.

Platz 2

Easyjet: 197 Flugzeuge

Die britische Fluglinie Easyjet ist die Nummer zwei der Billigflieger in Europa. Zu der wachsenden Flotte gehören 138 Airbus A319 und 59 Airbus A320.

Platz 1

Ryanair: 297 Flugzeuge

Mit einer Flotte von mehr als knapp 300 Flugzeugen ist Ryanair unumstritten die größte Billig-Airline in Europa. Und die Flotte wird noch größer: Bei Boeing haben die Iren zuletzt 175 neue Flugzeuge bestellt.

Außerdem sei ein neuer Tarifvertrag für die Kabinenbesatzung abgeschlossen worden, der eine Steigerung des Gehalts um zehn Prozent in vier Jahren und Verbesserungen bei der Dienstplangestaltung vorsehe. Die deutsche Pilotenvereinigung Cockpit hält dies für einen „großen Bluff durch Ryanair und eine Provokation für die Piloten“, sagte Cockpit-Sprecher Jörg Handwerg Handelsblatt Online. Es gebe keine Tarifeinigung. „Ryanair versucht, den Anschein einer Einigung zu erwecken, die es nicht gibt.“

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Ein vermeintliches Schnäppchen entpuppte sich als Luftnummer.

Die Verhandlungspartner der Arbeitnehmer auf den Basen würden von Ryanair selbst bestimmt. Mit welcher Institution verhandelt wurde, gibt Ryanair in seiner Mitteilung auch nicht bekannt. Bei der Kabinenbesatzung sei mit Vertretern „unter Berücksichtigung ihrer altbewährten umfassenden Tarifverhandlungsstrukturen“ verhandelt worden, die Kabinencrews aller Basen hätten dafür gestimmt, hieß es.

Kommentare (4)

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ines

28.03.2013, 12:17 Uhr

Die Gehaltserhöhungen sind genauso übel wie in allen anderen Firmen auch, ob mit Tarif oder ohne. Wir haben 10 Jahre lang keine Steigerungen auch nur in der Nähe der Inflationsrate gesehen. Was die Firmen den qualifizierten Kräften derzeit zahlen ist eine Zumutung, da mach Ryanair keine Ausnahme. Und wer sagt denn, dass sich jeder nach einer Festanstellung sehnt? Als freier Mitarbeiter ist man wenigstens flexibel und eben nicht an Tarife gebunden, das kann durchaus Vorteile haben. Meist verdienen die Freelancer deutlich mehr, als die Festangestellten. Und wenn Ryanair so werden soll wie die anderen Fluggesellschaften, dann ist es aus mit Billigflügen. Bisher liegen sie noch deutlich unter allen anderen im Preis und fliegen auch meist pünktlich. Ich finde, sie sollten so bleiben wie sie sind: Holzklasse für Kunde und Kollege, dafür billig und unkompliziert.

Account gelöscht!

28.03.2013, 13:56 Uhr

@...falle die.. Erhöhung um zwei Prozent pro Jahr nicht sogar hinter die Inflationsrate in der EU von derzeit mehr als zwei Prozent zurück?, hätten die Piloten gerne von ihrer Airline gewusst....

Den seit Jahren Null- oder Minirunden-geplagten Führungskräften in der deutschen Wirtschaft kommen gleich die Tränen vor Mitleid. (HB, es gibt übrigens in großen Firmen auch Führungskräfte in verantwortungsvollen Positionen, die nur ein Bruchteil der Vorstandsgehälter beziehen, dies nur zu Eurer Information)

LBrueckner

28.03.2013, 17:38 Uhr

Sehr geehrter Herr Döring, der Herr heißt MICHAEL O'Leary, nicht Martin. Trotzdem informativer Artikel, der einmal mehr zeigt, dass man Informationen von RYR nicht für bare Münze nehmen kann.

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