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01.06.2012

15:59 Uhr

Großer Ladenschluss

Das Schlecker-Imperium zerfällt

Es ist vorbei: Die insolvente Drogeriekette Schlecker wird abgewickelt – tausende Mitarbeiter, die bis zuletzt auf ein Wunder gehofft hatten, verlieren ihren Arbeitsplatz. Kanzlerin Merkel will bei der Job-Suche helfen.

Die drei größten Gläubiger Schleckers haben sich an einem geheimen Ort getroffen. dpa

Die drei größten Gläubiger Schleckers haben sich an einem geheimen Ort getroffen.

DüsseldorfAus für Schlecker: Der Gläubigerausschuss hat das Ende für die insolvente Drogeriemarktkette beschlossen. Damit verlieren 13.200 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. „Auch nachdem den Investoren am vergangenen Freitag eine Woche Zeit eingeräumt wurde, um ihre Angebote sowohl finanziell als auch konzeptionell anzupassen, liegt keine Offerte im akzeptablen Bereich vor“, teilte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach einer Sitzung des Ausschusses am Freitag mit.

„Ich bedaure diese Entscheidung im Hinblick auf die vielen, zum Teil langjährigen Schlecker-Mitarbeiter sehr, die jetzt ihren Arbeitsplatz verlieren“, betonte Geiwitz weiter. „Das Restrukturierungskonzept war sehr anspruchsvoll aber grundsätzlich machbar.“ Ein Knackpunkt sei die Zahl der Kündigungsschutzklagen gewesen, wegen derer Investoren ihre Angebote reduziert hätten.

Laut Geiwitz ist es zwar gelungen, die Verluste von 200 Millionen Euro 2011 auf voraussichtlich 25 Millionen in diesem Jahr zu drücken. „Das ist einerseits zwar ein großer Erfolg, andererseits aber immer noch ein Verlust - und den darf ein Insolvenzverwalter auf Dauer nicht machen“, betonte er.

Für den Nachmittag hat die Gewerkschaft Verdi zu einer Kundgebung und Demonstration der Schlecker-Frauen vor dem Bundeskanzleramt in Berlin aufgerufen. Der Bundesvorsitzende Frank Bsirske gibt der FDP die Schuld für das Aus. Bsirske: „Die Verantwortung liegt bei Philipp Rösler und Rainer Brüderle“. Der FDP-Parteichef und der Fraktionschef hätten eine Transfergesellschaft im März verhindert und damit die größte Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik besiegelt. Die Politik könne sich jetzt nicht weiter von ihrer Verantwortung drücken. „Die Bewältigung der Folgen der größten Insolvenz in der Geschichte der Bundesrepublik muss auf allen Ebenen zur Chefsache werden.“

Schleckers Aufstieg und Fall

Drogerieriese und Familiengeschichte

Deutschlands gemessen an der Zahl der Filialen größte Drogeriekette ist untrennbar mit der Familie Schlecker verbunden. In rund 36 Jahren wuchs aus den Anfängen in Baden-Württemberg ein europaweit agierender Handelsriese.Wichtige Stationen in Familie und Firma Schlecker:

1944

Anton Schlecker wird am 28. Oktober in Ulm geboren

1965

Schlecker beginnt seine Berufslaufbahn im Unternehmen seines Vaters, einer Fleischwarenfabrik samt 17 Metzgereien. Erste Selbstbedienungswarenhäuser entstehen in mehreren Orten im Südwesten.

1974

Die Preisbindung für Drogerieartikel fällt weg. Zur gleichen Zeit startete auch dm-Gründer Götz Werner seine ersten Gehversuche als Drogerist. Vorher hatte es nur kleine Drogeriefachgeschäfte gegeben.

1975

Schlecker eröffnet in Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) seine erste Drogerie. Zwei Jahre später sind es 100 Filialen.

1977

Der 100. Discounter mit dem Namen Schlecker eröffnet.

1984

Im Jahr 1984 öffnet Filiale Nummer 1000 die Türen.

1987

Als ersten Auslandsmarkt erschließt Schlecker Österreich; später folgen Spanien, die Niederlande, 1991 - durch die Übernahme von „Superdrug“ - Frankreich

Dezember 1987

Am 22. Dezember überfallen drei Maskierte die Familie Schlecker, als Anton und Christa mit den beiden Kindern Meike und Lars nach Hause kommen; die beiden Kinder werden entführt, ihr Vater handelt das Lösegeld von 18 auf 9,6 Millionen Mark herunter. Nach der Übergabe können sich die 14 und 16 Jahre alten Geschwister am 23.12. selbst befreien. Die Polizei wird erst später informiert. Die Familie zieht sich noch stärker als bisher aus der Öffentlichkeit zurück

1990er

Nach dem Fall der Mauer expandiert Schlecker auch relativ schnell in die neuen Bundesländer.

1994

Schlecker betreibt nach eigenen Angaben rund 5000 Läden; zugleich werfen Gewerkschafter dem Konzern vor, Mitarbeiter systematisch zu schikanieren und zu schlecht zu bezahlen - solche Kritik prägt in den kommenden Jahren immer wieder die Schlagzeilen über den „Drogeriekönig“. Schlecker weist Vorwürfe stets zurück und spricht von Einzelfällen.

2007

Schlecker übernimmt zum Ende des Jahres die ehemals insolvente Osnabrücker Kette "Ihr Platz"

1998

Das Amtsgericht Stuttgart erlässt gegen Christa und Anton Schlecker Strafbefehle von jeweils zehn Monaten auf Bewährung wegen vielfachen Betrugs - weil sie Mitarbeitern eine tarifliche Bezahlung bloß vorgetäuscht hätten.

2008

Der Drogerieriese macht nach Gewerkschaftsangaben 52 Millionen Euro Verlust bei 7,42 Milliarden Euro Umsatz

2010

Im Januar erneute Kritik über Arbeitsbedingungen bei Schlecker, wo bestehende Arbeitsplätze mit Leiharbeitsverträgen ersetzt werden sollten; die Bundesregierung will mit einer „Lex Schlecker“ gegensteuern. Zugleich muss der Drogerieriese einen Umsatzrückgang von rund 650 Millionen Euro auf noch etwa 6,55 Milliarden, davon 4,51 Milliarden Euro im Inland, hinnehmen und schreibt weiter rote Zahlen.

November 2010

Patriarch Anton Schlecker holt im November seine Kinder Meike und Lars in die Führungsspitze und gibt einen Teil seiner Verantwortung ab; der Familienrat bleibt aber wichtigstes Entscheidungsgremium

2011

Schlecker beginnt einen radikalen Umbau seines Filialnetzes; aus den überall verfügbaren Billigläden sollen hochwertige Drogerien in der Nachbarschaft werden - samt Slogan „For You. Vor Ort.“; Neue Führungsgrundsätze sollen schlechte Mitarbeiterführung ein für alle Mal verhindern; das Magazin „Forbes“ führt Anton Schlecker auf seiner Reichen-Liste noch mit 3,1 Milliarden Dollar Vermögen (rund 2,4 Milliarden Euro)

2012

Nach Wochen voller Gerüchte um finanzielle Engpässe gibt Schlecker am 20. Januar bekannt, in die Planinsolvenz gehen zu wollen.

Auch der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Hubertus Heil, macht Wirtschaftsminister Rösler für die Pleite verantwortlich. „Das ist das Ergebnis der Politik von Philipp Rösler. Wir wollen von der Bundesregierung wissen, wie sie mit dem von ihr mitverantworteten Schaden jetzt umgehen will“.

Kommentare (15)

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Dissident

01.06.2012, 14:10 Uhr

Sehr geehrte Frau Merkel,

Sie retten halb Europa mit Milliarden.

Warum retten Sie nicht Schlecker?

Sie retten private Banken mit Milliarden.

Warum retten Sie nicht Schlecker?

Wo ist der Rettungsschirm für Schlecker?



www.wissensmanufaktur.net

www.steuerboykott.org

Account gelöscht!

01.06.2012, 14:55 Uhr

Eine grosse Schande, mehr kann man nicht sagen!
Nochmal das Ergebnis gieriger und ahnungsloser so-gennanter Manager!

Richtig

01.06.2012, 15:08 Uhr

Die Kunden haben Schlecker in die Insolvenz geschickt (und die falsche Strategie von Herrn Schlecker und Verdi...)!
Soll Frau Merkel jetzt etwa ein Gesetzt machen, dass die Bürger dazu zwingt bei Schlecker einzukaufen (und dann eben Rossmann in die Insolvenz zu treiben...)?

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