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26.02.2014

15:18 Uhr

Gründer zieht sich zurück

Gerry Weber bald ohne Gerry

Gründer und Vorstandschef Gerhard Weber zieht sich beim Modekonzern Gerry Weber aus dem Tagesgeschäft zurück. Ein Trio soll künftig das Unternehmen führen – ein Weber ist dann ebenfalls wieder mit dabei.

Unternehmensgründer Gerhard Weber mit seiner Mode: Der 72-Jährige zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück, ein dreiköpfiger Vorstand übernimmt. dpa

Unternehmensgründer Gerhard Weber mit seiner Mode: Der 72-Jährige zieht sich aus dem Tagesgeschäft zurück, ein dreiköpfiger Vorstand übernimmt.

DüsseldorfDer im MDax notierte Damenmodekonzern Gerry Weber steht vor einem Generationswechsel. Der Konzerngründer und Vorstandsvorsitzende Gerhard Weber (72) kündigte am Mittwoch in Düsseldorf an, sich im Oktober aus dem Tagesgeschäft zurückzuziehen. Drei gleichberechtigte Vorstände lenken demnach künftig den Konzern, darunter Webers Sohn Ralf. Der Konzerngründer selbst will in den Aufsichtsrat wechseln, aber nicht den Vorsitz übernehmen.

Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz auf mindestens 900 Millionen Euro steigen, das operative Ergebnis auf 120 Millionen Euro, wie Gerhard Weber ankündigte. Im vergangenen Geschäftsjahr 2012/13 (31. Oktober) war das operative Ergebnis (Ebit) um knapp 9 Prozent auf 105,8 Millionen Euro gesunken. Unterm Strich blieb ein Gewinn von 71 Millionen Euro (Vorjahr: 78,8 Millionen). Die Dividende soll dennoch wie im Vorjahr 75 Cent pro Aktie betragen.

Der Umsatz kletterte um 6,2 Prozent auf 852 Millionen Euro. Zweimal hatte der Konzern wegen des ungünstigen Wetters im vergangenen Jahr die Prognose gesenkt. Denn die Rabattaktionen, mit denen die Lager geleert werden sollten, schmälerten den Gewinn. Das neue Geschäftsjahr sei dagegen sehr gut gestartet, hieß es.

Die größten Textileinzelhändler Europas

Der Bekleidungsmarkt in Europa

Auch wenn es viele bekannte Modeketten gibt – ihr jeweiliger Marktanteil ist recht gering. Das hängt nur teilweise mit dem Online-Handel zusammen. Vor allem vertreiben auch Discounter wie Aldi oder Lidl viel Bekleidung. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2012.

H&M

4,71 Prozent Marktanteil in Europa

Inditex (Zara u.a.)

3,93 Prozent

C&A

2,21 Prozent Marktanteil

Marks&Spencer

1,68 Prozent

Next

1,53 Prozent

Primark

1,36 Prozent

Arcadia

1,2 Prozent

Esprit

0,85 Prozent

TK Maxx

0,8 Prozent

Kik

0,65 Prozent

Quelle

Mintel (über statista.de)

Nach wie vor will das Unternehmen sich auf die Eröffnung eigener Ladenflächen konzentrieren, vor allem im Ausland. In den vergangenen beiden Jahren seien 300 neue Geschäfte hinzugekommen, sagte Weber. Der Umsatz der Läden stieg um 21,4 Prozent auf 363,4 Millionen Euro. Insgesamt betreibt das Unternehmen jetzt 700 eigene Filialen. Diese hatten einen Anteil von 42,7 Prozent am Gesamtumsatz.

Der Umsatz im Online-Handel stieg um 16,3 Prozent auf 19,5 Millionen Euro. Der Großhandel trug mit 488,3 Millionen Euro 57,3 Prozent zum Umsatz bei.

Ralf Weber und der Betriebswirt Arnd Buchardt sind seit August 2013 im Vorstand. Ralf Weber (50) ist für die Bereiche Retail und Unternehmensentwicklung zuständig. Dritter Vorstand ist David Frink. Vermutlich werde zur Hauptversammlung im Juni bekanntgegeben, wer Sprecher wird, hieß es.

Textilindustrie: Kampf ums letzte Hemd

Textilindustrie

Kampf ums letzte Hemd

Dem deutschen Mode-Mittelstand laufen die Kunden weg. Etliche Hersteller schreiben Verluste, einst gefragte Marken wie Strenesse oder Rena Lange betteln bei Investoren um Geld – doch die zieren sich.

Der Modeverband Deutschland „GermanFashion“ sieht ein Umsatzplus von 2,4 Prozent in der deutschen Modeindustrie für 2013 und beruft sich dabei auf eigene Umfragen. Der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) sieht Gefahren für Händler, wenn immer mehr Hersteller eigene Läden aufbauen. Diese Ketten könnten zur Konkurrenz für die Einzelhändler werden. Auch die Wachstumsraten des Online-Textilhandels seien mit 20 Prozent weiterhin hoch.

Das Unternehmen hatte in den vergangenen Jahren den rasanten Expansionskurs mit der Eröffnung zahlreicher eigener Geschäfte im In- und Ausland vorangetrieben und war so von einem Rekordjahr zum nächsten geeilt. Firmenchef Weber setzt wie auch andere Modekonzerne – etwa Hugo Boss – auf ein eigenes Ladennetz. Er erhofft sich nach den Investitionen für die Expansion höhere Renditen als im Großhandelsgeschäft.

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