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07.06.2013

18:37 Uhr

Gütergeschäft

Wirtschaftsflaute lässt Bahn-Gewinn drastisch einbrechen

Die Konjunkturdelle macht sich bei der Deutschen Bahn deutlich bemerkbar. Im Gütergeschäft ging die Nachfrage stark zurück. Das gefährdet auch die Prognosen für das komplette Geschäftsjahr.

Das Gütergeschäft der Bahn ist wegen der Konjunkturflaute eingebrochen – und dadurch auch der Gewinn des Konzerns. dpa

Das Gütergeschäft der Bahn ist wegen der Konjunkturflaute eingebrochen – und dadurch auch der Gewinn des Konzerns.

BerlinDie Wirtschaftsflaute trifft das Gütergeschäft der Deutschen Bahn voll und kann auch nicht mehr durch Passagier-Wachstum im Fernverkehr aufgefangen werden. In den ersten vier Monaten des Jahres schrumpfte der Betriebsgewinn so um gut 40 Prozent auf rund 470 Millionen Euro, wie Konzernunterlagen zeigen, die Reuters am Freitag vorlagen. Gegenüber der eigenen Planung liegt der Konzern somit bereits um fast 200 Millionen Euro zurück. Allein der Fernverkehr, der seit Jahren Passagierzuwächse verzeichnet, konnte seinen Erfolg fortsetzen und die Vorgaben des Konzerns sogar übertreffen. Dies glich aber nicht die Einbrüche im internationalen Logistikgeschäft und bei der Güterbahn aus. Diese rutschte sogar wieder in die roten Zahlen. Der Umsatz des Gesamtkonzerns blieb den Unterlagen zufolge zwar im Vergleich zu 2012 immerhin stabil, verfehlte den Plan aber um rund sechs Prozent.

In Unternehmenskreisen hieß es, der Betriebsgewinn (Ebit - Gewinn vor Zinsen und Steuern) werde nun im Gesamtjahr statt eines neuen Rekordwertes von 2,9 Milliarden noch maximal 2,6 Milliarden Euro erreichen. Selbst dafür müsste sich das Geschäft aber in der zweiten Jahreshälfte stabilisieren.

Der Schienen-Güterverkehr sowie das internationale Logistikgeschäft (Schiff, Flugzeug, Lkw), die für mehr als die Hälfte des Konzerngeschäfts verantwortlich sind, blieben beim Umsatz rund 600 Millionen Euro hinter den Vorgaben.

Güterbahn-Vorstand Alexander Hedderich hatte in dieser Woche auch keine Hoffnung auf Besserung gemacht: „Wir sehen auch dieses Jahr weiter rückläufige Verkehrsmengen in Europa und in Deutschland“, hatte er auf einer Fachmesse in München gesagt. Seine Sparte hänge stärker an der derzeit rückläufigen Industrieproduktion als am recht stabilen privaten Konsum. In der Stahl-, Auto-, Papier- und Chemiebranche sei die Entwicklung weiter schwach. Der flaue Güterverkehr auf der Schiene schlägt zudem auf das Geschäft des Schienennetzes durch, das von den Trassengebühren der Bahnen lebt. Auch hier gab es ein kräftiges Minus.

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Für die Bahn besonders schmerzlich: Der Nahverkehr von DB Regio, lange der wichtigste Gewinnbringer des Konzerns mit den höchsten Gewinnspannen, blieb sowohl hinter dem Vorjahresergebnis als auch hinter der Planung zurück. Verantwortlich macht dafür die Bahn den wachsenden Wettbewerb um die von den Bundesländern vergebenen Aufträge. Derzeit hat die Bahn noch einen Marktanteil von über 80 Prozent. Doch in diesem Jahr wurden nur gut ein Drittel der neuen Aufträge gewonnen, die zudem weit weniger lukrativ als in der Vergangenheit sind.

Dagegen zählte der Fernverkehr nicht nur erneut mehr Passagiere, sondern übertraf mit einem Gewinn von rund 75 Millionen Euro die Planungen um mehr als ein Drittel. Die Auslastung von IC und ICE liegt im Schnitt mittlerweile bei fast 50 Prozent. In Spitzenzeiten kommt das Unternehmen damit an die Kapazitätsgrenze, zumal sich die Lieferung neuer Züge immer wieder verzögert.

Angesichts dieses Dauerproblems schafft die Bahn jetzt einen eigenen Technik-Vorstand. Damit soll Volker Kefer entlastet werden, der bislang für Technik, Netz, Bahnhöfe und Energie zuständig ist, wie es in Bahn-Kreisen hieß. In sein Ressort fallen auch die großen Bauprojekte wie Stuttgart 21. Einen Personalvorschlag für den Technik-Bereich gebe es noch nicht, diese Entscheidung werde voraussichtlich im September fallen, hieß es. Der Konzern wolle dafür möglichst eine Frau gewinnen, da bislang im Vorstand nur Männer sitzen.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

07.06.2013, 19:13 Uhr

"Verantwortlich macht dafür die Bahn den wachsenden Wettbewerb um die von den Bundesländern vergebenen Aufträge. ...Doch in diesem Jahr wurden nur gut ein Drittel der neuen Aufträge gewonnen, die zudem weit weniger lukrativ als in der Vergangenheit sind."

Tja, warum werden wohl so viele Ausschreibungen an andere Bahnunternehmen vergeben. Zum einen liegt es natürlich am besseren Preis-Leistungsverhältnis. Doch dies ist ja nur ein Punkt der Ausschreibungsmodalitäten. So werden z.B. oft morderne Züge usw. gefordert. Da die Bahn solche Investitionen in Züge und Waggons scheinbar nicht im erforderlichen Umfang tätigen will, verliert sie zunehmend Aufträge.

Das wird die Bahn in Zukunft umso härter treffen, da die Regio-Strecken die cash-cows des Unternehmens sind. Die Kunden haben schließlich meist keine Alternative zur Bahn.

Doch statt sich der gewachsenen Konkurrenz zu stellen und in die Regio-Züge zu investieren, steckt man das Geld in Fernverbindungen, die in den meisten Fällen zwar eine Leuchtturmfunktion für den Konzern besitzen, jedoch oft nicht ertragreich sind.

Irgendwann gehts hoffentlich auch für die deutsche Bahn ans Eingemachte.

Ein geplagter Bahnkunde

Hartmut-in-der-Grube

07.06.2013, 23:55 Uhr

Im Nahverkehr ist es bei der Bahn keineswegs so, dass man nicht investieren möchte. Aufgrund der guten Bonität ist bzw. war das sogar eher ein Wettbewerbsvorteil.
Nur die Länder versuchen alle Vorteile der Bahn für die Wettbewerber zu neutralisieren. Das Dumme ist nur, dass man damit staatliche Unternehmen aus Frankreich, Holland, Italien oder Dänemark fördert.
Manchmal wird sogar so ausgeschrieben, dass recht neue Fahrzeuge dann überflüssig werden.
Die Ausschreibungen werden fast immer durch niedrigere Personalkosten entschieden. Bei den Bussen ist dieser Prozess schon weiter fortgeschritten.
Außerdem sind bei der Bahn die Strukturen in der Verwaltung noch viel zu verkrustet. Jeder der vielen Wichtigen versucht wichtig zu bleiben.
Und es wird überhaupt nicht versucht Marktanteile zu verteidigen, da nur auf spezifische Gewinnmargen ohne Berücksichtigung von Synergien geachtet wird.
Vermutlich kann sich die Bahn das aber auch gar nicht leisten, da das große Zukunftsgeschäftsfeld Logistik anscheinend ein einziger Moloch ist. Und ob es was bringt verstärkt Frauen in Führungspositionen zu holen, die dann mit einem Porsche zur Arbeit fahre, ist auch nicht überliefert. In 10 Jahren macht die Bahn nur noch Gewinne mit Arriva im Ausland, S-Bahnen und den Bundesmitteln für das Netz.

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